Stadtgeschehen

Wie wir wohnen können

Jan Wucherpfennig · 30.04.2019

© ArdeaA – AdobeStock

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Interview zu unserem Titelthema berichtet Martine Richli vom Verein „Wohnen mit Kindern“ über die Anfänge und aktuelle Wohnprojekte.

Richli ist seit 2003 Vorsitzende des Vereins „Wohnen mit Kindern“ und organisiert zum Beispiel Info-Veranstaltungen, macht Öffentlichkeitsarbeit und begleitet seit ein paar Monaten die neue Baugruppe WmK4.

Libelle: Frau Richli, seit wann sind Sie Mitglied im Verein „Wohnen mit Kindern“?
Martine Richli: Den Verein habe ich zwar von seiner Gründung 1989 an begleitet, da er sich in den ersten Jahren oft auch in den Räumlichkeiten des Verbands alleinerziehender Mütter und Väter getroffen hat, wo ich damals gearbeitet habe, doch Mitglied sind mein Mann und ich erst geworden, als wir 2000 in das erste von WmK in Düsseldorf initiierte familienfreundliche Wohnprojekt an der Otto-Petersen-Straße eingezogen sind.

2005 begannen bereits die Planungen für das zweite Wohnprojekt des Vereins – Qbus. Warum?
Es gab mehrere Gründe. Die spezielle Wohnsituation an der Otto-Petersen-Straße eignet sich hervorragend für Familien mit jüngeren Kindern, vor allem auch mit der in das Wohnprojekt integrierten Kita „Vorstadtkrokodile“. Einige Bewohner und Bewohnerinnen begannen sich darüber Gedanken zu machen, wie wir wohnen möchten, wenn unsere Kinder älter sind und aus dem Haus gehen. Wir wollten mehr Gemeinschaftsräume schaffen, die multifunktional nutzbar sind. Und im Zuge der Finanzkrise wollten wir unser Geld als Altersvorsorge in unseren eigenen Wohnraum investieren. Den konkreten Anstoß erhielten wir um 2004, als bekannt wurde, dass das Gelände der Reitzensteinkaserne bebaut werden sollte.

Wie ging es dann weiter?
Zehn Familien aus der Otto-Petersen-Straße haben sich mit weiteren Familien zusammengetan und eine GbR gegründet. Geplant wurde, eine der Kasernen familienfreundlich umzubauen. Ein Architekt wurde schnell gefunden. Alles schien seinen Weg zu gehen – bis wir nach fünf Jahren Planung quasi aus der Zeitung erfuhren, dass wir von dem privaten Investor rausgekickt worden waren. Die Stadt Düsseldorf war ebenfalls von der Situation überrascht und hat uns dann das Grundstück am Quellenbusch angeboten. Wir standen nun vor der Entscheidung, einen Neubau zu wagen oder das Projekt sterben zu lassen – wir sind das Wagnis eingegangen. So konnten wir komplett anders planen – auch energetisch. Und sind letztendlich sogar auch noch die erste Klimaschutzsiedlung in Düsseldorf geworden.

Was kostet ein solches Wohnprojekt?
Für das Qbus-Projekt beliefen sich die Kosten auf 2.400 Euro pro Quadratmeter, beim WmK3-Projekt bereits auf 3.300 Euro pro Quadratmeter, plus Zuschläge für Tiefgarage und Gemeinschaftsräume, und im neuen WmK4-Projekt wird der Quadratmeterpreis sicherlich noch höher liegen.

Was passiert in einem familienfreundlichen Wohnprojekt, wenn die Kinder ausziehen?
Es wird sich etwas Neues ergeben, vielleicht ziehen dann unsere Kinder mit ihren Kindern wieder hier ein? Wir wollen uns auf jeden Fall auch im Alter unterstützen und so lange wie möglich hier wohnen bleiben.

Frau Richli, vielen Dank für das Gespräch.

Mehr Informationen zum Thema Wohnen mit Kindern in der aktuellen Aprilausgabe der Libelle 2019, die an den bekannten Verteilerstellen ausliegt.

Tags: Immobilien , Wohnung

Kategorien: Stadtgeschehen , Nachhaltigkeit