Stadtgeschehen

75 Jahre Kriegsende in unserer Stadt

Sarah Schmitz · 13.05.2020

© Bettina Schipping

© Bettina Schipping

Am 8. Mai vor 75 Jahren endete der Zweite Weltkrieg – die  „Stolpersteine“ sind ein Anlass, um mit Kindern über das Thema zu sprechen.

Kunstaktion Stolpersteine in deiner Nachbarschaft

Um sich dem schwierigen Thema Zweiter Weltkrieg auf einem Spaziergang zu nähern, bieten sich die „Stolpersteine“ in der Nachbarschaft an, die manches Kind sicherlich schon einmal bemerkt, aber noch nicht genauer betrachtet hat. Die messingüberzogenen, etwa zehn mal zehn Zentimter großen, in das normale Pflaster des Gehwegs eingelassenen Steine tragen als Inschrift die Namen sowie einige Lebensdaten von Menschen, die Opfer des Nationalsozialismus wurden. Die Steine sind dort zu finden, wo diese Menschen ihren letzten selbst gewählten Wohnort hatten. Mehr als 300 Stolpersteine gibt es in Düsseldorf, zu sehr vielen davon findet man auf dieser Übersicht der Stolpersteine in Düsseldorf auch eine kurze Biografie sowie hier eine Übersichtskarte der Stolpersteine für Düsseldorf. Wer möchte, kann die Steine auch gerne putzen, hierzu einfach einen Lappen und etwas Metallputzmittel mitnehmen. So kann jede*r dazu beitragen, die Erinnerung an die von den Nazis ermordeten Menschen am Leben zu halten, denn wie im Talmud steht: „Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist“.
Mehr Informationen zur Kunstaktion Stolpersteine
Buch zu den Düsseldorfer Stolpersteinen: Stolpersteine / Stumbling Stones, von Angela Genger, Hildegard Jakobs und Andrea Kramp, Droste-Verlag 2012, ISBN 978-3-77001-476-7

Virtueller Rundgang in der Mahn- und Gedenkstätte

Die Düsseldorfer Mahn- und Gedenkstätte bietet Rundgänge zu den Stolpersteinen an, die aktuell leider ausfallen, ebenso wie die Dauerausstellung „Düsseldorfer Kinder und Jugendliche im Nationalsozialismus“. Auch die Gedenkfeier zum 75. Jahrestags des Kriegsende kann nicht stattfinden. Dafür ist die Mahn- und Gedenkstätte auf Facebook aktiv, hier gibt es unter dem Hashtag #weremember „Jeder Mensch hat einen Namen“ auf der Facebook-Seite Lebensgeschichten von ausgewählten Personen aus Düsseldorf, die Opfer der nationalsozialistischen Herrschaft wurden. Außerdem kann man einen virtuellen Rundgang durch das Haus unternehmen.

Kindgerechte Serientipps zu 75 Jahre Kriegsende

Bei schlechtem Wetter und für die Stubenhocker hier noch zwei Fernsehtipps, die mit den Kindern gemeinsam angeschaut und bei Gesprächsbedarf auch noch weiter erklärt werden sollten. Auf den entsprechenden Websites gibt es jeweils Informationen für die Eltern und weiteres Begleitmaterial.

„Der Krieg und ich“

Diese Kinder- und Jugendserie aus 2019 erzählt in acht Episoden, wie Kinder aus verschiedenen europäischen Ländern den Zweiten Weltkrieg erlebt haben. Erzählt wird von Romek aus Polen, der in einem Ghetto lebt, Sandrine aus Frankreich, deren Vater Menschen bei der Flucht hilft, und Anton aus Deutschland, der so gerne zur Hitlerjugend möchte, dessen Vater es aber nicht erlaubt. Die Serie ist dabei nicht zimperlich, die Geschichten dieser Kinder gehen nahe, wobei darauf geachtet wurde, keine traumatisierenden Inhalte zu zeigen. Die Serie ist ab etwa zehn Jahren geeignet.
Kindernetz-Serie „Der Krieg und ich“

„Die langen großen Ferien“

Auch diese vierteilige Zeichentrick-Serie für Kinder ab acht Jahren zeigt den Krieg aus Sicht zweier Kinder, der beiden französischen Geschwister Ernest und Colette. Diese müssen ihr neues Zuhause mit ihren Großeltern verlassen, weil die Deutschen immer weiter vorrücken. Die jeweils 25-minütigen Folgen kreisen jeweils um ein Haupthema: Die Suche nach einer Unterkunft, der Versuch, Kontakt zum Vater aufzunehmen und der Absturz eines deutschen Fliegers. Dabei orientiert sich die Erzählung an Aussagen von Zeitzeugen, die den Krieg als Kinder erlebt haben.
ZDF-Serie „Die langen großen Ferien“

Jugendgerechte Buchtipps zu 75 Jahre Kriegsende

Etwas ältere Kinder verkriechen sich auch ganz gern schon mal mit einem Buch, um sich einem schwierigen Thema zu nähern. Wir haben zwei Buchempfehlungen, die die Geschehnisse des Krieges und der Zeit danach aus dem Blickwinkel von Kindern beziehungsweise Jugendlichen wiedergeben.



„Der Junge auf dem Berg“
Der Kinderroman des Iren John Boyne war 2018 für den deutschen Jugendliteraturpreis nominiert, denn er erzählt die Geschichte eines siebenjährigen Waisenjungen, der von seiner Tante aufgenommen wird – die ausgerechnet in Hitlers Sommerwohnsitz am Berchtesgadener Obersalzberg Haushälterin ist. Der Junge wird dem charismatischen Führer hörig und begeht, um diesem seine Treue zu beweisen, einen fruchtbaren Verrat. Eindrücklich leuchtet der Roman den Grat zwischen bewusster Manipulation auf der einen und individueller Schuld auf der anderen Seite aus.
Der Junge auf dem Berg“, ab 12 Jahren, von John Boyne, Fischer Kinder- und Jugendbuch 2017, ISBN 978-373-734062-5



„Der Junge aus dem Trümmerland“
Dass das Ende eines Krieges mitnichten sofortigen Frieden und ein sicheres Leben für die Menschen der betroffenen Regionen bedeutet, ist Thema des Kinderromans für ab Zwölfjährige: „Der Junge aus dem Trümmerland“. Paul lebt 1947 in Berlin mit seiner Mutter in den Trümmern, der Vater ist im Krieg verschollen. Als die Mutter den afroamerikanischen Soldaten Bill heiraten möchte, bricht für Paul eine Welt zusammen. Er ist fest entschlossen, Bill aus der Familie zu vergraulen. Doch je näher er Bill kennenlernt, desto sympathischer findet er ihn. Dabei ist er doch der Feind, oder?
„Der Junge aus dem Trümmerland“, ab 12 Jahren, von Sarah Bergmann, Magellan-Verlag 2020, ISBN 978-3-734-84723-3

Tags: 75 Jahre Kriegsende , Düsseldorf

Kategorien: Erziehung , Stadtgeschehen , Lesen Hören Sehen