Stadtgeschehen

Grundschulen öffnen (fast) normal  

Tanja Römmer-Collmann · 02.07.2020

© Karolina Madej – AdobeStock

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Ab Montag, 15. Juni, gehen wieder alle Grundschüler*innen täglich in die Schule. Hauptsächliche Regel: feste Klassengruppen.

Es war eine überraschende Wende, als Schulministerin Yvonne Gebauer am Freitag, 5. Juni, verkündete, dass die Grundschulen in NRW ab 15. Juni in den Regelbetrieb zurückkehren. Da hatten nun alle Grundschulen ein kompliziertes rollierendes System ausgetüftelt, um den Kindern von Klasse 1 bis 4 bis zu den Sommerferien noch möglichst gleich viel Zeit mit ihren Lehrer*innen zuteil werden zu lassen, hatten Abstandsmarkierungen auf dem Schulhof und in den Gängen angebracht, Tische gerückt und Eltern und Kinder umfassend über die aufwendigen Corona-Regeln informiert. Aufgrund des Fronleichnamtages plus Brückenfreitag blieben den Grundschulen nun nur drei oder vier Werktage Zeit, um sich wieder ganz neu zu organisieren. Denn ab Montag ist der bisherige Corona-Schulbetrieb hinfällig und es ist einfach wieder (fast) normal Schule.

Schulöffnung: Zustimmung und kritische Stimmen

„Diesen Schritt gehen wir im Interesse der Bildungsgerechtigkeit und der Zukunftschancen unserer Jüngsten“, erklärte Gebauer. Das ist sicher richtig – und schließlich läuft im Nachbarland Niederlande oder in Dänemark die Schule für die jüngeren Kinder auch schon eine Weile ohne größere Einschränkungen und ohne nennenswerte Anstieg der Infiziertenzahlen. Auch andere Bundesländer, allen voran Sachsen, sind schon zum normalen Grundschulbetrieb zurückgekehrt oder beabsichtigen dies zeitgleich. „Wir freuen uns sehr, dass die Ministerin so entschieden hat", reagiert der Elternverein NRW positiv auf die Entscheidung, Grundschulkinder wieder täglich in die Schulen zu lassen. „Viele kleinere Kinder haben mit dem Homeschooling große Probleme und brauchen viel Anleitung. Das können Eltern nicht leisten“, sagte die Landesvorsitzende Andrea Heck der Rheinischen Post. Gerade auch die Viertklässler dürften sich freuen, doch noch einen Abschied im Klassenverband von ihrer Grundschulzeit nehmen zu können.

„Ich finde es cool, dass ab Montag wieder Schule ist und ich alle Freunde wiedersehe. Manche waren nämlich in einer anderen Gruppe. Aber blöd ist natürlich, dass wir nicht mehr ausschlafen können.“ (Jonathan, 10 Jahre, vierte Klasse)

Es gibt aber auch auf der Facebookseite „Bildungsland NRW“ zahlreiche kritische Kommentare, die das „Hü und Hott“ der Landesregierung in Bezug auf die Grundschulen beklagen und eine Öffnung für nur zehn Tage für wenig sinnvoll halten. Gerade auch Familien mit erkrankten Kindern oder anderen Risikopatient*innen im Haushalt sind verunsichert. Vor allem auch die Lehrer*innen sahen sich einmal mehr von ihrem Ministerium übergangen: „Mal wieder wird die Praxis ignoriert“, erklärt der Landesvorsitzende des Verbands Bildung und Erziehung NRW (VBE), Stefan Behlau. Der VBE habe in allen Gesprächen deutlich gemacht, dass viele aktive und engagierte Lehrkräfte und Schulleitungen auf Anweisung des Ministeriums mit hohem Zeitaufwand ihre Pläne bis zu den Sommerferien erstellt haben. „Der immense Aufwand, für wenige Tage die hart erarbeiteten Pläne erneut umzuschmeißen und sich neu zu organisieren, steht in keinem Verhältnis zum Nutzen. Wir sind fassungslos über den Umgang mit den Schulen in Nordrhein-Westfalen.“

Landeselternschaft fordert Pool-Testungen

Auch die Landeselternschaft Grundschulen NRW zeigte sich von der Kurzfristigkeit der Entscheidung überrascht: „Sie stellt Schulen vor enorme Herausforderungen und verunsichert viele Kinder und Eltern. Es ist dringend geboten, die Konzepte für die Sommerferien und einen sinnvollen Handlungsrahmen für das nächste Schuljahr, der die möglichen Infektionsszenarien berücksichtigt, mit mehr Vorlaufzeit für Eltern und Schulen zu veröffentlichen", heißt es in einer Stellungnahme.

„Ich freue mich auf die Schule und dass ich alle Freunde wiedersehe.“ Blanka, 7 Jahre, zweite Klasse

Die Landeselternschaft bewertet positiv, dass die „als unverständlich empfundene Diskrepanz zwischen der Öffnung der Spielplätze, Freizeitparks, und Kitas sowie des Hochfahrens der Wirtschaft einerseits und des so engen Korsetts des schulischen Betriebs andererseits aufgelöst“ werde – zumindest für die Grundschulen. Um das Vertrauen aller Familien in die Sicherheit des Schulbetriebs zu gewährleisten, spricht sich die Landeselternschaft Grundschulen für wöchentliche Pool-Testungen aus – so könnten eventuelle Infektionsketten frühzeitig erkannt und unterbrochen werden.

Welche Regeln gelten an den Grundschulen?

Wie auch schon bei der Wiedereröffnung der Kitas in den „eingeschränkten Regelbetrieb“ gilt auch für die Grundschulen eine ganz wichtige Regel zum Infektionsschutz: Die Kinder bleiben in ihrem Klassenverband in einer festen Gruppe! Sie sollen auch nur von der oder dem Klassenlehrer*in unterrichtet werden. Unter Einhaltung der üblichen Hygiene wie Händewaschen soll so gewährleistet sein, dass eine eventuelle Infektion nachvollziehbar bleibt und sich nicht sofort über die ganze Schulgemeinde ausbreitet.

„Zu Hause habe bin ich mit den Hausaufgaben nie fertig geworden. In der Schule bin ich nicht so gehetzt und kann die Aufgaben in Ruhe fertig machen.“ (Jonathan, 10 Jahre, vierte Klasse)

Aus demselben Grund fangen die Klassen morgens auch zeitlich gestaffelt mit dem Unterricht an und nutzen den Pausenhof zeitversetzt. Auch das OGS-Angebot kann wieder aufgenommen werden, die Notbetreuung endet dementsprechend. Die Einhaltung von Abstandsregeln und das Tragen von Masken sind im normal befüllten Klassenraum weder sinnvoll möglich noch weiterhin gefordert – für die Grundschüler*innen wird sich der Schulalltag also wieder halbwegs normal anfühlen, bis in zwei Wochen dann die Sommerferien beginnen.

Tags: Corona , Düsseldorf , Grundschule , Klasse

Kategorien: Gesundheit , Erziehung , Stadtgeschehen