Schwangerschaft

Papa werden

Isabella Lacourtiade · 12.08.2019

Im klassischen Geburtsvorbereitungskurs geht es in ersten Linie um die Schwangere. Manch werdender Vater fühlt sich da etwas verloren. Für diese organisiert Dr. med. Carsten Hagenbeck, selbst Vater und Oberarzt an der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe der Uni Düsseldorf, regelmäßig spezielle Väterabende. Wir haben mit ihm gesprochen.

Libelle: Heutzutage wird von den werdenden Vätern ja fast schon selbstverständlich erwartet, dass sie bei der Geburt dabei sind. Was genau erfahren die Männer bei Ihren Geburtsvorbereitungsabenden?

Carsten Hagenbeck: Eigentlich gibt es keinen starren Ablauf bei meinen Väterabenden. In gemütlicher Runde sitzen wir mit bis zu 15 Männern bei Getränken zusammen, jedoch nicht mehr da es sonst unpersönlich wird. Zu Beginn frage ich gerne, ob der eigene Vater damals bei der Geburt dabei war. Faktisch waren Geburten ja bis vor einer Generation überhaupt kein Männerthema. Wir sprechen über etwas Anatomie und was im Körper einer Schwangeren passiert - dann werden viele Dinge die den meisten gar nicht so klar waren nachvollziehbar. Fragen sind natürlich jederzeit erlaubt und gewünscht. Dann erkläre ich am Modell wie ein Kind bei einer natürlichen Geburt auf die Welt kommt. Sie erfahren genau, was wann bei ihrer Partnerin während der Geburt passiert. Beim klassischen Geburtsvorbereitungskurs steht der Mann ja eher im Hintergrund, vielleicht traut er sich auch nicht zuzugeben, wenn er etwas nicht weiß. Ich bin davon überzeugt, dass wenn werdende Väter vorbereiteter auf verschiedene Situationen im Kreißsaal sind, es sich positiv auf die Schwangere und den gesamten Geburtsverlauf auswirkt.

Libelle: Welche Rolle haben Väter heute bei der Geburt? Was wird von ihnen erwartet?

Carsten Hagenbeck: Die Hauptperson ist allein die Partnerin, mit Unterstützung ihrer Hebamme und nur bei Bedarf kommt ein Arzt hinzu. Es ist wichtig sich klarzumachen, dass eine Geburt ein natürliches Ereignis ist, aber für die Frau auch ein absoluter Ausnahmezustand. Für den Mann bedeutet das, dass er seine Partnerin möglicherweise nicht wiedererkennen wird: sowohl körperlich als auch emotional. Die Situation ist völlig neu und nicht vorhersehbar. Und als Mann ist man menschheitsgeschichtlich biologisch nur schmückendes Beiwerk. Was Mann allerdings tun kann ist, aktiv da zu sein und versuchen ein wohliges Grundgefühl zu vermitteln und zu „dienen“. Das heißt sich komplett auf die Partnerin einstellen und dabei sehr, sehr nachsichtig sein. Oft kann es verwirrend sein, wenn beispielsweise die Massage oder Zuwendung, die gerade noch als erleichternd empfunden wurde, kurz darauf zurückgewiesen oder erbost verneint wird. Dann ist es eben so, und es gilt sich neu auf die Partnerin einzustellen, wenn nötig immer wieder.

Libelle: Sie bietet die Kurse seit 2016 an: Was interssiert die Männer besonders?

Carsten Hagenbeck: Zum einem sind es Fragen zum Ablauf und zur Organisation: Was ist zu tun, wenn die Wehen losgehen? Wann ist es an der Zeit, in die Klinik zu fahren? Aber auch Tipps bezüglich der Hilfe und Unterstützung für die Frau oder Partnerin werden gefragt: Welche Möglichkeiten gibt es zur Schmerzerleichterung bei der Geburt? Was hilft meiner Partnerin eigentlich wirklich? Wie kann ich mich nützlich machen? Ich möchte den Männern mitgeben, dass sie mit ihrer positiven Anwesenheit unterstützen können. Es ist aber auch keine Schande, wenn der Mann irgendwann merkt, dass er (gerade) nicht mehr kann. Dann sollte Mann überlegen auch mal vor die Tür zu gehen. Manchmal gibt es Fälle, dass ein werdender Vater mit der Situation nicht zurechtkommt. Für die Entbindende kann dies doppelt  belastend sein - mitunter kann sie sich nicht mehr richtig auf den Geburtsvorgang einlassen. Jeder Mann sollte also ehrlich zu sich und seiner Partnerin sein. Mit der Erfahrung und den Gesprächen aus unserem Abend kann er sich vorbereiten.

Das Gespräch führte Isabella Lacourtiade.

Carsten Hagenbecks Väterabende gehen rund zweieinhalb Stunden und sind für die Teilnehmer kostenlos. Aktuelle Termine und Anmeldung unter www.väterabend.de

Zum aktuellen Libelle-Bericht über die neu aufgestellte Elternschule an der Uniklinik Düsseldorf geht es hier: uniklinik-duesseldorf.de/ukd-elternschule

Tags: Baby , Geburtsvorbereitung , Papa , Schwangerschaft , Uniklinik , Väter

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