Schwangerschaft

Hebamme - wie finde ich die Richtige?

Isabella Lacourtiade · 13.05.2019

Annette Sträßer und Nina de Sousa aus der Hebammenzentrale

Annette Sträßer und Nina de Sousa aus der Hebammenzentrale

Die Hebammensuche ist auch in Düsseldorf in den letzten Jahren immer schwieriger geworden. Schwangere sollten sich frühzeitig darum kümmern. Eine gute Anlaufstelle ist die Hebammenzentrale Düsseldorf. Das Team vermittelt Hebammenleistungen und hilft auch bei späten und ganz akuten Anfragen weiter. Wir haben mit der Koordinatorin Annette Sträßer gesprochen.


Die Hebammenzentrale ist ein besonderes Hilfsangebot der Stadt. Was genau ist Ihre Aufgabe?
Wir sind die zentrale Anlaufstelle für alle Schwangeren, die sich eine Hebammenbetreuung wünschen. Über unser Vermittlungsformular können die Frauen angeben was sie suchen: Hebammenvorsorge, Geburtshilfe bei einer Hausgeburt oder nur Wochenbettbetreuung und Nachsorge? Die Anfrage wird dann mit den Kapazitäten der mit uns kooperierenden Hebammen abgeglichen. Passt eine Hebamme, meldet sich diese bei der Schwangeren und  bespricht das weitere Vorgehen mit ihr. Außerdem möchten wir die Situation für Hebammen in der Stadt verbessern und bieten Fortbildungen für sie an. Bei allen Fragen zu Hebammentätigvermittlung in Düsseldorf sind wir die erste Anlaufstelle.

Wie viele Vermittlungsanfragen erhalten Sie durchschnittlich?
Im letzten Jahr haben uns ca. 4.000 Anfragen erreicht. Mit uns kooperieren aktuell rund 100 freiberufliche Hebammen, die nicht nur aus Düsseldorf, sondern auch aus Mettmann, Duisburg, Meerbusch, Hilden oder Wuppertal kommen. Der Bedarf ist also nicht gedeckt.

Wie schätzen Sie die Situation ein? Können Sie für jede Schwangere, die sich bei Ihnen meldet, eine entsprechende Hebamme finden?
Leider können wir nicht jeder Schwangeren eine Hebamme vermitteln. Während sich für die Schwangerenvorsorge viele an ihre Frauenärzte wenden, sind die Frauen, die keine Nachsorgehebamme finden, nach der Geburt zuhause auf sich allein gestellt. Was die Nachsorge angeht, sehen wir eine große Lücke. Meist wird man am dritten Tag nach der Entbindung entlassen und hat zuhause oftmals viele Fragen oder benötigt konkrete Unterstützung mit dem Baby. Ohne Hebamme, die Hausbesuche im Wochenbett macht, müssen diese Mütter dann zum Kinderarzt oder zu einer offenen Hebammenpraxis gehen oder sich einen Termin in der Sprechstunde einer Hebammenpraxis geben lassen.

Was wünschen sich die Frauen bei einer Hebammenbetreuung? Was ist wichtig für Sie?
Schon beim Telefonieren kann man einen ersten Eindruck bekommen. Wie ist die Hebamme erreichbar? Kann ich eine Nachricht hinterlassen? Werde ich zurück gerufen? Wie läuft die Absprache und Kommunikation? Aus meiner Erfahrung heraus ist es für die Frauen zuerst einmal wichtig, dass ihre Hebamme erreichbar und zuverlässig ist. Außerdem sollte sie empathisch und kompetent sein, nicht urteilen und konkrete Hilfe geben können.


Familien stärken
Ein Kind zu bekommen gehört für viele Eltern zur schönsten Erfahrung im Leben. Doch die aktuelle Situation in der Geburtshilfe verschlechtert sich zunehmend. Kreißsaalschließungen und Hebammenmangel gefährden die Gesundheit von Müttern und Neugeborenen. Eltern wollen diese Entwicklung nicht hinnehmen und haben im März 2015 Mother Hood e.V. gegründet. Der Verein setzt sich für eine unbeschwerte und sichere Schwangerschaft, eine optimal begleitete Geburt und eine gute Betreuung danach ein. Alle Frauen und Familien sollten eine stressfreie und gesunde Schwangerschaft erleben und ihr Kind sicher und selbstbestimmt gebären können. Dazu zählt auch die freie Wahl des Geburtsortes und ein gesundes Aufwachsen der Kinder im 1. Lebensjahr.
mother-hood.de

Wie arbeiten Hebammen?
Freiberufliche Hebammen arbeiten in der Regel an Geburtskliniken, bieten aber auch Schwangerenvorsorge und Wochenbettbetreuung an. Niedergelassene Hebammen betreiben meist zusammen mit anderen Kolleginnen eine Hebammenpraxis, wobei jede ihre eigenen Schwangeren betreut. Beleghebammen bietet eine 1:1 Betreuung in der Schwangerschaft, während der Geburt und im Wochenbett. Dafür wird eine Rufbereitschaftspauschale in Höhe von 500 bis 600 Euro fällig (die meisten Krankenkassen übernehmen einen Teil). Zurzeit gibt es dieses Angebot in Düsseldorf nur an der Uniklinik und im Florence-Nightingale-Krankenhaus.  

Was zahlt die Kasse?
Hebammen begleiten Frauen und Familien durch die Zeit der Schwangerschaft, helfen bei der Geburt und stehen im Wochenbett und beim Stillen mit Rat und Tat zur Seite. Jede Schwangere hat ein Recht auf Hebammenhilfe. In der Geburtshilfe gilt gar: eine Geburt kann ohne Arzt stattfinden, ohne Hebamme aber geht nichts. Die Leistungen der Hebamme werden von der Krankenkasse bezahlt. Dazu gehört die Begleitung bei der Geburt, die Vor- und Nachsorge sowie die achtwöchige Wochenbettbetreuung daheim. Ein von einer Hebamme geleiteter Geburtsvorbereitungs- und Rückbildungskurs wird in der Regel ebenfalls übernommen.

Die Hebammenzentrale Düsseldorf ist Montag, Dienstag, Donnerstag und Freitag von 10 – 13 Uhr sowie mittwochs von 15 – 18 Uhr telefonisch unter 0211.691 691 11 erreichbar. Für eine konkrete Hebammenanfrage am besten das Vermittlungsformular auf der Website ausfüllen.
hebammenzentrale-duesseldorf.de

Weitere Kontaktadressen von Hebammen gibt es bei den Geburtskliniken, dem Geburtshaus Düsseldorf, Hebammenpraxen oder unter hebammen-duesseldorf.de


Zum Weiterlesen
Auf ihrem Blog teilt die erfahrene Hebamme Jana Friedrich ihr Wissen und ihre Erfahrung rund um Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett.
hebammenblog.de

Tags: Schwangerschaft, Hebammen

Kategorien: Schwangerschaft