Nachhaltigkeit

Nachhaltige Libelle

Petra Baten · 07.01.2018

© aleepiskin – iStock.com

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Ein neues Jahr beginnt und liegt voller Möglichkeiten vor uns. Wohin soll es gehen? Die Libelle nimmt dieses Jahr das Thema Nachhaltigkeit verstärkt in den Blick.

Was tut sich in der Stadt, worüber können wir berichten, wer hat gute Ideen und was können wir selbst beisteuern? Unser Fokus liegt dabei auf den machbaren kleinen Schritten – für eine nachhaltige Zukunft für uns alle.

Vor ein paar Jahren haben wir, als meine Eltern uns fragten, was wir uns zu Weihnachten wünschen, geantwortet: Wechselt den Stromanbieter, denn damit tut ihr mehr für eure Enkel als mit der dritten Kiste Plastik-Bausteine unterm Weihnachtsbaum. Natürlich konnten wir ihnen das Spielzeug nicht ausreden, wollten wir auch gar nicht, aber sie haben trotzdem den Stromanbieter gewechselt, weg vom lokalen Anbieter hin zu einem Ökostrom-Unternehmen. Jeden kann man mit einer solchen Bitte natürlich nicht erreichen, aber als Familie konnten wir so auch die Generation mit ins nachhaltige Boot holen, die ansonsten aus Gewohnheit die nächsten Jahrzehnte fraglos ihrem bisherigen Anbieter die Treue gehalten hätte.

Lieber unperfekt als gar nicht
Für die Kinder, für die Enkel, für die folgenden Generationen. Gemeinsam eine nachhaltigere Zukunft schaffen. Doch es ist so eine Sache mit der Nachhaltigkeit. An vielen Stellen passt sie so gar nicht in unser Leben: „Das ist ja voll bescheuert. Dann kann man die ja gleich wegwerfen.“ Mein Sohn bringt es auf den Punkt. Die gestern noch heiß begehrten Knicklichter mit den fluoreszierenden Leuchteffekten, die so schön aussehen, dass ich schon große Überzeugungskraft aufwenden musste, um sie ihm vor dem Schlafengehen vom Arm zu schwatzen, sind ein Spaß für eine Nacht. Doch so schlau mein Sohn mit seinen acht Jahren das Prinzip auch durchschaut hat, wird dies die Begehrlichkeit des Produkts für ihn nicht schmälern und mich nicht davon abhalten, die Dinger ab und an eben doch in den Einkaufskorb wandern zu lassen.

Die fehlende Nachhaltigkeit von Knicklichtern wird niemanden überraschen. Erstaunlich ist höchstens, dass man den Vorschlag findet, man könne sich mit einer Taschenlampe und buntem Origami-Papier behelfen, wenn man nach einer Alternative googelt. Oh, bitte! Nachhaltigkeit lässt sich nicht über alles stülpen, was einen Platz in unserem Leben hat. Und wer ein Knicklicht kauft, weiß, dass diese Investition weder unser Ökosystem aufrechterhält noch zukunftsverträglich ist. Für ein gerodetes Knicklicht wachsen keine zwei neuen nach. Trotzdem gibt es sie, nicht nur im Allgemeinen, sondern bestimmt auch bei unserer nächsten Party. Ist Nachhaltigkeit also ein Gummiwort geworden, das das Potenzial hat, Trendbegriff und Unwort zugleich zu sein? Nein! Dass es im familiären Alltag nicht immer einwandfrei nachhaltig zugeht, sollte uns nicht den Spaß an der Freude nehmen und mit schlechtem Gewissen resignieren lassen, sondern uns neugierig und wachsam machen für die trotz allem so zahlreichen Möglichkeiten unseres alltäglichen Handelns und ins Staunen versetzen über unser mittlerweile doch großes nachhaltiges Potenzial.

Für die Zukunft: Go 2018
Wir haben für die Libelle das Jahr 2018 zum „Jahr der Nachhaltigkeit“ erklärt und werden jeden Monat eine Facette unseres Stadtlebens unter die Lupe nehmen, die im Verdacht steht, ein besonders umweltfreundliches Potenzial zu haben. Wir werden versuchen herauszufinden, wie nachhaltig die Stadt ist, in der wir leben, und wie Familien unkompliziert davon profitieren und sich beteiligen können. Dabei wollen wir neben vielem anderem der Rolle von Plastik in unserem Leben auf die Schliche kommen, uns anschauen, wie und wo Upcycling funktioniert, wie Bauernmärkte und Imkereien nicht nur unser Frühstück bereichern und was man neben Auto und Essen so alles sharen kann. Seid gespannt!

 

Kategorien: Nachhaltigkeit