Nachhaltigkeit

Kinderzimmer, die mitwachsen

Jule Leger · 27.08.2018

© Jennifer Joisten

© Jennifer Joisten

Längst ist der Designhype in den Kinderzimmern angekommen. Es geht aber auch anders schön – und wenn es mitwächst, auch nachhaltiger.

Mein eigenes war klitzeklein. Vielleicht 10 Quadratmeter groß. Ein Bett aus Holz mit praktischen Ausziehschubladen. Ein uralter, mächtiger Schreibtisch (von der Uroma) mit genialem Geheimfach. Ein Bücherregal. Das Beste aber: ein Dachfenster, auf dem der Regen so wunderschön prasselte und einen in den Schlaf sang. Ein Geräusch, das ich bis heute vermisse. Auch wenn mein Kinderzimmer ein kleiner Raum war, in meiner Erinnerung ist er vollgefüllt mit Leben. Endlose Playmobil-Spielsessions, ein Puppenschränkchen, das wieder und wieder behutsam geöffnet und die Kleider neu sortiert wurden. Später dann pinke Nageltropfen auf dem schwarzen Schreibtischholz. Auch wenn da gar nicht viel Raum zum Einrichten war, mein Kinderzimmer war für mich perfekt. Ein Rückzugsort. Und überhaupt war der Designhype – egal ob hygge, Vintage oder Bauhaus – in den 90ern vielleicht noch nicht ganz in den Kinderzimmern angekommen …

DIY!

Heute allerdings ist das ein wenig anders. Ganze Magazine, Blogs und Youtube-Kanäle handeln von den perfekten Kinderzimmern. Indirekte Leuchtelemente, pastellige Kreidefarben, selbst gezimmerte Betten aus alten Paletten sind gerade schwer angesagt. Und Wolken mit niedlichen Lachgesichtern, wahlweise als Kuschelkissen oder Lichterketten. Wer sich beim Einrichten inspirieren lassen mag, dem hilft beispielsweise der Channel „Saris Garage“, der großen Wert auf Selbstgemachtes und Ökologisches legt und in detaillierten Videos genaueste Anleitungen zum Nachmachen liefert.

Grundfarben? Nö: Grau!

Wer also recherchiert, der erfährt recht schnell, wie Kinderzimmer heute auszusehen haben. Während ich selbst lange Zeit die Grundfarben für sehr kindgerecht hielt, belehrte mich meine designaffine Freundin erst kürzlich eines Besseren. Grau ist der Hype. Als ich das wirklich geschmackvoll eingerichtete Mädchenparadies ihrer Tochter betrat, staunte ich gar nicht schlecht. Von Pink, Lila, Rosa keine Spur, auch rote oder gelbe Farbtupfen suchte ich vergebens: Verschiedene Grautöne machten den Raum erstaunlich gemütlich. Graue Sternchen an der Wand, der passende Bettdeckbezug dazu. Ein dunkelgraues Kuschelzelt mit pastelligen Wolkenkissen drinnen. Nicht zu vergessen die sehr hübschen skandinavischen Mitwachsmöbel in sanftem Weißgraumelange.

Herrlich nachhaltig

Auch wenn die Zimmer unserer Kinder nicht ganz so Ton-in-Ton sind, auf Mitwachsmöbel schwöre auch ich. So wurde aus dem Hochbett der Großen (das im Keller schlummerte) neulich das erste richtige Bett für den Kleinen. Die hohen Beine waren ohnehin abnehmbar und den Rausfallschutz fanden wir für einen Zweijährigen noch so praktisch, dass wir ihn einfach drangelassen haben. Und wenn er irgendwann alt genug ist, wird im Handumdrehen aus dem niedrigen Bett wieder ein cooles Hochbett mit Leiter, Vorhängen und Rausguckfenstern. Super nachhaltig, super Sache! Und das Angebot an ökologischen Kindermöbeln, schadstofffrei, nachhaltig und multifunktional ist mittlerweile recht groß. Wer bei den Preisen schlucken muss, der sollte bedenken, für wie lange man solche Möbel anschafft. Womöglich nehmen die Kinder sie irgendwann mal mit in die erste eigene Bude. Und dieser Gedanke macht doch irgendwie glücklich. Solche geliebten Stücke landen garantiert nicht auf dem Sperrmüll. Alte Familienerbstücke übrigens auch nicht. Ihre Hausaufgaben macht unsere Tochter an dem uralten, mächtigen Schreibtisch ihrer Ururoma – meinem ehemaligen Kinderzimmerschreibtisch. Zu den alten, pinkfarbenen Nagellackflecken hat sie eifrig neue, türkisene dazugetropft.

Kategorien: Nachhaltigkeit