Nachhaltigkeit

Gesunde Ernährung im Alltag – Essen für die ganze Familie

Juliane Faller · 24.03.2020

© EvgeniiAnd – stock.adobe

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Wie ernähren wir uns richtig? Was ist beim Essen mit Kindern zu beachten? Ernährungsberaterin Kamilla Pyka und Foodbloggerin Nicole Freitag gaben uns Antworten.

Das Thema Ernährung und ihr Stellenwert in der Familie sind so individuell wie die Familien selbst. Während die einen Eltern darauf achten, dass ihre Kinder möglichst wenig Zucker zu sich nehmen und Weizenprodukte vermeiden, sind andere davon überzeugt, dass es besser ist, Kinder von Anfang an mit allen Lebensmitteln vertraut zu machen. Bei der einen Familie bleibt man am Tisch sitzen, bis alle aufgegessen haben, bei der anderen isst jede*r dann, wenn er oder sie Hunger hat. Essen ist ein sehr persönliches Thema und führt häufig zu Glaubensdiskussionen auch in der Familie. Wenn der Opa der Einjährigen die Limo in die Hand drückt, die bisher noch nicht einmal einen Saft bekommen hat, kann das an der einen oder anderen Stelle wahre Familienkrisen auslösen und ist nicht selten mit Sätzen verknüpft wie „Das hat uns ja früher auch nicht geschadet“.

Unverträglichkeiten

Fakt ist: In unserem heutigen Informationszeitalter sind wir manchmal überinformiert und das trifft auch auf das Thema Ernährung zu. Das zeigt sich beispielsweise bei den Unverträglichkeiten. Tatsächlich erkrankten heute nämlich nicht mehr Menschen an Nahrungsmittelunverträglichkeiten, erklärt Kamilla Pyka Ernährungsberaterin im Kinderarztzentrum Kiz. Die wirklich Betroffenen haben aber oftmals Probleme, ernst genommen zu werden.

Was ist wichtig beim Umgang mit Intoleranzen?

Denn die Aufklärung über Unverträglichkeiten sowie die Zahl der Selbstdiagnosen nimmt zu. „Für die betroffenen Personen ist das eine schlechte Entwicklung weil diese dann nicht so richtig ernst genommen werden. Wenn dann da jemand ist mit einer Glutenintoleranz, der sich tatsächlich therapeutisch bedingt glutenfrei ernähren muss, dann wird der manchmal etwas belächelt und einem Trend zugeschoben.“

Regeln für ein schönes Miteinander

Wichtig ist es Pyka zufolge vor allem, sich gesund zu ernähren und auf eine ausgewogene Ernährung zu achten. Dabei weist sie darauf hin, dass es sinnvoll ist, Kinder von Anfang an möglichst viele Lebensmittel probieren zu lassen. Um Kindern ein gesundes Essverhalten zu vermitteln, ist es sinnvoll, dass die Erwachsenen als positives Beispiel fungieren. Außerdem sollte Essen kein zu emotionales Thema werden, das mit Belohnung oder Bestrafung einhergeht.

Wie bringe ich mein Kind dazu, gesund zu essen?

„Wichtig ist, dass am Tisch eine positive Atmosphäre herrscht und beim gemeinsamen Essen keine Probleme besprochen werden. Außerdem ist es auch wichtig, dass es beim Essen klare Regeln gibt und die Erwachsenen das Angebot bestimmen und nicht die Kinder.“ Der Ernährungsberaterin zufolge ist es auch völlig in Ordnung, wenn man den Kindern Alternativen bereithält, allerdings sollten diese dann auch begrenzt und gesund sein. Wenn das Kind beim Essen keinen Hunger hat und eine Stunde danach aber schon, kann man ihm durchaus Rohkost oder Obst anbieten. Das Weißbrot mit Nutella sollte aber dann keine Option sein.

Einfache Rezepte für jeden Tag

Nicole Freitag ist Foodbloggerin und lebt die Leidenschaft zum Essen mit ihrer Familie. In ihrer Familie kochten eigentlich immer die Männer und so musste sie sich bei der eigenen Familiengründung erst einmal in das Thema Kochen einarbeiten. Aus Interesse wurde Motivation und schließlich brachte Freitag zusammen mit den Köchen der Kindertagesstätte Villa Luna, in die ihre Kinder gingen, ein Kochbuch heraus.

Wie koche ich so, dass es den Kindern schmeckt?

„Die Kinder haben im Kindergarten immer so gerne gegessen und kamen nach Hause und fragten, ob ich nicht auch mal Königsberger Klopse so machen könnte wie die. Das hat bei mir den Ansporn geweckt, damit es zu Hause auch mal so gut schmeckt wie in der Kita.“ Aus der Idee des Kochbuchs entstand dann im weiteren Verlauf der Blog, bei dem es vor allem darum geht, eine Rezeptdatenbank mit alltagstauglichen Rezepten anzubieten. Heute ist in der Familie Essen ein ganz besonderes Thema, bei dem es aber auch Regeln gibt. „Wir essen immer zusammen und man muss immer probieren. Das beinhaltet aber auch, dass die Kinder keinen Teller voll bekommen, sondern sich selber so viel nehmen können, wie sie wollen. Und das Faszinierende ist, dass die Kinder durch dieses Probieren auch häufig irgendwann Sachen mögen, die sie in einer anderen Zeit nicht gemocht haben.“

Regionale Produkte und Nachhaltigkeit

Was das Thema Zucker angeht, beschreibt sich die Bloggerin als entspannt. Dabei ist es ihr wichtiger, versteckten Zucker zum Beispiel im Joghurt und in Getränken zu identifizieren und zu vermeiden. „Uns ist es wichtig, dass die Produkte frisch sind, dass wir selber kochen und auch woher das Fleisch kommt. Dann essen wir lieber weniger und dafür gutes Fleisch.“ Regionale Produkte zu kaufen, bietet sich nicht nur bei Fleisch, sondern auch bei Obst und Gemüse an. Dabei wird auch der Einkauf schon zum besonderen Erlebnis, wenn man mit der Familie im Bauernladen vorbeischaut oder mit den Kindern einmal die Woche die Gemüsekiste vom Bauern in der Nähe öffnet und gemeinsam die unterschiedlichen Lebensmittel erforscht und bespricht. Essen wird so zu einem ganz besonderen Erlebnis für die ganze Familie und gleichzeitig sind die Produkte nachhaltig und fair.

Gute Gewohnheit und notwendige Nährstoffe

Das Essen, das auf den Tisch kommt, muss dabei nicht immer besonders ausgefallen sein oder ganz besondere Kriterien erfüllen. Wichtig ist, dass das Essen ausgewogen ist, Kinder regelmäßig ihre fünf Portionen Obst und Gemüse bekommen und die Familie bei ihrem Essen authentisch bleibt. Soll heißen, dass nicht jeder plötzlich nur noch Dinkelpfannkuchen mit Apfelmark essen muss, was aber auch okay ist. Wenn eine Familie beschließt, sich beispielsweise vegetarisch zu ernähren, gibt es ganz wunderbare Möglichkeiten, die notwendigen Nährstoffe trotzdem zu erhalten. Sind alle Familienmitglieder tagsüber unterwegs, dann ist abends der beste Zeitpunkt für die gemeinsame warme Mahlzeit, und wenn das Kind Spinat nicht mag, dann ist es auch okay, wenn es nur Bohnen isst, solange es regelmäßig alle angebotenen Komponenten probiert.

Essen als Gemeinschaftserlebnis

Wenn Essen authentisch bleibt und ohne Druck funktioniert, dann entsteht der Raum für wunderbare Erinnerungen und Essen wird zu einem zusammenführenden Gemeinschaftserlebnis für die ganze Familie. Auch Nicole Freitag ist es wichtig, dass der emotionale Charakter des Essens nicht unterschätzt wird „Es ist doch das Schönste, wenn Gerichte oder Dinge, die man mit der Familie kocht, Erinnerungen wachrufen. Bei uns gehören zum Beispiel Vanillekipferl einfach zur Weihnachtszeit dazu. Noch so ein Beispiel ist Opas Nudelauflauf. Jeder Nudelauflauf ist blöd. Es muss Opas Nudelauflauf sein. Das sind so die Erlebnisse, die ich toll finde, wenn man in der Familie gemeinsam kocht und die Rezepte und Geschmäcker über Generationen weitergereicht werden.“

Tags: Ernährung , Gesundheit

Kategorien: Erziehung , Nachhaltigkeit