Nachhaltige Familie

Familie mit Lastenrad

Beate Berrischen · 22.03.2021

© Schmidt-Mende

© Schmidt-Mende

Verkehrswende live: Familien in Düsseldorf cruisen immer öfter mit dem Lastenrad. Dies und andere Alternativen der Mobilität für Leute mit Kindern.

Ohne Auto zu leben – für Silvia Rochow ist das kein Verzicht, sondern ein Gewinn. „In der Stadt ist ohne Auto alles viel einfacher“, sagt sie und listet auf: Kein Stau, keine langwierige Parkplatzsuche, keine hohen Kosten für Versicherung, Sprit oder Stellplatz, eine gute Kohlendioxid-Bilanz und ein tägliches kostenfreies Fitnesstraining. Bleibt die Frage: Wie bewältigt die alleinerziehende Mutter von zwei Kindern ihren Alltag? Rochows Antwort: „Mit unserem Lastenrad - die beste Investition, die wir je getätigt haben!“

Tägliche Wege: Elektromotor zuschalten

Die dreiköpfige Familie lebt in Düsseldorf-Friedrichstadt. Von hier geht es – normalerweise, aber auch in der Coronazeit fallen nach und nach wieder mehr Wege an – morgens mit dem Lastenrad zur Kita und zur Grundschule. Die beiden Kinder sitzen vorn im Rad, bei schlechtem Wetter schützt sie ein Regenverdeck. Wird die Fahrt zu anstrengend oder es muss schneller gehen, kann Silvia Rochow den Elektromotor dazu schalten. Sind die Kinder versorgt, radelt sie zu ihrem Arbeitsplatz und ebenso geht es später zurück. Einkäufe, die Kinder zu Freunden, zum Fußball oder zur Musikschule bringen, Fahrten zum Arzt – alles wird mit dem Rad erledigt. „Die Bahnanbindung ist zwar auch gut, aber ich finde das Rad praktischer und habe daher auch kein Monatsticket“, so die Düsseldorferin.

Richtig praktisch: Einkäufe bis vor die Haustür

Gleichgesinnte gibt es immer mehr: Allein in ihrem Viertel gebe es mindestens 20 Lastenräder. Dennoch setzt die Mehrheit auf das Auto – trotz der Nachteile. „Jede Woche ärgern sich einige Eltern vor der Musikschule über die Parkplatzsituation. Auf die Idee, mit dem Rad zu fahren, kommen viele gar nicht“, beobachtet Rochow. Auch den Vorteil, dass schwere Einkäufe mit dem Rad direkt vor die Haustür gebracht werden können und nicht vom weit entfernt geparkten Auto bis zur Wohnung geschleppt werden müssen, sehen viele nicht. Ein Argument, das gegen das Fahrrad spricht, kann die zweifache Mutter allerdings nachvollziehen: „Vielen ist es schlicht zu gefährlich, mit dem Rad durch die Stadt zu fahren.“

Bitte mehr davon: Radwege und Stellplätze

Das Radwegenetz in Düsseldorf weise viele Lücken auf, dazu seien vorhandene Wege im schlechten Zustand oder wenig durchdacht, und sorgten für mehr Gefahr als für Sicherheit. Andere Straßen empfindet auch Rochow als so gefährlich, dass sie lieber einen Umweg fahre, vor allem, wenn ihre achtjährige Tochter mit dem eigenen Rad unterwegs sei. Hier müsse die Stadt dringend aktiv werden. Doch nicht nur bessere und mehr Radwege seien erforderlich, sondern auch gesonderte Stellplätze für die Fahrräder – insbesondere die größeren Lastenräder. „Dazu müssten nur überall ein paar Autoparkplätze neu beschildert werden“, meint die Düsseldorferin. Ideal wären aber auch ein paar überdachte Stellplätze – möglichst direkt mit Ladestation für die E-Bikes. Damit wäre für viele Düsseldorfer das Leben ohne Auto ein Gewinn.

Alternativen zum Auto - Top oder Flop?

ÖPNV

+ Umweltfreundlich
+ Innerstädtisches Netz gut ausgebaut, hohe Taktung
- Keine vollständige Barrierefreiheit, Ausfälle bei Aufzügen und Rolltreppen
- In den Stadtteilen oft nur Busse im 20-Minuten-Takt

Carharing

+ Im Vergleich zum eigenen Auto günstig
+ Gute Kapazitäten, verschiedene Wagengrößen
- Keine Kindersitze vorinstalliert
- Höherer Planungsaufwand als eigenes Auto

Bikesharing und E-Roller

+ Für Einzelfahrten von Erwachsenen geeignet
- Für Familien ungeeignet

Lastenrad in Düsseldorf

+ Familiengeeignet
+ Einkäufe bis vor die Haustür, schneller als mit dem Auto
+ Tägliches Sportprogramm
- Zum Teil Stellplatzprobleme
- Hohe Anschaffungskosten, Versicherung nötig

Tags: Lastenrad , Mobilität , Verkehrswende

Kategorien: Stadtleben , Nachhaltige Familie