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Ich. Du. Inklusion

Tina Adomako · 15.05.2017

© mindjazz pictures

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Ein Dokumentarfilm hat Kinder aus einer inklusiven Grundschulklasse zweieinhalb Jahre lang begleitet. Anspruch trifft auf Wirklichkeit.

Seit dem Schuljahr 2014/2015 haben in Deutschland Kinder mit und ohne Behinderungen einen Rechtsanspruch auf gemeinsamen Unterricht in Regelschulen. Viele Förderschulen wurden daraufhin geschlossen. In einer Langzeitdokumentation begleitete Regisseur Thomas Binn zweieinhalb Jahre lang fünf Grundschüler mit und ohne Unterstützungsbedarf. Sie sind Teil des ersten offiziellen Inklusionsjahrgangs an der Geschwister-Devries-Schule im niederrheinischen Uedem. Der Dokumentarfilm zeigt den Schulalltag offen und direkt und wie es ist, wenn der Inklusionsanspruch auf die Wirklichkeit trifft. Eines der fünf Kinder ist Max. Seine Mutter erzählt, dass er viel später als andere Kinder angefangen hat zu sprechen. Deshalb war Max auch lange in logopädischer Behandlung. In der Schule kommt Max nur langsam mit, das Lesen fällt ihm schwer und sein Wortschatz entspricht noch immer nicht dem seiner Altersgenossen. Die Mutter meint, dass ihr Sohn die Förderungen, die er auf Grund seiner Lernbehinderung braucht, in seiner Grundschulklasse nicht bekommt. Nicht nur Eltern, auch Lehrkräfte kritisieren das neue, inklusive Schulsystem. Kinder mit unterschiedlichen Problemen und Förderungsbedürfnissen sind in ein unfertiges inklusives Schulsystem geschmissen worden, was zu Lasten aller geht. Eine Lehrerin drückt es krass aus: „Die Situation ist nicht in Ordnung, weil man sich an den Kindern versündigt“, sagt sie. Die Schule könne die Kinder nicht optimal fördern. Viele Kinder mit Lernschwierigkeiten waren wohl im alten System der Förderschulen besser aufgehoben.

Kinostart: 4. Mai
Regie: Thomas Binn
FSK-Freigabe: ohne Altersbeschränkung

Tags: Film , Inklusion

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