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Filmtipps für zu Hause: alles Knete!

Peter Hoch · 17.06.2020

© Bettina Schipping

© Bettina Schipping

Welchen Film wollen wir gucken? Im Überangebot haben Familien oft die Qual der Wahl. Da helfen die Libelle-Popcornkino-Tipps für tolle Stop-Motion-Animationen!

Wow! Wer schon einmal ein Making-of zu einem Stop-Motion-Animationsfilm gesehen hat, weiß, dass der Aufwand hinter einer solchen Produktion beträchtlich ist: Die Figuren und Hintergründe werden aus echten Materialien – zum Beispiel Knete – kreiert, Schritt für Schritt bewegt und gefilmt, der PC ergänzt dann nur noch einige Spezialeffekte wie Feuer, Blitze oder Wasser – eine unglaubliche Geduldsprobe für die leidenschaftlichen Macher! Leider sind ihre Meisterwerke an den Kinokassen nie ansatzweise so erfolgreich wie die großen, mainstreamigeren Computeranimationsfilme von Disney, Dreamworks und Konsorten. Stop-Motions stammen vor allem aus zwei Studios, die sich mit viel Hingabe diesem ganz besonderen Animationsstil verschrieben haben: Aardman Animations aus dem englischen Bristol (unter anderem „Shaun das Schaf“) und die Laika-Studios aus dem US-amerikanischen Portland. Dort würden wohl Filme wie „Kubo“ und „Mister Link“ gar nicht erst entstehen können, wenn der Firmenboss nicht der Filius des Nike-Chefs wäre, der sich hier seine Träume verwirklicht, selbst sehr talentiert ist und dabei sicherlich auch mal draufzahlt. Mehr als nur einen Blick wert ist außerdem „Mein Leben als Zucchini“ des französischen Trickfilmkünstlers Claude Barras. Bühne frei für die zwölf besten Stop-Motion-Animationsfilme der vergangenen zwei Jahrzehnte!

Chicken Run – Hennen rennen

Henne Ginger will mit ihren „Kolleginnen“ aus einer Hühnerfarm flüchten, wo sie zum Dauereierlegen oder Schlimmerem verdammt sind. Als der Hahn Rocky bei ihnen auftaucht, glaubt Ginger durch ein Missverständnis, er könne ihre Rettung sein. Mut, Fleiß und Teamwork sind es jedoch am Ende, die den Federviehhaufen vor der Gier der Farmbesitzer bewahren. Der allererste Kinofilm von Aardman Animations war vor 20 Jahren ein weltweiter Sommerkinohit. Neben einer actionreichen Story und augenzwinkerndem Humor für alle Altersklassen wartet er mit zahllosen Anspielungen auf berühmte Abenteuerstreifen und Gefängnisdramen sowie einem gehörigen Schuss Fleischkonsumkritik für die etwas älteren Zuschauer auf. Im nächsten oder übernächsten Jahr soll eine späte Fortsetzung in die Kinos kommen.

GB 2000 | Regie: Nick Park, Peter Lord
FSK-Freigabe: ab 6 Jahren I Libelle-Empfehlung: ab 7 Jahren

Wallace & Gromit auf der Jagd nach dem Riesenkaninchen

Mit vier Kurzfilmen haben sich der biedere Erfinder Wallace und sein treuer Hundegehilfe Gromit seit 1989 eine große Fangemeinde erschlossen. Da wurde es 2005 höchste Zeit, dass die beiden Kult-Plastilin-Figuren aus den Aardman-Studios ihren eigenen Kinofilm bekamen. Die zwei Titelhelden arbeiten darin als Kaninchenfänger, nicht zuletzt, weil der traditionelle Gemüse-Wettbewerb von Lady Tottington vor der Tür steht. Für die ist Wallaces Herz entflammt, sehr zum Missfallen seines Nebenbuhlers Lord Quartermaine, und die Situation spitzt sich weiter zu, als ein gefräßiges Riesenkaninchen auftaucht. Während Kinder die liebevoll gestalteten Figuren in ihr Herz schließen, schmunzeln Erwachsene über vielfältige Filmzitate.

GB 2005 | Regie: Steve Box, Nick Park
FSK-Freigabe: ab 6 Jahren I Libelle-Empfehlung: ab 7 Jahren

Die Piraten – ein Haufen merkwürdiger Typen

Er ist zwar namenlos, aber Ruhm, Ehre und vor allem Reichtum sind dem Piratenkapitän dennoch wichtig. In einem Wettstreit um den Titel „Pirat des Jahres“ bekommen er und seine Crew es nicht nur mit manchem Berufskollegen, sondern auch mit der piratenhassenden Königin Victoria zu tun. Auch dieser Aardman-Stop-Motion-Film ist gnadenlos witzig und prächtig animiert.

GB/USA 2012 | Regie: Peter Lord, Jeff Newitt
FSK-Freigabe: ohne Altersbeschränkung I Libelle-Empfehlung: ab 7 Jahren

Shaun das Schaf – der Film

 
Basierend auf der populären TV-Serie brachten Aardman Animations 2015 einen ersten Langfilm um den wolligen Titelhelden in die Kinos. Durch ein Missgeschick wird Shauns Bauer darin vom Hof in die große Stadt befördert und verliert dabei das Gedächtnis. Seine Scherkünste lassen ihn fern der Heimat jedoch bald zum Starfriseur avancieren. Shaun, seine Freunde und Hütehund Bitzer wollen ihn zurückholen, werden dabei jedoch von einem bösen Tierfänger verfolgt. Der Quasi-Stummfilm zündet ein Feuerwerk britischen Humors, das ebenso wie die besten Episoden der Serie auch erwachsene Zuschauer in seinen Bann zu ziehen versteht.

GB 2015 | Regie: Mark Burton, Richard Starzak
FSK-Freigabe: ohne Altersbeschränkung I Libelle-Empfehlung: ab 5 Jahren

Early Man – Steinzeit bereit

Einige tausend Jahre vor unserer Zeit jagen und sammeln Bobnar und sein Höhlenmenschenstamm recht friedlich in ihrem Wald herum, bis eines Tages die Bronzemenschen – die nächste Entwicklungsstufe der Menschheit – mit mächtigen Maschinen einfallen und alles für sich beanspruchen. Um dagegen vorzugehen, begibt sich der junge Dug in die Bronzestadt, deren Bewohner fußballsüchtig sind – eine Erkenntnis, die Dug für seine Zwecke nutzen wird. Mit gewohnter Liebe zum Detail und viel Charme macht auch dieser Film von Aardman Animations Spaß und unterhält kurzweilig. Die Qualität der vier Vorgängerproduktionen erreicht er wegen des manchmal zu großen Fokus auf das Fußballthema allerdings nur bedingt.

GB 2018 | Regie: Nick Park
FSK-Freigabe: ohne Altersbeschränkung I Libelle-Empfehlung: ab 6 Jahren

Shaun das Schaf 2: Ufo-Alarm

Schaf Shaun entdeckt in seiner Scheune ein merkwürdiges Weltraumwesen, das auf der Erde eine Bruchlandung hingelegt hat. Die freundliche Außerirdische namens Lu-La stellt mit ihm bald allerlei Unsinn an, verfügt aber auch über ungewöhnliche Kräfte, an denen eine ominöse Organisation interessiert ist, die ihr Ufo gefunden hat. Als die Aliendame irgendwann das Heimweh plagt, lassen Shaun und seine Freunde nichts unversucht, sie zurück nach Hause zu bringen. Mit Hilfe einer netten Geschichte und cleveren Bildgags haben die Aardman-Animationskünstler der Filmografie ihres Studios einen weiteren gelungenen Eintrag hinzugefügt.

GB 2019 | Regie: Will Becher
FSK-Freigabe: ohne Altersbeschränkung I Libelle-Empfehlung: ab 5 Jahren

Coraline

Coraline langweilt sich in ihrem neuen Zuhause, einer verfallenen Landvilla, die sie mit ihren dauergestressten Eltern bezogen hat. Eines Tages entdeckt die Elfjährige eine magische Tür, durch die sie in eine Parallelwelt kommt, in der alles viel interessanter erscheint und die Eltern Zeit für sie haben. Bald vermisst Coraline ihr altes Zuhause gar nicht mehr – wird sie wohl noch rechtzeitig das gefährliche Geheimnis der Anderswelt-Bewohner mit ihren seltsamen Knopfaugen entdecken? „Nightmare Before Christmas“-Regisseur Henry Selick hat mit dieser Adaption eines Kinderbuchs von Fantasy-Bestsellerautor Neil Gaiman den allerersten Film der Laika-Studios inszeniert und ein schaurig-schönes Kindergruselmärchen voller erinnerungswürdiger Bilder erschaffen.

USA 2009| Regie: Henry Selick
FSK-Freigabe: ab 6 Jahren I Libelle-Empfehlung: ab 9 Jahren

ParaNorman

Norman spricht mit den Toten und gilt bei seinen ungläubigen Mitschülern deshalb als irrer Außenseiter. Das ändert sich jedoch, als seine Heimatstadt vom Fluch einer Hexe getroffen wird. Die schwarzhumorige Horrorkomödie war 2013 für den Oscar als bester Animationsfilm nominiert, an den Kinokassen war sie leider ein Flop. Für zartbesaitete Kinder ist das leicht gruselige Treiben im zweiten Film der Laika-Studios ungeeignet, Menschen ab circa zehn Jahren, idealerweise mit Sinn für morbiden Humor, kommen aber garantiert auf ihre Kosten.

USA 2012 | Regie: Chris Butler, Sam Fell
FSK-Freigabe: ab 12 Jahren I Libelle-Empfehlung: ab 10 Jahren

Die Boxtrolls

 
Um einen Sitz im Stadtrat von Cheesebridge zu ergattern, baut ein fieser Kammerjäger Anfang des 19. Jahrhunderts die Mär kinderfressender Unterwelt-Trolle weiter aus. Die Trolle gibt es wirklich, in Wahrheit sind sie aber herzensgut. Vor der Vernichtung durch den Bösewicht kann sie nur ihr menschlicher Schützling Egg bewahren. Der oscarnominierte Film der Laika-Studios ist ein Fest für Fans verschrobener und leicht gruseliger Fantasiegeschichten im Stile des englischen Autors Roald Dahl („Küsschen, Küsschen!“, „Hexen hexen“) und basiert auf Alan Snows Romantrilogie „Die Monster von Rattingen“.

USA 2014 | Regie: Graham Annable, Anthony Stacchi
FSK-Freigabe: ab 6 Jahren I Libelle-Empfehlung: ab 7 Jahren

Kubo – der tapfere Samurai

Woher seine magischen Fähigkeiten kommen, weiß der einäugige Straßenjunge Kubo nicht. Auf jeden Fall erweckt er Origami-Figuren zum Leben, mit denen er von Gut und Böse erzählt und Geld für sich und seine kranke Mutter verdient. Als Kubo eines Tages einen zornigen Geist heraufbeschwört, muss er fliehen. Auf seiner beschwerlichen Reise begegnet er neuen Freunden, die ihm im Kampf gegen übernatürliche Feinde beistehen und helfen, das Rätsel zu lösen, das seine Familie umgibt. Die visuell faszinierende vierte Geschichte der Laika-Studios ist besonders episch und abenteuerlich, gleichzeitig aber auch meditativ fernöstlich ausgefallen, nimmt Anleihen bei den Filmen des japanischen Studio Ghibli („Chihiros Reise ins Zauberland“) und ist weit weg vom slapstickhaften Trickfilm-Einerlei.

USA 2016 | Regie: Travis Knight
FSK-Freigabe: ab 6 Jahren I Libelle-Empfehlung: ab 8 Jahren

Mister Link – ein fellig verrücktes Abenteuer

Der Forscher Sir Lionel Frost erhält ein Schreiben, das ihn auf die Spur einer mythischen Kreatur bringt, die das evolutionäre Bindeglied zwischen Tier und Mensch sein soll. Als er den etwa zweieinhalb Meter großen, friedfertigen und auch sprachbegabten Fellmann tatsächlich entdeckt, stellt sich heraus, dass der einsame „Mister Link“, wie Frost ihn tauft, den Brief selbst verfasst hat. Denn er ist der Letzte seiner Art, weshalb er den Weltenbummler darum bittet, mit ihm nach seinen Verwandten, den Yetis, zu suchen. Unterstützung bekommen sie durch die Abenteurerin Adelina Fortnight, es gibt aber natürlich auch Schurken mit finsteren Absichten. Auch Laikas jüngster Streich macht unglaublich viel Spaß und ist ein technisches Meisterwerk, wegen einiger schweißtreibender Actioneinlagen aber nichts für schwache Nerven.

USA/CDN 2019 | Regie: Chris Butler
FSK-Freigabe: ab 6 Jahren I Libelle-Empfehlung: ab 7 Jahren

Mein Leben als Zucchini

Icares Vater verließ die Familie, als der jetzt Neunjährige noch ein Baby war, seine Mutter ist Alkoholikerin und stirbt in den ersten Filmminuten. „Zucchini“, so Icares Spitzname, kommt daraufhin ins Kinderheim, wo er richtig gute Freunde findet, darunter die gleichaltrige Camille. Als Camille zu ihrer bösen Tante ziehen soll, möchten die anderen Kinder sie davor bewahren. Im Gegensatz zu den meisten Filmen bricht „Mein Leben als Zucchini“ eine Lanze für die Zufluchtsstätte Kinderheim und schildert es als Ort der Sicherheit. Regisseur Claude Barras hat für sein preisgekröntes Langfilmdebüt einen Roman von Gilles Paris so zurechtgestutzt, dass die Handlung trotz ernster Themen für Kinder ab dem mittleren Grundschulalter geeignet ist. Natürlich gibt es nach der kurzen Laufzeit von nur einer Stunde auch ein Happy-End.

CH/F 2016 | Regie: Claude Barras
FSK-Freigabe: ohne Altersbeschränkung I Libelle-Empfehlung: ab 8 Jahren

Libelle-Popcornkino

Alle vorgestellten Filme sind auf DVD, Blu-ray oder bei Streamingdiensten erhältlich.

Und hier ist das Rezept fürs Popcorn:

Ihr benötigt:

  • einen beschichteten Topf mit Deckel
  • einen Kochlöffel
  • ein Handtuch
  • 1 bis 2 Esslöffel Fett (Öl)
  • 2/3 Kaffeebecher Popcorn-Mais
  • 1/3 Kaffeebecher Zucker
  • eine Schüssel

Zubereitung:

  • Öl im Topf erhitzen
  • Maiskörner und Zucker mischen und dazugeben
  • Rühren, bis das erste Maiscorn „aufpoppt“
  • Topf mit Deckel verschließen, Herd runterstellen
  • Wichtig: Den Topf ständig bewegen und schwenken, damit nichts anbrennt! Dazu am besten das Handtuch gefaltet über den Deckel und die beiden Griffe legen.
  • Wenn (fast) alle Maiskörner aufgepoppt sind, das Popcorn in die Schüssel umfüllen und dabei verklebtes Popcorn leicht auflockern

Wer die salzige Variante bevorzugt, lässt den Zucker weg und streut ganz am Schluss etwas Salz über das fertige Popcorn.

Tags: Familienfilm , Kinderfilm , Libelle-Popcorn-Kino , Stop-Motion-Animation

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