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Erziehst du nur oder bloggst du schon?

Nadine Lente · 02.01.2018

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Erziehung, Ernährung, Elternsorgen: Zu allen erdenklichen Themen des Familien-Daseins äußern sich Mütter wie Väter im Internet auf einer eigenen Präsenz. Längst gibt es für diese Spezies eine eigene Gattungs-Bezeichnung: „Elternblogger“. Welche Motivation steckt eigentlich dahinter? Kann man damit Geld verdienen? Und wie sieht die Szene im Libelle-Verbreitungsgebiet aus?

Eigentlich ist die Bezeichnung „Blogger“ schon wieder überholt. Im Online-Business spricht man längst von „Influencern“; Firmen wie Drogeriehändler DM, Kosmetik-Hersteller Schaebens oder Windelhersteller Pampers haben eigene Angestellte für das sogenannte Influencer-Marketing. Als „Influencer“ (dtsch. „Beeinflusser“) bezeichnet man im Social-Media-Marketing Personen mit starker Präsenz und hohem Ansehen in einem oder mehreren sozialen Netzwerken. Dazu zählen neben eigenem Blog vor allem Instagram und YouTube, aber auch Twitter, Periscope oder Snapchat. Ein altes Sprichwort branchenspezifisch neu formuliert fasst treffend zusammen: Vor lauter Plattformen sieht man die Sozialen Medien nicht mehr.

Bloggen als Business
Einer, der hier den Durchblick behalten hat, ist der Düsseldorfer Roland Schweins. Schon 2007 hat sich der ehemalige Wirtschaftsjournalist und Objektleiter der Verlagsgruppe Handelsblatt Online mit den sozialen Medien und mit Bloggern beruflich beschäftigt. Damals steckten diese noch in den Kinderschuhen, nur wenige Unternehmen oder Institutionen nahmen Blogger oder YouTuber als „Beeinflusser“ oder gar als Teil der Medienlandschaft wahr. „Heute investieren Unternehmen in Social-Media-Marketing und die erfolgreichsten Blogs sind kein Hobby mehr, sondern richtige kleine Unternehmen.“ Wie zum Beispiel kathinkaaaa.com. Bloggerin und Krankenschwester in Elternzeit Kathi (28) hat stolze sowie treue 94 000 Follower bei Instagram und ist mit ihren Beiträgen sowie professionellen Fotos rund um die Themen „Family, Lifestyle, Beauty und Fashion“ auch für Unternehmen dieser Branche höchst interessant. Vertreten wird sie von einem eigenen Management unter dem Namen „kmedia“ in Hoyerswerda.

In Düsseldorf bloggen viele Papas
„Allein in Düsseldorf sind mehr als 80 Mama- und Papablogger aktiv“, schätzt Roland Schweins. Interessant: Der Großraum Düsseldorf ist besonders papabloggerlastig. „Einige der größten und besten kommen hierher, darunter papa-online.com oder vaeter-und-karriere.de vom Düsseldorfer Hans-Georg Nelles. Insgesamt machen Papablogs aber nur ein Prozent der Elternblogosphäre aus. Schade, oder?“ Wer sich speziell für Papablogs interessiert, der findet – designtechnisch gerade aktuell passend für alle Star-Wars-Fans – eine gute Übersicht mit Links auf ichbindeinvater.de. Hier bloggen die Kölner Dr. Thomas Guntermann und Thomas Lemken unter dem Motto „Früher waren wir cool – jetzt sind wir Väter“.

Gebloggt hat Roland Schweins auch einmal, auf passionpapa.de. Zum Thema Elternblogger ist er aus persönlichen Gründen gekommen – 2010 und 2012 sind seine beiden Söhne geboren. Beruflich beschäftigt hat er sich in den Anfängen seiner Düsseldorfer Firma „Styleranking“ jedoch erst mal mit Beauty- und Modeblogs. Wie kommt man(n) zu dem Thema? „Das war eine ganz unromantische Entscheidung“, erzählt er. „2007 war die Branche noch ein ,weißer Fleck‘ im Netz. Themen wie Auto oder Karriere waren bereits gut besetzt von mobile.de oder stepstone.de. In Sachen Mode dachte man damals – wie man jetzt weiß, fälschlicherweise –, das verkauft sich nicht online und auch die Verlage hinkten hinterher.“ Schweins gründet Styleranking als Modecommunity, als Online-Magazin. Schnell umgibt er sich mit Bloggern; seit 2011 organisiert er alle sechs Monate Fashion-Blogger-Cafés in Berlin und Düsseldorf. Bis zu 200 Blogger kommen, um Kontakte zu knüpfen und die Konkurrenz kennenzulernen. Mittlerweile Agentur, bringt Schweins Unternehmen und Blogger zusammen. Seit 2014 organisiert er erfolgreich Elternbloggercafés. 2018 findet eines von dreien zum ersten Mal nicht in Düsseldorf, sondern am 10. Juni in Köln statt. Die beiden anderen im Herbst in München und in Berlin.

Rechtliche Fallstricke
Möglichkeiten, mit einem Blog Geld zu verdienen, gibt es viele: Links, Banner, Marken-Kooperationen. Leben können davon allerdings nur einige wenige. Reichweite und vor allem Qualität der Follower und User zählen für die Firmen. Besonders lukrativ können sogenannte Advertorials sein, das sind bezahlte Artikel und Fotos oder Filme, die ein Produkt vorstellen. Hier werden durchaus höhere, vierstellige Summen verlangt – und das vorgestellte Produkt sowie durchaus auch weitere des Herstellers gibt’s kostenlos dazu. Doch Vorsicht: Jeder, der bloggt oder gegen Bezahlung in den sozialen Medien unterwegs ist, muss sich an gesetzliche Vorgaben halten. Ein Advertorial ist kein journalistischer Artikel und muss als Werbung gekennzeichnet sein.


3 Fragen an die Düsseldorfer Bloggerin Nicole Freitag, verheiratet, zwei Kinder (7 + 9), die-kleinen-feinschmecker.de

Warum bloggst du?
Meine Motivation ist das Thema „Ernährung“. Viele Mamas und Papas haben täglich die gleiche Herausforderung wie ich: Was gibt es heute zu essen? Das Problem wollte ich lösen. Ich habe angefangen, Rezepte zu sammeln, die gesund, im normalen Zeitrahmen zu kochen sind und vor allem schmecken. Ich gebe Tipps weiter, die mir sehr geholfen haben. Alles hat immer mit Essen, Zutaten, Zubehör, Lunchboxen oder Deko zu tun. Seit kurzem gibt es auch das Thema Familienzuwachs ;-) wir bekommen nämlich einen Hund ....

Seit wann bloggst du?
Seit Juni 2016

Ist Bloggen dein Beruf, verdienst du damit Geld?
Nein, das mache ich nebenberuflich, bzw. eher als Hobby. Meine Einnahmen hieraus decken bisher nicht die Kosten des Blogs. Das vor allem aber auch, weil ich nur Werbung zu Produkten oder Dienstleistungen mache, von denen ich wirklich überzeugt bin.

 

Tags: Blogger , Influencer

Kategorien: Erziehung , Lesen Hören Sehen