Kultur

Zentrale Gedankenspiele

Tanja Römmer-Collmann · 05.12.2018

© Melanie Zanin

© Melanie Zanin

Das Junge Schauspiel, fernab der Innenstadt in Rath zu Hause, spielt mit dem Gedanken, in Zukunft das Central am Hauptbahnhof zu nutzen.

Das Junge Schauspiel Düsseldorf, überregional bekannt für engagierte und fesselnde Produktionen, innovative Formate und reichlich Leben im Haus, hat aus seiner abgelegenen Lage in Düsseldorf-Rath sicher immer das Beste gemacht. Aber trotzdem träumt nicht nur Leiter Stefan Fischer-Fels von einem Umzug in die Stadtmitte: Wenn das Central am Hauptbahnhof irgendwann ab 2020 nicht mehr als Ausweichbühne für das „große“ Schauspiel gebraucht wird, so die jüngste Idee, könne man doch vielleicht ..? Und tatsächlich ist der ungewöhnliche Ort zwischen Haupt- und Busbahnhof bei den Theaterbesuchern immer gut angekommen. Die beleuchtete Brücke als provisorisches Foyer ist ein Hingucker, die Spielstätte von überall her bestens erreichbar. Letzteres ist natürlich auch gerade für Schulklassen, die das Junge Schauspiel vormittags bevölkern, ein schlagendes Argument. Hinzu kommt der bevorstehende Umbau der ehemaligen Hauptpost zu einem Kulturzentrum mit unter anderem Stadtbibliothek, FFT und Theatermuseum. Tanzhaus NRW und Capitol befinden sich gleich um die Ecke: Kein Wunder, dass die Idee einer solchen zentralen Kulturzone das Herz jedes Kulturschaffenden höher schlagen lässt: „Wir verfolgen die Idee, das Central, gemeinsam mit einzelnen Produktionen der Bürgerbühne, als Kulturzentrum für Kinder, Jugendliche und alle Generationen zu bespielen. Die Brücke könnte für das Café Eden als Ort dienen, auch abends könnten mehr als bisher Stücke gezeigt werden, und auf der Brücke könnten gute Partys stattfinden. Die Nähe zu den Werkstätten könnten aus dem Central einen ,gläsernen Betrieb' machen, in dem Kinder das Berufsfeld Theater kennenlernen“, führt Stefan Fischer-Fels seine Visionen aus und sieht neben der besseren Erreichbarkeit vor allem auch inhaltliche Chancen. Also warum rufen nicht gleich alle laut „Jaaa!“? Nun, neben der Nachnutzung der Rather Münsterstraße sind unter anderem auch der gleichzeitige Bedarf für Probebühnen und Werkstätten im Central sowie die Kosten für Umbau und technische Umrüstung zu bedenken. Am Freitag dieser Woche tagt der Aufsichtsrat des Schauspielhauses, auch im Stadtrat wird die Idee diskutiert werden, denn Stadt und Land müssen ebenfalls zustimmen. Fischer-Fels holt tief Luft und sagt: „Wir hoffen, dass der Traum wahr wird.“

Kategorien: Kultur , Stadtgeschehen