Kultur

Zeitlose Klassik

Andrea Vogelgesang · 03.07.2017

Perikles von William Shakespeare in einer Aufführung von TheaterTotal aus Bochum.

Jørn Stocker ist gerade mal 21 Jahre alt und doch zweifelt man keinen Moment daran, dass er die Rolle eines ehrwürdigen Helden angemessen auf die Bühne bringt. Mit seiner großen Statur, dem Vollbart und dem locker nach hinten fallenden mittellangen Haar entspricht sein Phänotyp schon a priori der Vorstellung eines Perikles, der in Shakespeares Werk auf schicksalhafte Weise seine Familie verliert und viele Höhen und Tiefen im wahrsten Sinne des Wortes durchschiffen muss. Dabei durchlebt er eine breite Gefühlspalette von tiefster Verzweiflung bis hin zu höchstem Glück und hält allen Herausforderungen tugendhaft stand.
Jørn gehört zum Ensemble von TheaterTotal aus Bochum und arbeitet mit 21 weiteren jungen Teilnehmern an der Inszenierung des Stückes.
Er nahm im vergangenen Juli an einem zweitägigen Workshop teil, in dem improvisiert, getanzt und in kleinen Szenen gespielt wurde. Anschließend wurde er unter 60 Bewerbern für die Hauptrolle ausgewählt.
Regisseurin Wollrath-Kramer –Selbst viele Jahre Schauspielerin– fasste nach einem Unfall den Entschluss, jungen Erwachsenen zwischen Schue und Beruf eine Möglichkeit zur Orientierung zu verschaffen.
Auch wenn die Tournee am Ende des Jahres mit bis zu 50 Aufführungen den krönenden Abschluss bildet, wird weit mehr als Schauspiel gelernt.
Die Erfahrungen beziehen sich dabei auch auf ganz alltägliche Belange, wie kochen, Hauswirtschaften und soziale Gruppeninteraktion. Ebenso liegen die Technik, das Bühnenbild, Auf- und Abbau, die Planung und Organisation der Tournee in den Händen der Teilnehmer. „Es ist ein Geschenk an die jungen Menschen, zu erleben wie sie aus eigener Energie und Kraft solch ein Projekt meistern.” so die Regisseurin.
Auch die 19 jährige Elena, die Perikles` tot geglaubte Frau Thaisa spielt, ist beeindruckt von der Intensität der Zeit: „Man gibt immer 100 Prozent und alle ziehen an einem Strang. Im Rückblick gefällt mir auch sehr, dass wir gemeinsam mit Flüchtlingskindern und Schülern einer Düsseldorfer Sonderschule, eine Tanzperformance einstudiert haben.
Der tiefere Sinn von TheaterTotal liegt nicht darin, Schauspieler auszubilden, sondern junge Menschen mit sich selbst und der Realität vertraut zu machen. Wie kann dies besser geschehen als mit einer derart intensiven Forderung in so vielen Bereichen?
Am 27. Juni wird „Perikles“ auch in Düsseldorf gespielt, an der Rudolf Steiner Schule an der Diepenstraße 15. Der Inhalt erscheint zeitlos, mit den psychologisch tiefgründigen Einblicken in die Vielfalt menschlicher Charaktere zwischen Gut und Böse und dem Standhalten des Helden und seiner Familie gegenüber allen Widrigkeiten - die man neudeutsch als äußerst resilient bezeichnen würde.

Tags: Theater

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