Kultur

Reich? Nein, danke!

Andrea Vogelgesang · 13.05.2019

St. Martin, Franz von Assisi und andere: Warum sprechen wir noch heute über sie? In unserer Mai-Ausgabe rund ums Thema „Teilen“ überlegen wir, was an den großen Teilern der Geschichte so fasziniert.

Was fasziniert uns bis heute?
Technische Errungenschaften und die scheinbare Kontrolle in allen Lebensbereichen haben es nicht geschafft, Armut und Leid in der Welt zu überwinden. Immer noch sind die Menschen an vielen Orten der Welt Nöten und Ungerechtigkeiten ausgesetzt. Der Blick auf die schwachen Seiten des Lebens wird heutzutage gern verdrängt. Dabei braucht es in allen Zeiten den Mut und die Kraft, sich auch genau damit auseinander zu setzen. Nicht aber in rationaler Pflichterfüllung, sondern mit Empathie und menschlicher Hinwendung. Wahre Größe zeigt sich nicht darin, auf der Seite der Starken zu glänzen, sondern die Schwächen als Teil des Menschseins anzuerkennen und bestmöglich zu integrieren: Das ist eine zeitlose Herausforderung und so sind die Taten der großen Teiler immer aktuell und berühren emotional, wenn man sich auf sie einlässt.

Die gesamte Schöpfung ehren – der Heilige Franz
Franz von Assisi lebte von 1181/82 bis 1226 – das ist schon eine Weile her: Umso bemerkenswerter, wie nachhaltig sein Wirken bis heute ist, 2013 nannte sich der jetzige Papst nach ihm. 1980 war der Heilige Franziskus von Johannes Paul II zum Patron des Umweltschutzes und der Ökologie ernannt worden. Denn Franz von Assisi rief dazu auf, nicht nur im Menschen, sondern auch in Tieren, Pflanzen und der gesamten Natur den Schöpfer zu ehren und Sorge für das „gemeinsame Haus“ zu übernehmen. Seine Jugend hatte er in Reichtum verbracht, doch nach einer Eingebung Gottes verteilte er all seine materiellen Güter und zog als Wanderprediger durch das Land. Er gilt bis heute als Patron der Armen, Blinden, Lahmen, Strafgefangenen, Sozialarbeiter und Schiffbrüchigen; außerdem dient er als Vermittler zwischen den unterschiedlichen Religionen.

Ein guter Mann - Martin von Tours
Jedes Kind kennt ihn: den St. Martin. Von Klein auf verbindet sich mit ihm ein besonderer Tag – mit dem Gedanken an den Laternenzug, der einem Schimmel mit Reiter in rotem Gewand durch die Straßen folgt. Beeindruckend ist die Szenerie am Ende, wenn im Feuerschein auf einem freien Platz seine anrührende Tat nachgespielt wird. Sie zeigt, wie er als – übrigens gerade mal 17-jähriger – Soldat an einem kalten Wintertag für einen spärlich bekleideten Bettler am Wegesrand sein Pferd zum Stehen bringt und seinen Mantel mit dem Schwert teilt, um dem armen Mann eine wärmende Hälfte abzugeben. Im Traum erscheint Martin in der darauffolgenden Nacht Jesus in dem Mantelteil des Bettlers mit den Worten: „Ich bin nackt gewesen und ihr habt mich gekleidet … Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan.“ Martins gute Tat gilt bis heute als Vorbild für christliche Nächstenliebe.

Robin Hood – ein fairer Räuber
Auch wenn Robin Hood alles andere als ein Heiliger war und bis heute ungeklärt ist, ob er tatsächlich gelebt hat oder nur als eine literarische Figur zum Helden wurde, lässt sich sein Wirken auch den großen Teilern zuordnen. Denn er überfiel im Sherwood Forest reiche Leute, um seine Beute dann an die Armen zu verteilen. Auch für Frauen soll er sich eingesetzt und zur Jungfrau Maria gebetet haben, obwohl er die Kirche ablehnte. Der britische Kunsthistoriker Julian Luxford fand 2009 einen Hinweis, dass der legendäre Gesetzlose offensichtlich um 1340 zusammen mit seinen Komplizen Englands Wälder unsicher machte. In manchen Geschichten wird der kluge und im Bogenschießen begabte Räuber als ein Adliger dargestellt, den man schlecht behandelt hat. Deshalb habe er sich als Gesetzloser vor den Herrschern im Wald verstecken müssen und sich entschieden, armen Menschen zu helfen.

Mutter Teresa – eine Heilige unserer Tage
Die uns als Mutter Teresa bekannte Ordensschwester wurde 1910 im heutigen Mazedonien als Agnes Gonxha Bojaxhiu und Tochter eines  Bauunternehmers geboren. Sie wuchs katholisch auf und entschloss sich als 18-Jährige, ins Kloster zu gehen. So kam sie nach Kalkutta, wo sie als Lehrerin in der Nähe eines Armenviertels arbeitete. Im September 1937 entschloss sie sich, ihr Leben den Ärmsten der Armen zu widmen, ab 1946 lebte sie vor Ort im Slum und bekam 1948 die Erlaubnis, ihren Orden zu verlassen, um 1950 die Gemeinschaft der Missionarinnen der Nächstenliebe mit zunächst zwölf Schwestern zu gründen. Sie kümmerten sich um ausgesetzte Säuglinge, Kranke, Hungernde und Sterbende und eröffnete unter anderem 1962 eine Leprastation. Mutter Teresa erhielt schon zu Lebzeiten, auch wenn es durchaus auch Kritik an ihr gab, viele Auszeichnungen. Sie starb 1997 und wurde 2016 heiliggesprochen.

Tags: Gesellschaft , Heilige , Religion , Sharing

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