Kultur

Osterbräuche aus aller Welt

Tanja Römmer-Collmann · 08.04.2021

© Dmitry Lobanov – AdobeStock

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Das christliche Osterfest ist ein Fest der Freude. Deshalb sind die Osterbräuche rund um die Welt fröhlich, skurril und ein bisschen verrückt ... Weiter unten erklären wir dir typische Ostersymbole – oder weißt du, warum ausgerechnet der Osterhase die Eier bringt?

Frühling ohne Ostern? Bei uns undenkbar. Das christliche Fest zum Gedenken an die Auferstehung Jesu markiert das Ende der Fastenzeit und zugleich den Beginn der aufblühenden Natur nach dem langen Winter. Dazu gibt es vielerorts symbolische Traditionen. Zu den typischen Symbolen und ihrer Bedeutung findest du unten Infos.
 
Zwar schränkt das Coronavirus die Osterfeierlichkeiten auch in diesem Jahr wieder ein. Dennoch lohnt sich ein Blick auf die vielen bunten und zum Teil kuriosen Osterbräuche rund um den Globus. Vielleicht mögt ihr ja auch einmal etwas Neues ausprobieren?

England: Eier rollen um die Wette

Klar, es geht immer ums Osterei. In England und Schottland werden die bunten Eier nicht nur versteckt, sondern auch um die Wette gerollt. Knallbunt angemalt, kullern sie Abhänge oder abschüssige Straßen hinab. Das Ei, dass es am weitesten schafft, bevor es zerbricht oder liegenbleibt, gewinnt. Es heißt, die rollenden Eier symbolisieren das Wegrollen des Steins vom Grab Jesu.

Wales: Purzelbäume zum Sonnenaufgang

Schon früh am Ostermorgen quälen sich die Waliser*innen aus ihrem Bett, noch bevor die Sonne aufgeht. Sie spazieren gemeinsam auf einen Hügel und erwarten den Sonnaufgang. Für sie symbolisiert er die Auferstehung Christi. Sobald sich die ersten Sonnenstrahlen zeigen, schlagen die Frühaufsteher*innen auf ihrem Hügel drei Purzelbäume.

Irland: Heringsbegräbnis beendet Fastenzeit

Ostern bedeutet: Ende der Fastenzeit! Das feiern einige Iren und Irinnen noch heute mit einem symbolischen Begräbnis. Sie beerdigen Heringe und tragen damit bildlich die Fastenzeit zu Grabe, in der Fleisch traditionell verboten ist und überwiegend Fisch gegessen wird. Zum Ostermahl freuen sich dann alle auf kulinarische Abwechslung.

Polen: Zünftige Wasserschlacht

Am sogenannten „nassen Montag“, dem Ostermontag, jagen sich in Polen die Menschen gegenseitig mit Wasserpistolen, Wasserbomben oder gar Wassereimern. Der Brauch stammt aus dem Mittelalter, als Junggesellen ihre Auserwählte mit Wasser bewarfen – als Zeichen ihrer Zuneigung. Heute ähnelt das Ganze mehr einem Wet-T-Shirt-Contest.

Frankreich: Gigantisches Omelett

Französ*innen schätzen gutes Essen. Daher bereiten die Einwohner von Bessières in Südfrankreich immer am Ostersonntag ein riesiges Omelett aus mehr als 5000 Eiern zu. Angeblich hat einst Napoleon in dem Ort ein so gutes Omelett genossen, dass er anschließend nach demselben Rezept eins für sein ganzes Heer zubereiten ließ. Heute dürfen touristische Gäste von dem Omelett probieren.

Finnland: Rutenhiebe auf den Rücken

An Palmsonntag, genau eine Woche vor Ostern, nehmen sich die Finnen Birkenruten zur Hand und versetzen sich damit leichte Schläge auf den Rücken. Damit wollen sie an den Einzug Jesus‘ in Jerusalem erinnern, bei dem er vom Volk mit Palmwedeln begrüßt wurde. Am Ostersonntag sollte man sich in Finnland lieber die Ohren zuhalten: Mit Trommeln und Tröten ziehen Kinder durch die Straßen und beenden lautstark und fröhlich die Fastenzeit.

Norwegen: Detektive unterwegs

In Norwegen sind zu Ostern alle im Krimifieber. Denn die „Osterkrimis“ sind eine Tradition, bei der viele Verlage sowie Radio- und Fernsehredaktionen mitmachen. Kriminalgeschichten und Thriller, bei denen das ganze Land mitfiebert, beschäftigen die Fantasie der Menschen. Sogar auf Milchpackungen sind kurze Detektivgeschichten abgedruckt.

Schweden: Fliegende Osterhexe

Jedes Jahr am Gründonnerstag fliegt in Schweden die traditionelle Osterhexe Påskkäring auf ihren Hexenberg Blåkulla. Um das zu feiern, verkleiden sich Kinder als Hexen, mit bunten Kopftüchern und natürlich dem obligatorischen Besen. Dann gehen sie von Tür zu Tür und verteilen selbst gemalte Osterbriefe. Dafür bekommen sie Süßigkeiten.

USA I: Die schönsten Hüte

Bei den vielen Osterparaden in den USA – so zum Beispiel der Easter Parade auf der 5th Avenue in New York, die dieses Jahr sicherlich ausfallen wird, geht es vor allem darum, ausgefallene, mit Blumen geschmückte Hüte zur Schau zu tragen und zu feiern. Mit den Kostümen, Musikkapellen und bunten Osterwagen erinnert die Parade an unsere Karnevalsumzüge.

USA II: Rollende Eier im Garten des Weißen Hauses

In den USA lädt der amtierende Präsident jedes Jahr am Ostermontag Kinder und ihre Familien zum traditionellen Ostereierrollen in den Garten des Weißen Hauses ein. Die Kinder rollen hartgekochte Eier mithilfe von langen Löffeln entlang eines Parcours über den Rasen. Gewinner ist, wer die Strecke am schnellsten zurücklegt, ohne das Ei zu zerbrechen.

Guatemala: Große Jesus-Skulptur

In Lateinamerika, zum Beispiel in Guatemala, tragen die Menschen zu Ostern große Jesus-Skulpturen durch die Stadt. Auch die Spanier ziehen mit Heiligenfiguren durch die Straßen und tragen dabei Umhänge mit spitzen Kapuzen. In Italien sind am Karfreitag viele Kreuzprozessionen zu sehen: Die Menschen erinnern mit dem Kreuz auf dem Rücken an den Leidensweg Jesu.

Haiti: Drachen am Himmel

Auf Haiti gibt es einen ganz besonders schön anzuschauenden Osterbrauch: Monatelang basteln die Menschen an kunstvollen Drachen, die dann in der Osterzeit am zumeist strahlend blauen Himmel zu sehen sind. Schokoladene Süßigkeiten hätten in der karibischen Hitze wohl auch keine Chance, aber bunte Straßenumzüge sind auch dort bekannt.

Russland: Frisches Osterbrot

Für die russisch-orthodoxe Kirche ist Ostern das größte religiöse Fest im Jahr und noch prächtiger als Weihnachten. Die Familien backen verschieden große Osterbrote, die sie an Freunde und Bekannte verschenken. Das Osterbrot heißt „Kulitsch“ und wird in einer hohen, runden Form gebacken – früher hat man dazu Wassereimer verwendet.

Bulgarien: Osterbrot und Eierkampf

Am Palmsonntag werfen Mädchen Weidenkränze in den Fluss und lassen sie um die Wette schwimmen. Am Gründonnerstag werden die Eier gefärbt, wobei das erste Ei symbolisch für das Blut Christi rot bemalt wird. Am Karfreitag backen die Bulgaren das traditionelle Osterbrot „Kosunak“, in dessen Mitte ein Ei platziert wird. Zu Ostern steht dann ein „Eierkampf“ auf dem Programm: Bei der Begrüßung schlägt man Ostereier gegeneinander.

Österreich: Wildes Ratschen

In vielen Ländern bleiben vor Ostern die Kirchenglocken stumm als Zeichen für das Leid Jesu. In Österreich gehen dann die Kinder mit klappernden Ratschen durch die Straßen und sagen Sprüche auf. Dafür gibt es – natürlich – Süßes oder auch mal ein paar Münzen. Seit 2015 ist das Ratschen in der Karwoche als immaterielles Unesco-Kulturerbe anerkannt.

Australien: Von wegen Osterhase

In Australien jedoch haben sich Wildkaninchen zu einer wahren Plage entwickelt. Daher haben die Australier den kleinen Hoppler kurzerhand durch ein Beuteltier ersetzt, den Kaninchennasenbeutler Bilby. Mit hochstehenden Ohren und Hoppelsprung sieht er einem Hasen durchaus ähnlich und macht auch aus Schokolade eine gute Figur. Besonders praktisch: In seinem körpereigenen Beutel transportiert das niedliche Maskottchen die Ostereier.

Italien: Riesen-Schokoladenei für Leckermäuler

Ein Schokoladenosterei mit einem Umfang von 2,50 Metern? Was wie ein kühner Kindertraum klingt, wird in Italien Wirklichkeit. Im kleinen Örtchen Castiglione in Teverina versucht die örtliche Schokoladenfabrik seit 20 Jahren jedes Jahr an Ostern, ihren eigenen Rekord aus dem Vorjahr zu knacken. Ist das riesige, in Papier gewickelte Schokoei fertig, kommt es auf die Waage – um dann Stück für Stück in den Mündern der Zuschauer*innen zu verschwinden.

Ein Teil der Informationen über Osterbräuche in aller Welt wurde uns freundlicherweise zur Verfügung gestellt von „Education First“ (EF), einem Anbieter für Sprach- und Bildungsreisen, internationale akademische Abschlüsse und Kulturaustausch. www.ef.de

Bedeutung der Ostersymbole

  • Warum eigentlich steht so oft das Ei im Mittelpunkt der Osterbräuche? Es gilt als Zeichen der Wiedergeburt und Auferstehung: So wie aus dem Ei ein lebendiges Küken schlüpfen kann, hat Jesus mit der Auferstehung aus dem Grab den Tod überwunden.
  • Stillgelegte Kirchenglocken dagegen erinnern in vielen Ländern an die Leidenzeit und den Tod Jesu. Oftmals gibt es schweigende Umzüge in dunklen Kutten – die Menschen möchten Buße tun.
  • Das Auspeitschen mit den Palmwedeln vom Palmsonntag oder ähnliche Selbstgeiselungen – das kann auch das in Polen praktizierte Wasserspritzen sein – gehen in eine ähnliche Richtung.
  • Auch die nächtlichen Osterfeuer vor allem im deutschsprachigen Raum und in den Niederlanden stehen für eine Reinigung und einen Neuanfang.
  • Mit der Auferstehung von Jesus in der Nacht zum Sonntag beginnt dann das auferstandene Leben und die Bräuche und Feste werden fröhlich, bunt und ausgelassen.
  • Wie so oft sind die kirchlichen Traditionen auch oft aus alten heidnischen Bräuchen hervorgegangen oder übernehmen deren Elemente. Das ist deutlich zu sehen an den Festessen, bei denen bestimmte Lebensmittel oft seit Urzeiten für bestimmte Dinge stehen: Brot für Wohlergehen, das Ei für die Wiedergeburt, Salz als Lebensgrundlage, Käse für den Einklang des Menschen mit der Natur, Fleisch und Wurst für Fruchtbarkeit und Wohlstand und Kuchen für Vollkommenheit.
  • Die zugehörigen Tiere, die den Kindern der Erzählung nach Eier und Geschenke bringen, variieren von Region zu Region – je nachdem, welche Tierart zur Jahreszeit passt. Das kann der Osterhase oder aber auch Osterstorch sein. In Australien, wo eingeführte Kaninchen eine große Plage geworden sind, hat man sich bewusst für ein anderes Tier, nämlich den Kaninchennasenbeutler als „Easter Bilby“, entschieden. Das Osterlamm steht für Gottes Opfergabe an die Menschen.

Tags: Ostern

Kategorien: Stadtleben , Freizeit erleben , Kultur