Kultur

Osterbräuche aus aller Welt

Tanja Römmer-Collmann · 12.04.2020

© Dmitry Lobanov – AdobeStock

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Das christliche Osterfest ist ein Fest der Freude. Deshalb sind die Osterbräuche rund um die Welt fröhlich, skurril und ein bisschen verrückt ... Weiter unten erklären wir dir typische Ostersymbole – oder weißt du, warum ausgerechnet der Osterhase die Eier bringt?

England: Eier rollen um die Wette
Klar, es geht immer ums Osterei. In England und Schottland werden die bunten Eier nicht nur versteckt, sondern auch um die Wette gerollt. Knallbunt angemalt, kullern sie Abhänge oder abschüssige Straßen hinab. Das Ei, dass es am weitesten schafft, bevor es zerbricht oder liegenbleibt, gewinnt. Es heißt, die rollenden Eier symbolisieren das Wegrollen des Steins vom Grab Jesu.

Polen: Zünftige Wasserschlacht
Am sogenannten „nassen Montag“, dem Ostermontag, jagen sich in Polen die Menschen gegenseitig mit Wasserpistolen, Wasserbomben oder gar Wassereimern. Der Brauch stammt aus dem Mittelalter, als Junggesellen ihre Auserwählte mit Wasser bewarfen – als Zeichen ihrer Zuneigung. Heute ähnelt das Ganze mehr einem Wet-T-Shirt-Contest.

Frankreich: Gigantisches Omelett
Französ*innen schätzen gutes Essen. Daher bereiten die Einwohner von Bessières in Südfrankreich immer am Ostersonntag ein riesiges Omelett aus mehr als 5000 Eiern zu. Angeblich hat einst Napoleon in dem Ort ein so gutes Omelett genossen, dass er anschließend nach demselben Rezept eins für sein ganzes Heer zubereiten ließ. Heute dürfen touristische Gäste von dem Omelett probieren.

Schweden: Fliegende Osterhexe
Jedes Jahr am Gründonnerstag fliegt in Schweden die traditionelle Osterhexe Påskkäring auf ihren Hexenberg Blåkulla. Um das zu feiern, verkleiden sich Kinder als Hexen, mit bunten Kopftüchern und natürlich dem obligatorischen Besen. Dann gehen sie von Tür zu Tür und verteilen selbst gemalte Osterbriefe. Dafür bekommen sie Süßigkeiten.

USA: Die schönsten Hüte
Bei den vielen Osterparaden in den USA – so zum Beispiel der Easter Parade auf der 5th Avenue in New York, die dieses Jahr sicherlich ausfallen wird, geht es vor allem darum, ausgefallene, mit Blumen geschmückte Hüte zur Schau zu tragen und zu feiern. Mit den Kostümen, Musikkapellen und bunten Osterwagen erinnert die Parade an unsere Karnevalsumzüge.

Norwegen: Detektive unterwegs
In Norwegen sind zu Ostern alle im Krimifieber. Denn die „Osterkrimis“ sind eine Tradition, bei der viele Verlage sowie Radio- und Fernsehredaktionen mitmachen. Kriminalgeschichten und Thriller, bei denen das ganze Land mitfiebert, beschäftigen die Fantasie der Menschen. Sogar auf Milchpackungen sind kurze Detektivgeschichten abgedruckt.

Guatemala: Große Jesus-Skulptur
In Lateinamerika, zum Beispiel in Guatemala, tragen die Menschen zu Ostern große Jesus-Skulpturen durch die Stadt. Auch die Spanier ziehen mit Heiligenfiguren durch die Straßen und tragen dabei Umhänge mit spitzen Kapuzen. In Italien sind am Karfreitag viele Kreuzprozessionen zu sehen: Die Menschen erinnern mit dem Kreuz auf dem Rücken an den Leidensweg Jesu.

Russland: Frisches Osterbrot
Für die russisch-orthodoxe Kirche ist Ostern das größte religiöse Fest im Jahr und noch prächtiger als Weihnachten. Die Familien backen verschieden große Osterbrote, die sie an Freunde und Bekannte verschenken. Das Osterbrot heißt „Kulitsch“ und wird in einer hohen, runden Form gebacken – früher hat man dazu Wassereimer verwendet.

Haiti: Drachen am Himmel
Auf Haiti gibt es einen ganz besonders schön anzuschauenden Osterbrauch: Monatelang basteln die Menschen an kunstvollen Drachen, die dann in der Osterzeit am zumeist strahlend blauen Himmel zu sehen sind. Schokoladene Süßigkeiten hätten in der karibischen Hitze wohl auch keine Chance, aber bunte Straßenumzüge sind auch dort bekannt.

Österreich: Wildes Ratschen
In vielen Ländern bleiben vor Ostern die Kirchenglocken stumm als Zeichen für das Leid Jesu. In Österreich gehen dann die Kinder mit klappernden Ratschen durch die Straßen und sagen Sprüche auf. Dafür gibt es – natürlich – Süßes oder auch mal ein paar Münzen. Seit 2015 ist das Ratschen in der Karwoche als immaterielles Unesco-Kulturerbe anerkannt.

Bedeutung der Ostersymbole

  • Warum eigentlich steht so oft das Ei im Mittelpunkt der Osterbräuche? Es gilt als Zeichen der Wiedergeburt und Auferstehung: So wie aus dem Ei ein lebendiges Küken schlüpfen kann, hat Jesus mit der Auferstehung aus dem Grab den Tod überwunden.
  • Stillgelegte Kirchenglocken dagegen erinnern in vielen Ländern an die Leidenzeit und den Tod Jesu. Oftmals gibt es schweigende Umzüge in dunklen Kutten – die Menschen möchten Buße tun.
  • Das Auspeitschen mit den Palmwedeln vom Palmsonntag oder ähnliche Selbstgeiselungen – das kann auch das in Polen praktizierte Wasserspritzen sein – gehen in eine ähnliche Richtung.
  • Auch die nächtlichen Osterfeuer vor allem im deutschsprachigen Raum und in den Niederlanden stehen für eine Reinigung und einen Neuanfang.
  • Mit der Auferstehung von Jesus in der Nacht zum Sonntag beginnt dann das auferstandene Leben und die Bräuche und Feste werden fröhlich, bunt und ausgelassen.
  • Wie so oft sind die kirchlichen Traditionen auch oft aus alten heidnischen Bräuchen hervorgegangen oder übernehmen deren Elemente. Das ist deutlich zu sehen an den Festessen, bei denen bestimmte Lebensmittel oft seit Urzeiten für bestimmte Dinge stehen: Brot für Wohlergehen, das Ei für die Wiedergeburt, Salz als Lebensgrundlage, Käse für den Einklang des Menschen mit der Natur, Fleisch und Wurst für Fruchtbarkeit und Wohlstand und Kuchen für Vollkommenheit.
  • Die zugehörigen Tiere, die den Kindern der Erzählung nach Eier und Geschenke bringen, variieren von Region zu Region – je nachdem, welche Tierart zur Jahreszeit passt. Das kann der Osterhase oder aber auch Osterstorch sein. In Australien, wo eingeführte Kaninchen eine große Plage geworden sind, hat man sich bewusst für ein anderes Tier, nämlich den Kaninchennasenbeutler als „Easter Bilby“, entschieden. Das Osterlamm steht für Gottes Opfergabe an die Menschen.

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