Kultur

Hä, Museum? Voll cool!

Eva Rüther · 12.11.2019

© Pieter Bruegel der Ältere – Die Kinderspiele

© Pieter Bruegel der Ältere – Die Kinderspiele

Die Museen der Region sind auf jeden Fall einen Familienausflug wert. Für die Libelle erklären Museumspädagoginnen die Konzepte.

„Sollen wir am Sonntag ins Museum?“ Entsetzte Blicke sind oft die Antwort. „Langweilig!“ „Uncool!“ Stimmt das? Können wir, also Erwachsene und Kinder, nicht in einem Museum mal in eine ganz andere Welt eintauchen, die alles andere als uncool ist? Mal sehen, was Museumspädagogen zu den typischen Nörgeleien der Kinder sagen … Dazu hat die Libelle sich exemplarisch in drei Museen umgehört und festgestellt: Ansprechende Angebote für die Kleinen gehören in den heutigen Museen auf jeden Fall zum Programm. Außerdem präsentieren wir eine Liste mit ausgewählten Museen, zu denen sich auf jeden Fall der Ausflug lohnt!

„Müssen Kinder im Museum immer still sein?“

„Nein, ihr müsst gar nicht still sein. Bei uns dürft ihr laufen, rennen, berühren!“, möchte Melanie Wunsch, Ausstellungsmanagement und Presse- und Öffentlichkeitsarbeit beim Neanderthal-Museum, diesem Satz entgegnen. Denn das Museum im Neanderthal spricht vor allem Familien und Kinder an, Schulklassen und Kindergärten. Klar, dass hier niemand von den kleinen Besuchern erwartet, leise den Neanderthaler anzuschauen. Das macht Kindern Spaß, entlastet aber auch die Eltern, weil sie nicht ständig „Psssst“ rufen müssen, sondern eher „Lauf doch schon mal vor!“ Das gilt auch für das Filmmuseum Düsseldorf: „Bei uns geht es um Kreativität“, betont Karin Woyke, Leiterin der Abteilung Bildung und Vermittlung. „Besucher erleben in unserer Green Screen, dass sie plötzlich in einer Urwald-Kulisse oder einem Raumschiff stehen, sie können in einem Workshop richtig laut sein, wenn es darum geht, einen Stummfilm mit vielen Geräuschen und Rhythmusinstrumenten live zu begleiten. Es geht uns darum, das Museum für jeden Menschen spannend zu machen.“ Auch das „KiT“, „Kunst im Tunnel“, bietet Programme für Schulklassen und Kindergärten.

„Sind Museen auch was für Kinder und Familien?“

„Ich gebe zu: In einigen Museen sind vor allem ältere Menschen zu sehen“, sagt Gertrud Peters, künstlerische Leiterin des „Kunst im Tunnel“. „Da haben Kinder tatsächlich Recht. Hier müssen Museen zusehen, dass sie Angebote aufgreifen, die eben auch für Kinder und Familien spannend sind. Vielleicht ist die Hemmschwelle manchmal recht hoch – bringen Sie doch Ihre Kleinen einfach mit, und Sie werden erleben, dass sie doch schon vieles interessiert anschauen.“ Melanie Wunsch ist überzeugt davon, dass Kinder schon früh einen Museumbesuch machen sollten: „Kinder sind neugierig. Sie sind offen. Wenn Kinder mit Museumbesuchen aufwachsen, werden sie so selbstverständlich sein wie ein Treffen auf dem Spielplatz“, sagt sie. Gerade ab einem Alter von ungefähr fünf Jahren begreifen die kleinen Besucher spielerisch schon vieles – im Neanderthal-Museum können sie Felle in die Hand nehmen, einen Schädel berühren, auf Steine hauen. Sie dürfen und sollen ausprobieren, experimentieren. „Die Kinder lernen, wie die Menschen gelebt haben, sie erfahren Geschichte – sie erleben, dass Wissen Spaß macht.“

„Wie bekomme ich mein Kind ohne Quengeln ins Museum?“

Klar, Freizeitparks sind auch toll. Doch können wir Eltern den Kindern nicht auch einen Museums-Besuch als spannenden Ausflug schmackhaft machen? „Ich bin überzeugt davon, dass ein Museum unglaublich spanned sein kann – wenn die Besucher zu uns ins KiT kommen, erleben sie eine ganz andere Welt, einen 900 Quadratmeter großen Raum, in dem sie von einer besonderen, stillen Atmosphäre empfangen werden“, erzählt Gertrud Peters. „Ich halte nichts von dieser merkwürdigen Ehrfurcht, mit denen wir teilweise Bilder von angeblichen Genies anschauen. Ich halte dagegen viel davon, mit Kindern gemeinsam ein Bild auf uns wirken zu lassen und zu überlegen, ob und welche Verbindung entsteht. Jedes Werk schaut zu uns zurück.“ Und Karin Woyke betont: „Natürlich habe ich nichts gegen einen Freizeitpark. Aber dieser Ort ist nicht mit einem Museum zu vergleichen. Dort erfahren Kinder andere Dinge. Im Filmmuseum gibt es so viel zu entdecken, wir können in eine vergangene Zeit eintauchen, in eine andere Welt, ausprobieren, erforschen und lernen dabei so viel! Es ist die Aufgabe des Museums, all das so zu verpacken, dass es auch für Kinder und Jugendliche spannend rüberkommt.“

„Stressfrei ins Museum - geht das überhaupt?“

Ein Museum ist kein Spielplatz. Natürlich, das ist eben so. „Die Kinder lernen ja auch, dass sie im Supermarkt nicht die Regale auseinander nehmen dürfen“, meint Gertrud Peters. „Hier ist das Verhalten der Eltern gefragt; es geht um den Respekt vor den Dingen, die andere Menschen erarbeitet haben, vor deren Mut, der Öffentlichkeit die eigene Kunst zu präsentieren.“ Im KiT werden regelmäßig Veranstaltungen wie „meet + talk“ angeboten; dabei können auch die kleinen Besucher den Künstlern Fragen stellen. Vielleicht finden sie das dann so faszinierend, dass sie darüber gleich ihren Bewegungsdrang vergessen.

„Fühlen sich Kinder im Museum wie in der Schule?“

Nein, ein Museum ist kein verlängerter Arm der Schule. Und was könnte man gegen Wissen haben? Kinder sind von Natur aus neugierig und wissbegierig. Im Neanderthal-Museum machen die Besucher eine Zeitreise durch vier Millionen Jahre Menschheitsgeschichte; das ist doch toll! Die Infos erhalten Kinder auch über den eigenen MP3-Player oder Audioführungen. Auch das Filmmuseum arbeitet mit den „Neuen Medien“: „Wir möchten die Geschichte des Films vermitteln. Wie war es vor 100 Jahren? Es ist doch wichtig, die Anfänge der Filmkunst zu verstehen“, meint Karin Woyke. „Dabei arbeiten wir mit Tablets oder machen digitale Schnitzeljagden – wichtig ist, Wissen und Spiel zu verbinden.“

Kindergeburtstag im Museum, gut verständliche Ausstellungen, Museen, die Jugendliche ansprechen und vieles mehr ... weiterlesen auf Seite 2.

Und hier präsentiert die Libelle eine Liste mit ausgewählten Museen, zu denen sich auf jeden Fall der Ausflug lohnt!

Tags: Museum , Museumsbesuch , Museumspädagogik

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