Gesundheit

Tag der Kindersicherheit

Isabella Lacourtiade · 19.06.2020

© Jörg Heupel

© Jörg Heupel

„Vorsicht!“, „Pass auf!“ Diese Ausrufe hören unsere Kinder oft mehrmals am Tag. Unfälle sind schließlich eine der größten Gefahren für die Gesundheit von Kindern. Eltern denken bei Kinderunfällen meist an den Straßenverkehr, dabei sind Babys und Kleinkinder wesentlich häufiger in den eigenen vier Wänden oder im Garten gefährdet. Der Tag der Kindersicherheit am 10. Juni soll darauf aufmerksam machen.

Egal ob in der Küche, im Bad, im Wohnzimmer, im Garten oder auf dem Balkon – die Gefahren lauern vor allem dort, wo wir uns besonders geborgen fühlen. Zum Tag der Kindersicherheit am 10. Juni macht es Sinn, sich vor Augen zu führen: Mehr als 80 Prozent der Unfälle im Säuglings- und Kleinkindalter passieren in den eigenen vier Wänden beziehungsweise im sogenannten häuslichen Umfeld, also im Garten, im Hinterhof oder im Treppenhaus. Typische schwere Unfälle sind Stürze, Ertrinken, Ersticken, Verbrennungen, Verbrühungen und Vergiftungen. „Eltern neigen dazu, die Gefahren für Kleinkinder im häuslichen Umfeld zu unterschätzen“, erklärt Stefanie Märzheuser, Präsidentin der Bundesarbeitsgemeinschaft Mehr Sicherheit für Kinder e. V. „Aus meiner langjährigen Praxis als Kinderchirurgin weiß ich, dass sich Kinder in den ersten Lebensjahren häufiger in der eigenen Wohnung verletzen als im Straßenverkehr.“ Und die Zahlen sind hoch: Laut einer Studie der Arbeitsgemeinschaft erlitt jedes fünfte Kind im vergangenen Jahr einen Unfall, der ärztlich behandelt werden musste. 64 Prozent der Eltern geben an, dass das eigene Kind in der eigenen Wohnung nicht gefährdet ist, nur jedes zehnte Elternteil geht hier von einem Unfallrisiko aus. Gleichzeitig sieht knapp die Hälfte der Eltern ihr Kind im Straßenverkehr gefährdet. Hier müssen also viele umdenken. Die Risiken für die Jüngsten verteilen sich über die gesamte Wohnung. Ein häuslicher Unfallschwerpunkt ist allerdings die Küche. Hier können Messer, Kanten, Töpfe mit kochendem Wasser oder die heiße Herdplatte zu schweren Verletzungen führen. Besonders wichtig ist, dass Eltern ihre Jüngsten nicht aus den Augen lassen. Zudem helfen einfache Maßnahmen und Vorkehrungen, um die Wohnung kindersicherer zu gestalten und die meisten Unfälle zu vermeiden.

Gefahrenstellen sichern

Mittlerweile bieten zahlreiche Hersteller eine Vielzahl von Sicherheitsartikeln für Babys und Kleinkinder an. Ob Treppen-, Steckdosen- und Kantenschutz, Bett- oder Herdschutzgitter sinnvoll sind, hängt von der eigenen Wohnsituation und der Entwicklung des Kindes ab. Und trotz der Verwendung dieser Artikel ist es eine wichtige Elternaufgabe, dem Kind altersgerecht Gefahren aufzuzeigen und zu erklären. So lernt es die Risiken mit zunehmendem Alter besser kennen und ist in der Lage, sein eigenes Gefahrenbewusstsein zu entwickeln.

Acht Tipps, um Unfälle im Haushalt zu vermeiden:

  • Nehmt die Kinderperspektive ein – so entdeckt man, was für Kinder besonders interessant, aber auch gefährlich sein kann.
  • Macht regelmäßig einen Sicherheitsrundgang durch die Wohnung, um mögliche Gefahrenstellen zu beseitigen.
  • Babys und Kleinkinder sollten nie unbeaufsichtigt sein.
  • Macht eure Kinder auf Gefahren aufmerksam und erklärt ihnen, was und warum etwas gefährlich ist.
  • Gegenstände, die kleiner als ein Tischtennisball sind, immer außer Reichweite von Kleinkindern aufbewahren. Es besteht Verschluckungsgefahr.
  • Offenes Feuer und heiße Flüssigkeiten können schwere Verbrennungen auslösen.
  • Medikamente, Knopfzellenbatterien, Alkohol, Zigaretten sowie Wasch- und Reinigungsmittel immer gut verschlossen außer Reichweite von Kindern aufbewahren.
  • Möbel und schwere Gegenstände kippsicher und stabil aufstellen, schwere Möbel fest in der Wand verankern.

Schadstoffe im Kinderzimmer

In seinem Kinderzimmer verbringt der Nachwuchs insbesondere in jungen Jahren einen Großteil seiner Zeit. Schlafen, Spielen, Lachen und Toben – das Zimmer sollte ein kleiner Rückzugsraum mit Wohlfühlatmosphäre sein. Doch manchmal trügt der Schein, denn gerade in Innenräumen können Tapeten, Teppiche, Möbel oder Kinderspielzeug auch krank machen, wenn sie schadstoffbelastet sind. Bei der Kaufentscheidung helfen den Eltern verschiedene Verbrauchersiegel wie Der Blaue Engel, Natureplus, Oeko-Tex, Öko-Control, die RAL-Gütezeichen oder das TÜV-Prüfzeichen. Auch Stiftung Warentest und Ökotest vergeben regelmäßig gute bis schlechte Noten zur Schadstoffbeschaffenheit von Möbeln, Tapeten, Stoffen, Teppichen und Kinderspielzeug. Bei der Servicestelle der Verbraucherzentrale können Eltern individuelle Fragen zu Schadstoffen stellen und sich kostenlos beraten lassen.

Giftunfall – was nun?

Mit der preisgekrönten App „Vergiftungsunfälle bei Kindern“ gibt das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) Eltern eine wertvolle Hilfe zur Vermeidung von Vergiftungsfällen an die Hand. Zusätzlich liefert die App sachkundige Informationen und Erste-Hilfe-Maßnahmen zu Chemikalien, Medikamenten, Pflanzen und Pilzen, die Vergiftungsunfälle bei Kindern verursachen können. Aufgeführt sind alle gefährlichen Inhaltsstoffe, das Vergiftungsbild und die entsprechenden Maßnahmen zur Ersten Hilfe. Im Notfall kann auch direkt aus der App das nächste Giftinformationszentrum angerufen werden

Tags: Gefahren im Haushalt , Tag der Kindersicherheit

Kategorien: Gesundheit , Erziehung