Gesundheit

Pro und Contra selbst genähter „Mundschutz“

Tanja Römmer-Collmann · 21.04.2020

© Dmitry Lobanov  – AdobeStock

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Knappes Gut: Im Internet kursieren inzwischen zahlreiche Anleitungen zum Nähen und Basteln von Mundschutz-Ersatzprodukten. Was taugen sie?

Das Thema Mundschutz erhitzt die Gemüter. Während die einen ihn als sinnlos und nur die Panik fördernd ansehen, warten die anderen auf den Tag, an dem er offiziell empfohlen oder gar zur Pflicht wird. Die Argumente Pro und Contra haben alle ihre Berechtigung und in der aktuellen Lage ist jede*r gefordert, sich selbst eine Meinung zu bilden. Daher listen wir die häufigsten Argumente auf.

Pro: Das spricht für den Mundschutz

  • Der Mundschutz schützt davor, dass der Träger beim Niesen oder Husten ungebremst Tröpfchen in die Umgebung verteilt. Das gilt allerdings offiziell nur für die industriellen OP-Masken, selbst genähte Modelle sind in dieser Hinsicht natürlich nicht getestet.
  • Eine flächendeckende Nutzung des Mundschutzes ist eine weitere mögliche Maßnahme, um Infektionswege zu minimieren, weil Menschen, die noch nicht wissen, dass sie infiziert sind, weniger Tröpfchen verteilen.
  • Offiziell heißt es, dass der einfache Mundschutz nicht davor schütze, dass Viren durch das Material oder an den nicht fest anliegenden Rändern eindringen. Aber wohl doch ein bisschen, denn für Risikopatient*innen gibt es seit Beginn der Coronapandemie durchaus die Empfehlung, einen Mundschutz zu verwenden. Zur Durchlässigkeit in Richtung Träger gibt es schlichtweg wenig wissenschaftliche Daten, weil der Mundschutz als OP-Maske dazu entwickelt wurde, um Patient*innen vor Tröpfcheninfektionen durch die Ärzt*innen zu schützen.
  • In asiatischen Ländern ist der Mundschutz gesellschaftlich völlig anerkannt, dort tragen ihn praktisch alle. Wer dort einen Mundschutz trägt, zeigt, dass er Rücksicht auf seine Mitmenschen nimmt.
  • Einige asiatische Länder wie Japan und Südkorea scheinen die Coronapandemie gut im Griff zu haben – vielleicht liegt es (auch) am Mundschutz, der dort flächendeckend getragen wird?
  • Wer einen Mundschutz trägt, fasst sich nicht so oft ins Gesicht.
  • Mit einem Mundschutz hat man wenigstens das Gefühl, etwas zu tun. Das beruhigt viele.
  • Andere europäische Länder und einige deutsche Städte haben die Mundschutzpflicht bereits eingeführt.

 

Contra: Das spricht gegen den Mundschutz

  • Die professionellen Atemschutzmasken, die mit einem Filter ausgestattet sind, der Staub, Rauch und eben mit sehr hoher Sicherheit auch Viren abhält, sollen dem medizinischen Personal und anderen Personen, die mit Corona-Infizierten zu tun haben, vorbehalten sein.
  • Auch die OP-Masken, also industriell gefertigte einfache Mundschutze, sollen für die Leute, die sie wirklich brauchen, reserviert sein.
  • Das Tragen des Mundschutzes versetzt andere, insbesondere Kinder, in Panik.
  • Wenn einige anfangen, einen Mundschutz zu tragen, fühlen sich andere, die sich keinen selbst nähen oder basteln können, benachteiligt.
  • Wer einen Mundschutz trägt, vergisst leicht die Abstandsregel von 1,5 bis 2 Meter und wäscht sich vielleicht auch nicht mehr so oft und gewissenhaft die Hände.
  • Der wiederverwendbare Mundschutz muss regelmäßig und richtig gewaschen beziehungsweise gereinigt werden, sonst schadet er mehr als er nutzt.
  • Mit einem Mundschutz gehen vielleicht auch Infizierte, die unter Quarantäne stehen, leichtsinnig wieder vor die Tür.

 

Masken selbst nähen

Wer sich dafür entscheidet, dass ein – vielleicht sogar fröhlich bunter – Mundschutz besser ist als gar nichts oder sich einer örtlichen Initiative anschließen möchte, die Mundschutze näht für einen guten Zweck, findet im Internet zahlreiche Anleitungen. Mit Draht, ohne Draht, mit Gummiband, mit Schleife, gerader Schnitt oder Schnitt mit Nasenform, zum Teil mit einem Einlegefach für Küchen- oder Staubsaugervlies. Sogar aus einem einfachen Kaffeefilter basteln sich Findige eine behelfsmäßige Maske für Mund und Nase.

Auch hier gibt es also kein Patentrezept. Wichtig nur: Wer solche Modelle, die nach bestem Wissen und Gewissen hergestellt sind, verteilt, darf sie nicht „Mundschutz“ nennen, sondern sollte sich aus Patent- und vor allem Sicherheitsgründen auf jeden Fall einen eigenen Namen dafür ausdenken. Damit allen klar ist, dass es kein geprüftes Medizinprodukt ist und die Verwendung auf eigene Verantwortung erfolgt.

 

Tags: basteln, nähen , Behelfsmaske

Kategorien: Gesundheit , Stadtgeschehen