Gesunde Familie

Aufgepasst, Zeckenzeit!

Anja Janßen · 10.06.2021

© galina_kovalenko – AdobeStock

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Familien genießen die ersten Ausflüge in Wald und Wiese. Aber aufgepasst, die Zeckenzeit hat begonnen! Was sollte man wissen?

Zecken sind Blutsauger und können über ihren Speichel Krankheitserreger übertragen. Nicht jede Zecke ist auch infiziert, doch ein Stich sollte gut beobachtet werden. Das Insekt wird ab einer Temperatur von sieben Grad aktiv. Die klassische Zeckenzeit ist somit von März bis Oktober oder November. Bei milden Wintern können die Blutsauger aber auch ganzjährig auftreten.

Wie kommt die Zecke auf die Haut?

Anders als der lang geglaubte Mythos warten Zecken nicht in Bäumen auf ihr nächstes Opfer – die kleinen Blutsauger sitzen vornehmlich im hohen Gras. Wer Pech hat, streift beim Hindurchgehen eine Zecke ab. Gerade Kinder sind aufgrund ihrer kleinen Körpergröße und in der Zeit, wenn sie kurze Hosen, Röcke und T-Shirts tragen und gern mal rechts und links des Weges laufen oder auf der Wiese spielen, ein willkommene Anlaufstelle für die Parasiten. So gelangen die Zecken auf die Haut, wo sie sich eine geeignete Stelle für den Zeckenstich – umgangssprachlich auch Biss genannt – und ihre Blutmahlzeit suchen. Weiche, dünne Haut wie in den Ellenbogen, Kniekehlen oder hinter den Ohren ist ihnen dabei besonders lieb, sie können sich aber überall am Körper festsetzen.

FSME ist eine Hirnhautentzündung

Zecken können über ihren Speichel Krankheitserreger übertragen, darunter die FSME-Viren. Diese verursachen eine Erkrankung mit grippeähnlichen Symptomen, Fieber und bei einigen Patient:innen eine Hirnhautentzündung – die Frühsommer-Meningoenzephalitis. Ein großer Teil der Betroffenen zeigt nach einer Infektion allerdings glücklicherweise überhaupt keine Anzeichen für eine Erkrankung. Trotzdem: 2020 ist laut Angaben der Krankenkassen die seit 20 Jahren höchste Zahl an FSME-Erkrankungen gemeldet worden. Eine Impfung, die es auch für Kinder gibt, schützt vor FSME-Viren und sollte vor einem Urlaub in Risikogebieten wie Österreich oder Süddeutschland durchgeführt werden.

Was ist Borreliose?

Die Bakterien der Lyme-Borreliose werden in Europa am häufigsten durch Zecken übertragen. Die infizierten Parasiten können überall auftreten, besonders kritische Gegenden gibt es nicht. Die Krankheit fällt individuell sehr unterschiedlich aus, da sie vielfältige Symptome zeigen und verschiedene Organe, die Haut, das Nervensystem und die Gelenke betreffen kann. Bis zum Ausbruch vergehen in manchen Fällen Jahre sodass man gar nicht mehr an den Zeckenbiss denkt. Ein erstes Anzeichen dafür, dass eine Zecke Borreliose-Erreger im Körper hinterlassen hat, kann ein roter Ring sein, der sich ab einer Woche nach dem Zeckenbiss um die Einstichstelle bildet.

Nicht jede Zecke ist infiziert

Nicht jede Zecke ist potenziell gefährlich. Auch in den ausgewiesenen Risikogebieten ist nur ein geringer Teil der Blutsauger mit FSME-Vieren infiziert. Eine genaue Übersichtskarte mit gefährdeten Regionen veröffentlicht jährlich das Robert-Koch-Institut, denn die Regionen, in denen Zecken den FSME-Erreger in sich tragen, werden tendenziell größer. Die Bakterien der Borreliose tragen überall etwa fünf bis 35 Prozent der Zecken in sich. Auf jeden Fall sollte das Thema ernst genommen werden. „Wenn Kinder ohne entsprechende Kleidung durchs hohe Gras gelaufen sind, sollten Eltern sie abends untersuchen", empfiehlt Sven Feddern vom Gesundheitsamt Köln. Um die Krabbeltiere aufzuspüren, muss auch zwischen den Zehen und den Fingern, unter den Achseln, in der Pofalte und hinter den Ohren nachgesehen werden. Wer eine Zecke entdeckt, sollte am besten direkt handeln.

Zecke gefunden – was nun?

Es spricht nichts dagegen, eine Zecke selbst zu entfernen. Wichtig ist, dass man sie nicht mit Öl beträufelt. Öl verschließt die Atemwege der Zecke, die dann erstickt und dabei in besonderem Maße die möglichen Erreger freisetzt. Am besten lässt sich die Zecke mit Hilfe einer Zeckenzange, einer Zeckenschlinge oder einer normalen Pinzette entfernen. Die Zecke sollte man nicht herausdrehen, sondern gerade nach oben herausziehen. Die Pinzette setzt man dazu nahe der Haut, im Bereich des Kopfes der Zecke an. Stecken noch Überreste der Beißwerkzeuge in der Haut, stößt der Körper diese mit der Zeit ab – ähnlich wie bei einem Splitter. Die Stelle sollte desinfiziert und gut beobachtet werden.

Was ist die Wanderröte?

Eine lokale Rötung kurz nach dem Zeckenbiss und direkt nach dem Entfernen ist normal. Die Wunde ähnelt auch vom Juckreiz her einem Mückenstich. Eltern sollten eine:n Ärzt:in aufsuchen, wenn sich nach einer Woche um den Stich herum eine Wanderröte ausbreitet, die zunächst den Umfang eines 2-Euro-Stücks hat und dann größer wird, während die Haut in der Mitte blasser wird. Klagt das Kind verstärkt über Kopfschmerzen, Schwindel oder Gangstörungen, könnten das Anzeichen für eine Borreliose-Infektion sein, die mit einem Antibiotikum behandelt werden sollte. Häufig kommt es bei der Borreliose auch zu einer halbseitigen Gesichtslähmung, die sich aber durch ein entsprechendes Gesichtsmuskeltraining zurückbildet.

Checkliste Zecken

  • Wiese, Gestrüpp, Unterholz: Kinder sind leichtes Opfer für Zecken.
  • Hinter den Ohren, Kopf, Pofalte, Achselhöhen: Kinderhaut nach Zecken absuchen
  • Zecke entfernen: Mit Pinzette oder Zeckenkarte am Kopf greifen und nach oben rausziehen
  • Zeckenstich: Desinfizieren, noch etwa drei Wochen beobachten, ob „Wanderröte“ auftritt
  • FSME: Regional durch Zecken verbreitete Frühsommer-Meningoenzephalitis, Erreger ist ein Virus, Impfung möglich
  • Lyme-Borreliose: Überall durch Zecken verbreitete Borreliose-Erkrankung, sehr unterschiedlicher, zeitversetzter Verlauf, Erreger ist ein Bakterium, Antibiotika-Therapie möglich, keine Impfung
  • Zum Arzt: Wenn Sorge besteht, dass das Kind durch den Zeckenstich eine Erkrankung bekommen haben könnte 

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