Freizeit

Sommer, Sonne, Sonnenbrand?!

Nadine Lente · 29.07.2019

© Bettina Schipping

© Bettina Schipping

Im Libelle-Interview erklären ein Dermatologe und ein Strahlenschutzexperte, was beim Sonnenschutz für Kinder zu beachten ist.

Endlich wieder draußen in der Sonne spielen, ins Planschbecken hüpfen oder im Freibad herumtoben! Damit aus dem Sommerspaß kein Gesundheitsproblem wird, muss man sich vor zu viel Sonne schützen. Wie das mit Kindern am besten geht, erklären der Strahlenschutzexperte Dr. Marc Wittlich und der Dermatologe Prof. Dr. med. Christoph Skudlik im Libelle-Interview.

Libelle: Warum ist Sonnenschutz gerade für Kinder so wichtig?
Dr. Marc Wittlich: Australische Studien haben gezeigt, dass Prävention, die im Kindes- und Jugendalter beginnt, Auswirkungen auf die späteren Erkrankungszahlen hat. Australien und Neuseeland sind die einzigen Länder weltweit, in denen die Neuerkrankungsraten bei jungen Personen sinken. In allen anderen Ländern, auch in Deutschland, steigen die Zahlen von Neuerkrankungen bei bei nicht-melanozytärem, sprich weißem, Hautkrebs.

Wie trägt das Hörspiel „Cosmo und Azura“ zur Hautkrebsprävention bei?
Dr. Marc Wittlich: Prävention ist auch eine Verhaltensfrage, entsprechend möchten wir schon kleine Kinder dafür begeistern und interessieren, den richtigen Umgang mit der Sonne zu lernen. Dies soll spielerisch und musikalisch geschehen, auf eine angenehme Art und nicht mit erhobenem Zeigefinger. Kinder sollen weiterhin draußen spielen, aber gut geschützt!

Soll ich mein Kind immer mit Faktor 50 eincremen?
Prof. Dr. med. Christoph Skudlik: Ein hoher Lichtschutzfaktor kann dazu führen, sich in falscher Sicherheit zu wiegen und die Gefahr von Sonnenschäden durch ein erhöhtes Risikoverhalten sogar verstärken. Grundsätzlich sollte eine direkte Sonnenexposition der Haut von Kindern unter zwei bis drei Jahren vermieden werden. Insbesondere ist hierbei zu beachten, dass das Risiko, später an einem schwarzen Hautkrebs zu erkranken, mit der Anzahl der Sonnenbrände im Kindes- und Jugendalter einhergeht und vor diesem Hintergrund insbesondere die Vermeidung von Sonnenbränden im Kindes- und Jugendalter die allerhöchste Priorität besitzt. An sonnenreichen Tagen sollte somit insbesondere die Mittagssonne gemieden werden, darüber hinaus sollten bei Aufenthalten im Freien zum Beispiel Spielplätze durch ein Sonnensegel oder sonstige Beschattung abgedeckt werden, des Weiteren ist die besondere Bedeutung des UV-Lichtschutzes durch lange, weite Kleidung, Kopfbedeckung und Sonnenbrille hervorzuheben. Erst dann kommt überhaupt die Verwendung von UV-Lichtschutzmitteln an den Hautstellen, die nicht geschützt werden können, in Betracht. Dabei ist weniger der Lichtschutzfaktor entscheidend, sondern vielmehr das rechtzeitige Nachcremen, zum Beispiel nach dem Spielen im Wasser, starkem Schwitzen sowie Abtrocknen. Durchs Nachcremen verlängert sich zwar die eigentliche Schutzzeit nicht, aber der gewählte Sonnenschutz wird aufrecht erhalten.

Blockiert ein zu hoher Sonnenschutz die wichtige Vitamin-D-Bildung?
Prof. Dr. med. Christoph Skudlik: Vitamin-D ist für eine Vielzahl von Stoffwechselprozessen des menschlichen Organismus unerlässlich, unter anderem geht ein Vitamin-D-Mangel mit einem erhöhten Risiko für Erkrankungen des Knochen- und Calcium-Stoffwechsels einher. Rund 90 Prozent des Vitamin-D-Bedarfs werden durch die UVB-Strahlung vermittelte körpereigene Synthese in der Haut abgedeckt. Studien haben gezeigt, dass selbst bei Langzeitanwendung von Sonnenschutzmitteln eine Reduktion der Vitamin-D-Produktion unwahrscheinlich ist, da die Alltagsbedingungen des täglichen Lebens dazu führen, dass trotz Anwendung von Sonnenschutz noch eine UVB-vermittelte körpereigene Vitamin-D-Synthese stattfindet, zum Beispiel weil Sonnenschutzprodukte zumeist nur an besonders sonnenreichen Tagen oder oft nicht in der erforderlichen Menge oder an allen erforderlichen Hautstellen vollständig aufgetragen werden.

Lieber UV-Kleidung oder Sonnencreme?
Dr. Marc Wittlich: Ganz klar lieber Kleidung! Die muss nicht zwangsläufig geprüft oder sogar zertifiziert sein, in Deutschland reicht normale Straßenkleidung aus. Per Augenmaß kann man sagen: Kleidung, durch die Sie nicht durchschauen können, ist auch undurchdringlich für UV-Strahlung. Körperstellen, die man nicht mit Kleidung bedecken kann, sollten sehr gut eingecremt werden! Aber auch Eincremen will gelernt sein!

Was ist der Unterschied zwischen mineralischen und chemischen Filtern in Sonnencremes?
Dr. Marc Wittlich: Mineralische Filter wirken physikalisch, sie legen sich auf die Haut und reflektieren die Strahlung. Diese kleinen Partikel bestehen zumeist aus Titandioxid oder Zink. Chemische Filter in Sonnencremes absorbieren die einfallende Strahlung und wandeln sie in Wärme um.

Was kann ich tun, wenn mein Kind sehr empfindliche Haut hat und jede Sonnencreme brennt, egal wie sensitiv sie ist?
Prof. Dr. med. Christoph Skudlik: Die praktische Erfahrung zeigt, dass eine mineralische Sonnencreme bei empfindlicher Kinderhaut eher nicht brennt und vergleichsweise gut vertragen wird. Sollte aber wegen der empfindlichen Haut wirklich jede Creme als unangenehm empfunden werden, so sind alle anderen UV-Lichtschutzmaßnahmen in Betracht zu ziehen; Sonnencremes haben hier im Vergleich ohnehin lediglich eine nachrangige Bedeutung:  Praktisch bedeutet dies, dass eine Sonnenexposition bei Kindern unter zwei bis drei Jahren generell möglichst vermieden werden sollte. Desweiteren sollte an sonnenreichen Tagen vor allem die Mittagssonne gemieden werden, darüber hinaus sollten bei Aufenthalten im Freien Spielplätze oder ähnliches durch ein Sonnensegel oder sonstige Beschattung abgedeckt werden. Ferner ist die besondere Bedeutung des UV-Lichtschutzes durch lange, weite Kleidung, Kopfbedeckung und Sonnenbrille hervorzuheben.

Das Gespräch führte Nadine Lente.

Zu den Personen
Dr. Marc Wittlich ist Bereichsleiter im Institut für Arbeitsschutz der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung und leitete dort sieben Jahre das Referat „Strahlung“.

Professor Dr. Christoph Skudlik ist Leitender Arzt am Institut für interdisziplinäre Dermatologische Prävention und Rehabilitation an der Universität Osnabrück und in der Dermatologie des Berufsgenossenschaftlichen Unfallklinikums Hamburg.

Gesundheitliche Aufklärung mal anders: Gefördet von Rolf Zuckowski hat die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung mit Universal Music ein Musik-Hörspiel produziert. „Cosmo und Azura: Das dunkle Geheimnis der Sonne“ erklärt mit Hilfe der sonnenverliebten Libelle Azura und dem Maulfwurf Cosmo Kindern spielend leicht, wie und warum man sich vor der Sonne schützen muss.

Die CD:
Das dunkle Geheimnis der Sonne

Infos zu den Experten:
Uni Osnabrück
DGUV

Tags: Sonnenbrandt , Sonnenbrandt Kinder , Sonnencreme , Sonnenschutz , Sonnenschutz Kinder

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