Freizeit

Kinderfotos: Von der Kunst, die Zeit anzuhalten

Corinna Hess · 05.11.2018

© Bettina Schipping

© Bettina Schipping

Sie zieren Wohnzimmerwände oder Handyhüllen: Die Fotos der Liebsten, Familienportraits, Bilder als Babys, bei der Einschulung. Doch wie gelingt ein gutes Foto? Drei Düsseldorfer Fotografen haben unsere ihre Tipps fürs perfekte Fotoshooting verraten.

Damit beim Kinder- oder Familienshooting unvergessliche Erinnerungen entstehen, die man auch Jahre später noch gerne in die Hand nimmt, braucht es nicht nur einen guten Fotografen, sondern auch einiges an Vorbereitung. Die Location muss gefunden, das Outfit gewählt und die Protagonisten müssen bei Laune gehalten werden – wie das funktioniert, weiß wohl kaum jemand besser als die Profis hinter der Kamera.

Die Location

Ob das Shooting draußen, im Studio oder in den eigenen vier Wänden stattfinden soll, ist stark von individuellen Vorlieben abhängig. Die Wahl hat jedoch einen entscheidenden Einfluss auf das spätere Foto: „Der Ort eines Shootings ist eine individuelle Entscheidung. Ich empfehle meinen Kunden gerne ein offenes Shooting an einem Lieblingsort. Dort kann das Familienleben ganz echt und natürlich eingefangen werden. Insbesondere der Zauber der ersten Wochen lässt sich besonders gut zu Hause einfangen“, sagt Fotografin Michaela Grönnebaum. Fotograf Emil Zander empfiehlt neben Orten, die dem Kind vertraut sind, auch Locations die neugierig machen und das Kind motivieren, Neues auszuprobieren: „Wenn zum Beispiel auf einem Spielplatz Turngeräte in der Nähe sind, kann das Kind dort spielen. Dabei entstehen ganz nebenbei tolle Bilder.“ Doch was, wenn das Shooting im Winter stattfinden soll? Damit das Wetter nicht zum Problem wird, sucht Fotografin Andi Werner gerne nach zeitlosen Locations. „Ich frage meine Kunden generell, ob sie eine Idee haben und mache dann Vorschläge. Wer unsicher ist, kann auch einfach auf den Rat des Fotografen vertrauen. Der weiß, was am besten funktioniert.“

Die Tageszeit

Insbesondere bei Shootings mit Babys oder kleinen Kindern sollte die Bedeutung der Tageszeit nicht unterschätzt werden. Denn je nach Uhrzeit variiert nicht nur das Licht, sondern auch die Fitness der Kleinen. „Im Studio spielt das Licht weniger eine Rolle. Bei anderen Locations ist es schon etwas schwieriger. Das beste Resultat bekommt man am Abend, etwa eine Stunde vor Sonnenuntergang. Die Mittagssonne sollte hingegen vermieden werden“, so Werner. „Für ein Neugeborenen-Foto-Shooting sollte der Termin vier bis 14 Tage nach der Geburt liegen, da die Babys dann noch tiefer schlafen und man Sie einfacher positionieren kann. Auch Baby-Akne ist dann noch kein Problem. Bei Kleinkindern ist darauf zu achten, dass Sie nicht zu müde oder hungrig sind. Snacks mitzubringen ist eine gute Idee.“ Aus diesem Grund fotografiert auch Michaela Grönnebaum gerne vormittags zwischen 10 und 12 Uhr oder nach dem Mittagsschlaf: „Die beste Zeit mit kleinen Kindern sind die Stunden nach dem Schlaf.“

Die Begleitung

Mitunter fällt es vielen Eltern schwer, zu entscheiden, wer mit zum Shooting oder gar aufs Foto soll. Grundsätzlich gilt für Emil Zander: „Bei einem Fotoshooting können ruhig alle dabei sein, die dazugehören.“ Nichtsdestotrotz sollte bedacht werden, dass ein Shooting mit steigender Personenzahl für alle Beteiligten nicht einfacher wird. „Jede weitere Person, lenkt die Kinder zusätzlich ab“, weiß Andi Werner und Michaela Grönnebaum hat einen Tipp für alle Unentschlossenen: „Wer mit aufs Bild kommt, liegt im Ermessen des Kunden. Manchmal macht es jedoch Sinn sich die Frage zu stellen, ob die Liebsten selbst mit auf dem Bild sein möchten oder ob Sie sich auch über ein Bild als Geschenk freuen.“ In einem Punkt sind sich schließlich alle drei Profis einig: Fotos mit den Großeltern sind immer eine tolle Sache!

Das Outfit

Wer kennt ihn nicht, diesen Moment wenn alte Fotoalben ausgegraben werden und man sich fragt: Wer hat mir dieses T-Shirt angezogen und warum hatte ich eine Palme auf dem Kopf? Eltern, die ihren Kindern dies ersparen möchten, sollten sich bei der Wahl des Outfits durchaus einen Moment mehr Zeit nehmen. Gern lassen die Profis daher ihren Kunden vor dem Shooting Anregungen und Hinweise zur Kleidung zukommen. Werner und Grönnebaum empfehlen beispielsweise schlichte Kleidung ohne wilde Muster oder Logos. Besser sind Stoffe mit Textur und helle Farben. „Farben sollten zwar aufeinander abgestimmt sein aber gleichzeitig Partnerlook vermieden werden“, rät Grönnebaum. Im Fokus sollten Gesichter und Emotionen stehen. Das Wichtigste ist jedoch, dass sich Kinder wohlfühlen. Wenn dafür das Lieblingsshirt mit Print nötig ist – ok. Andi Werner empfiehlt zudem: „Die Kleidung sollte nicht zu eng sitzen damit sich die Kleinen gut bewegen können und nicht zu abgetragen aussehen. Mir ist wichtig, dass die Personen die Stars der Fotos sind, nicht die Kleidung.“ Für alle, denen das zu anstrengend ist, hat Emil Zander eine Lösung parat: „Am besten eignen sich immer die Lieblingsklamotten. Mit einem weißen T-Shirt und Jeans kann man aber auch nichts falsch machen.“

Die Motivation

Stimmen die Rahmenbedingungen, ist die Grundlage für ein gelungenes Foto geschaffen. Ob das Shooting letzten Endes tatsächlich ein Erfolg wird, ist jedoch stark von der Einstellung der Kinder und der Beziehung zum Fotografen abhängig. Das weiß auch Emil Zander: „Es ist wichtig, dass der Fotograf eine Beziehung zum Kind aufbauen kann. Ich zum Beispiel gehe ich immer auf Augenhöhe herunter, damit das Kind und ich auf Augenhöhe miteinander kommunizieren können.“ Michaela Grönnebaum hat die Erfahrung gemacht, dass Kinder sich am wohlsten fühlen, wenn sie sich zunächst spielend in der Situation zurechtfinden können: „Manchmal lasse ich die Kinder zum Beispiel ein Foto von den Eltern machen und erkläre ihnen, was ich mache. Das bricht das Eis und schafft Verständnis. So wird das Shooting für die Kinder zu einem Event und es entstehen natürliche Situationen.“ „Es ist immer gut, einen Snack dabei zu haben, ein Malbuch oder etwas zum Spielen, wenn zum Beispiel Wartezeiten entstehen“, rät Andi Werner. Da Eltern ihr Kind jedoch am besten kennen und wissen, was es braucht, um sich wohl zu fühlen, sollten sie auch bei der Planung ihres Shootings einfach ihrem Bauchgefühl folgen.

Ein paar Meilensteine, die man fotografisch festhalten sollte:

  • Neugeborene bis zu 14 Tagen nach der Geburt
  • Sitter, nachdem die Kleinen ohne Hilfe sitzen können, generell um den 8. Monat herum
  • 1. Geburtstag (auch als Feier in Foto-Journalismus-Style)
  • Die ersten Schritte
  • Familienporträts mit drei Generationen

Weitere Infos zu den Fotografen:

Michaela Grönnebaum

... lebt und arbeitet in Düsseldorf als freie Fotokünstlerin und freiberufliche Fotografin im Bereich der Business- und Familienfotografie. Als begeisterte Seglerin und Schwimmerin spielen häufig die Elemente Luft und Wasser eine Rolle in ihrem Schaffen. So fotografiert sie heute zum Beispiel Schwangere unter Wasser. In ihrer authentischen Familienfotografie läßt das Spiel von sanftem Licht und weichen Farben den Betrachter eintauchen und in der Situation versinken.
Kontakt: Tel. 0163.775 64 87, Mail michi@aquabelly.de, aquabelly.de

Emil Zander

... lebt und arbeitet in Düsseldorf als Fotograf. Seine Themen sind die Architektur, das Porträt, Bewerbungsfotografie, Bilderreportagen von Events und die Hochzeitsfotografie. Für die Libelle hat er schon etliche Titel- und Porträtfotos gestaltet. Ob in seinem Studio an der Kölner Straße oder an anderen Locations – Emil Zander versteht es, die Porträtierten locker durch die ungewohnte Situation zu führen und ebenso authentische wie ausdrucksstarke Bilder zu schaffen.
Kontakt: Tel. 0177.234 43 21, Mail emil@emilzander.de, emilzander.de

Andrea Werner

... arbeitet seit 20 Jahren als Fotografin, lange Zeit in Los Angeles, wo die gelernte Werbegestalterin „von den Besten lernen konnte“. Sie orientiert sich an den Kunden und ihren Ansprüchen und legt großen Wert darauf, deren Persönlichkeit und sogar auch Seele in ihren Porträts widerzuspiegeln. Dabei nimmt sie Businessleute und Familien gleichermaßen vor die Linse – auch einige Prominenz hat sich schon von ihr ablichten lassen.
Kontakt: Tel. 0211.24 84 53 44, Mail info@andiwerner.com, andiwerner.com

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