Erziehung

Zur Fuß zur Schule

Besima Donlagic-Kraaß · 23.09.2019

© Olha Romaniuk – iStock

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Autos in zweiter Reihe, zugeparkte Gehwege, Rangiererei – dazwischen wuseln Grundschüler: Wer will das?! Die Libelle gibt Tipps für den „Walking Bus“.

Ab 7.40 Uhr wird es ungemütlich vor manchen Düsseldorfer Grundschulen. Es ist Stau. Mit jeder Minute nimmt das Verkehrsaufkommen deutlich zu. Kurz vor acht Uhr dann das Verkehrschaos: Autos stauen sich, Bürgersteige und Hauseinfahrten werden zugeparkt, es wird verstärkt in zweiter Reihe gehalten, Kinder hüpfen aus Autotüren, die ersten beginnen, rückwärts zu rangieren und eine Hupe ertönt. Eine Gefahrsituation für alle Verkehrsteilnehmer, die sich jeden Morgen wiederholt ...

Der Straßenverkehr ist für die meisten Schulkinder eine neue, unbekannte Situation. Natürlich möchten alle Eltern, dass ihre Kinder sicher die Schule erreichen. Vielleicht regnet es oder sie empfinden den Schulweg als unsicher. Also fahren sie ihre Sprösslinge mit dem Auto zur Schule und setzen sie dann sicherheitshalber oft genau vorm Schultor ab. Dadurch sorgen gerade die sogenannten Eltern-Taxis für ein Verkehrschaos und provozieren somit eine Gefahrensituation für die Kleinsten, die zu Fuß zur Schule unterwegs sind.

Unsere Umwelt nehmen wir über Sinneseindrück wahr, die wir im Laufe des Lebens sammeln. Kinder nehmen ihre Umwelt sehr unterschiedlich wahr – abhängig davon, wie sie im Alltag unterwegs sind. Eine Geografie-Studentin untersuchte in ihrer Abschlussarbeit, wie Kinder, die zur Schule gefahren werden, und diejenigen Kinder, die zur Schule laufen, ihre Umwelt wahrnehmen. Dazu sollten zwei Grundschülerinnen ihren Schulweg malen. Die Ergebnisse waren verblüffend: Während das Mädchen, das täglich zu Fuß zur Schule ging, detailreich Straßen, Bäume, einen Supermarkt und eine Sparkasse aufs Papier brachte, zeichnete das andere Mädchen lediglich einen Strich als Weg zwischen der Schule und dem Zuhause. Ein zugegeben krasses Beispiel, das aber überdeutlich zeigt, wieviel Positives der gelaufene Schulweg zur kindlichen Entwicklung beiträgt.

Echtes Leben
Gut organisiert bietet der Weg zur Schule daher viele Vorteile für Kinder wie auch für die Eltern. Die frische Morgenluft und die Bewegung bewirken Wunder. Die Kinder sind wach und starten fit und munter in den Tag. Auf dem Weg zur Schule tauschen sich die Kinder über Erlebnisse vom Vortag aus, pflegen oder knüpfen Freundschaften oder erzählen vom Wochenende. Sie nehmen neue Baustellen wahr, entdecken Sonderangebote in Schaufenstern und erleben die Natur bei unterschiedlichstem Wetter – und sammeln so praktische Erfahrungswerte für das, was sie im Sachunterricht, Mathematik oder Deutsch lernen. In der täglichen Routine lernen sie den sicheren Umgang im Straßenverkehr, entwickeln Selbstvertrauen und sind selbstständiger als ihre KameradInnen, die zur Schule gefahren werden. Wenn sie in der Schule ankommen, haben sie schon ein erstes Erfolgserlebnis gehabt und sind gewappnet für weitere Herausforderungen.

Walking Bus
Der Schulweg zu Fuß macht mehr Freude, wenn Kinder ihn gemeinsam zurücklegen. In England entstanden, erfährt der sogenannte Walking Bus auch in deutschen Städten zunehmende Beliebtheit und Akzeptanz. Dabei handelt es sich um eine Gehgemeinschaft, die nach festem Fahrplan und fester Route die Schule erreicht. Im Wechsel geht jeweils ein Elternteil mit. „Ich gehe einmal in der Woche mit. An den anderen Tagen bin ich früher bei der Arbeit und mache mir keine Sorgen, ob mein Kind die Schule sicher erreicht hat oder nicht“, erzählt Jasmina, Mutter einer Zweitklässlerin. Das Konzept des Walking Bus ist nicht nur zeitsparend, sondern mindert das allmorgendliche Verkehrsaufkommen vor den Schulen und hebt die Verkehrssicherheit für die laufenden Kinder.

Die Wege zur Schule sind unterschiedlich. Manche sind einfach und führen auf Fußgängerwegen direkt zum Schultor, andere Kinder wiederum überqueren vielbefahrene Straßen. Mit Blick auf die bevorstehende dunkle Jahreszeit empfiehlt die Polizei gut sichtbare, reflektierende Kleidungsstücke. Und da sind Warnwesten mit Reflektoren überhaupt nicht uncool. Manchmal werden sie von Firmen gesponsort. Polizei und Ordnungsamt helfen dabei, die Walking-Bus-Route festzulegen und mit Schildern zu bestücken. Und last but not least, braucht der Walking Bus Eltern, die sich als zuverlässige „Busfahrer“ zur Verfügung stellen.  Das kriegen wir Eltern doch locker hin, oder?

Lest auch das Interview mit Simon Höhner, Geschäftsführer der Verkehrswacht Düsseldorf, auf der zweiten Seite.

Tags: Sicherer Schulweg , Walk-to-school-Day , Zu Fuß zur Schule

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