Erziehung

Weihnachten in der Coronazeit

Aus der Redaktion · 30.12.2020

© WavebreakMediaMicro – AdobeStock

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Auch auf die Distanz lässt sich weihnachtliche Stimmung und vor allem familiäre Nähe erfahren. Fünf Tipps einer Familienexpertin.

Keine gemeinsame Bescherung, kein Festessen in großer Runde: Wegen Corona verzichten Familien auf vertraute weihnachtliche Traditionen und positive gemeinsame Erlebnisse. Dennoch lässt sich auch auf die Distanz etwas aus dem Fest machen. Denn Nähe entsteht nicht nur beim Kuscheln. Wir haben fünf Tipps der Familienexpertin und Buchautorin Nora Imlau: „In einer Zeit, in der Familien traditionell zusammenrücken, ist es besonders schwer zu akzeptieren, dass die bestehenden Kontaktbeschränkungen Angehörige voneinander fernhalten“, sagt sie. Umso wichtiger sei es, sich klar zu machen, wie resilient gerade Kinder sind. „Mit liebevoller elterlicher Begleitung können sie auch in diesem Jahr eine wunderbare Advents- und Weihnachtszeit erleben – auch ohne Weihnachtsmarktbesuch und Weihnachtsliedersingen mit den Großeltern.“ Dabei gelte der Grundsatz, dass die elterliche Haltung zu den Maßnahmen die emotionale Reaktion der Kinder präge. „Dass wir Menschen, die wir lieben, gerade fernbleiben, um sie zu schützen, können auch kleine Kinder verstehen, wenn wir es ihnen glaubwürdig vorleben und nicht in ihrem Beisein über die Widersprüchlichkeit der Maßnahmen wettern.“

Die fünf besten Tipps der Familienexpertin für eine innige Weihnachts- und Adventszeit während der Kontaktbeschränkungen:

1. Adventsstunde per Video

Familienangehörige verschiedener Haushalte treffen sich zu einem weihnachtlichen Videocall mit Kerzen auf dem Tisch, Plätzchen im Bauch und weihnachtlichen Liedern. Viele Anbieter haben dafür sogar extra weihnachtliche Filter mit Tannenzweigen und Rentiernasen im Repertoire, die bereits kleinsten Kindern Freude machen. Nora Imlau erklärt: „Auf diese Weise machen Kinder die Erfahrung von Selbstwirksamkeit: Trotz Widrigkeiten können sie aktiv dazu beitragen, Nähe und Verbindung herzustellen.“

2. Schatzsuche im Winterwald

Können Großeltern und Enkelkinder sich nicht persönlich treffen, kann die ältere Generation bei einem winterlichen Waldspaziergang eine Schatzsuche vorbereiten, und die jüngere geht einige Zeit später dieselbe Strecke ab und freut sich über die liebevollen Weihnachts-Überraschungen. „Meiner Erfahrung nach funktioniert eine solche Aktivität im Freien besonders gut, weil hier jeder in seinem Tempo und nach seinen individuellen Bedürfnissen unterwegs sein kann", führt Imlau aus.

3. Die große Plätzchenverschickung

Jede Familie backt ein großes Blech ihrer Lieblingsplätzchen, die dann in Tüten verschickt werden, bis alle von allen Kekse auf dem Weihnachtsteller haben – eine bunte Mischung, die stellvertretend für all die Verwandten steht, die sonst persönlich hier gewesen wären. Nora Imlau betont: „Backen ist eine Erfahrung mit allen Sinnen, die Kinder ganz nebenbei das Gefühl vermittelt, Teil eines größeren sozialen Gefüges zu sein – indem wir Rezepte und Plätzchen austauschen, verbinden wir uns miteinander."

4. Mut aus der Familiengeschichte

Schwierige Weihnachten gab es immer wieder – in politischen und gesellschaftlichen Umbruchzeiten, aber auch in persönlichen Krisen. Für größere Kinder kann es spannend sein, ältere Familienangehörige einmal zu ihren Erfahrungen mit solchen Weihnachtsfesten zu interviewen: Was hat ihnen geholfen, sich trotz mancher Härten weihnachtlich zu fühlen? Und was können wir hier und heute davon übernehmen? „Das Thematisieren auch von schwierigen Lebenserfahrungen auf Augenhöhe zeigt Kindern, dass wir sie ernst nehmen und ihnen vertrauen. Und es zeigt ihnen, dass sie uns ebenfalls erzählen können, was für sie schwer und belastend ist."

5. Kleine, feine Weihnachten

Familientraditionen sind so verschieden wie Familien selbst – doch an den großen Familientreffen mit vielen Gästen hängen wir Erwachsene oft mehr als unsere Kinder. Für sie kann es durchaus reizvoll sein, in diesem Jahr Weihnachten im ganz kleinen Kreis zu feiern, weniger zu reisen, weniger Erwartungen zu erfüllen zu haben, und uns Eltern ganz für sich zu haben. Nora Imlau führt aus: „Familien wandeln sich mit der Zeit, und es ist ganz normal und natürlich, dass wir uns mit unserem eigenen Elternwerden mehr und mehr aus unserer Herkunftsfamilie lösen und eine eigene Kernfamilie bilden, die nur uns gehört. Vielen Eltern fällt diese Abgrenzung jedoch schwer, da sie die Großeltern keinesfalls ausschließen oder zurückweisen wollen. Dabei kann es sehr hilfreich sein, sich bewusst auch mal Zeit nur für den innersten Kreis zu nehmen und dem Gefühl Raum zu geben, jetzt eine komplette eigenständige Familie zu sein."

Buchtipp: „Mein Familienkompass.
Was brauch ich und was brauchst du?“

Von Familienexpertin Nora Imlau

In ihrem Buch zeigt Nora Imlau auf, wie ein ein modernes, liebevolles Familienleben gelingen kann: Die Bedürfnisse der Großen wie der Kleinen müssen gleichermaßen berücksichtigt werden. Bindung ist ein zentraler Schlüsselbegriff. Dabei räumt sie mit den Mythen überhöhter Ideale moderner Elternschaft auf und erklärt, wie Eltern und ihre Kinder zu einem Familienleben finden, das Kraft gibt, statt Energie zu kosten. „Mein Familienkompass“ begreift Elternschaft als lebenslange Beziehung und zeigt immer wieder neue Perspektiven im Umgang von Eltern und Kindern auf. Ein bestärkendes wie entlastendes Handbuch für alle, die mit Kindern auf Augenhöhe leben und die eigenen Bedürfnisse wahrnehmen wollen.

320 Seiten, Ullstein-Buchverlage 2020 (3. Auflage), ISBN 978-3-550-20086-1, Euro 22,99

Tags: Corona-Weihnachten , Elternratgeber , Familienkompass , Ullstein 2020

Kategorien: Freizeit , Erziehung