Erziehung

Kindern Corona erklären

Aus der Redaktion · 01.04.2020

© Christoph Schlanzke

© Christoph Schlanzke

Wie antworten Eltern auf Kinderfragen zum Coronavirus und den massiven Auswirkungen auf den Familienalltag?

Zum Glück ist das Coronavirus für die allermeisten von uns nicht lebensbedrohlich. Trotzdem verändert es den Alltag massiv. Das merken auch die Kinder und haben Fragen. Wie können Eltern den Ernst der Lage erklären, ohne die Kinder allzu großen Ängsten auszusetzen?

Antworten gibt Angelika Stabenow, Pädagogin des Sicher-Stark-Teams. Die Sicher-Stark-Initiative schützt Kinder vor Gewalt und Missbrauch und bietet Kurse und andere Programme für Eltern, Kitas und Schulen an.

Wie erleben die Kinder die momentane Situation?

Angelika Stabenow: Das Coronavirus ist klar ein Thema. Wie die Kinder die Situation aufnehmen, hängt vor allem auch davon ab, wie die Eltern selbst damit umgehen. Eltern sind die Coachs und Vorbilder ihrer Kinder. Zeigt die Mutter ständig Angst, überträgt sie dieses Verhalten auf das Kind. Kinder beobachten das Verhalten von Erwachsenen, die Reaktionen der Eltern und hören selbstverständlich Gespräche mit. Hier sollten Eltern ruhig und in Kindersprache ihren Kindern den Virus
erklären und was man tun kann.

Wie sollte man sich denn als Eltern richtig verhalten?

Angelika Stabenow: Eltern sollten sich deshalb selbst fragen: Habe ich unbegründet starke Angst vor dem Coronavirus und übertrage ich es auf mein Kind? Eltern können keinen ruhigen Umgang mit dem Thema vermitteln, wenn sie ängstlicher als das Kind sind oder wenn es zu oft thematisiert wird. Um ein Vorbild im Umgang mit Ängsten zu sein, sollten Eltern eigene Ängste überwinden. Ziel ist es nicht, den Kindern Angstfreiheit zu ermöglichen, sondern den Umgang mit Ängsten zu üben.

Wie erkläre ich den Kindern denn das Coronavirus und seine Folgen?

Angelika Stabenow: Man kann das gut anhand der Grippe erklären, die einige Kinder schon einmal im Leben gehabt haben oder bei Verwandten und Freunden erlebt haben. Hier können sich die Kinder am besten hineinversetzen, weil sie wissen, was der Körper mit ihnen macht. Das Coronavirus ist eine sehr ähnliche Erkrankung, die ebenfalls durch Viren hervorgerufen wird. Viren versuchen immer, sich auszubreiten, ähnlich wie bei einem PC – und genau hier können wir das Virus stoppen. Wir müssen vermeiden, dass sich das Virus überall einnistet, also auch in den Kindergärten oder in den Grundschulen. Das ist so lange nötig, bis die Ausbreitung unter Kontrolle ist oder im besten Fall gegen dieses neue Virus eine Impfung entwickelt wurde. Viele Ärzte und Kliniken forschen auf Hochtouren, wie ein neuer Impfstoff aussehen könnte.

Soll man das Thema als Eltern selbst ansprechen oder auf Fragen der Kinder warten?

Angelika Stabenow: Sie sollten warten, bis Ihr Kind Sie anspricht, denn es wird in der Grundschule und im Kindergarten früh genug damit konfrontiert. Auch Lehrkräfte sollten bereits geschult werden, wenn Kinder Fragen zu diesem Thema stellen. Wir sollten nicht auf das Kind zugehen und es bedrängen, dass es darüber sprechen muss. Das Kind soll frei entscheiden können, ob es mehr wissen will oder nicht. Natürlich sollten Eltern dennoch Vorsorge treffen und ein häufigeres Händewaschen zum Ritual machen. Wenn das Kind sich aber zurückzieht, Kummer hat, es sich gar nicht äußert und immer stiller wird, sollte man den Grund erfahren. Vielleicht liegt es auch nicht an dem Coronavirus. Deshalb nehmen Sie sich immer mindestens 15 Minuten Zeit am Tag, um Ihrem Kind zuzuhören. Das Kind soll wissen, dass jemand zuhört, es nicht alleine gelassen wird und in der Familie über schwierige Themen sprechen darf. Wenn Kinder nach einem Austausch aufhören zu fragen, sollte man das Thema aber wieder beenden und sich schöneren Dingen widmen.

Tags: Corona Kindern erklären , Sicher-stark-Initiative

Kategorien: Erziehung