Erziehung

Scheidung: Getrennte Wege, gemeinsame Aufgabe

Andrea Vogelgesang · 13.01.2020

© privat

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Diplompsychologin Regine Küster (39) arbeitet bei der Jugend- und Elternberatung der Stadt Düsseldorf und weiß, worauf es bei Trennungen ankommt.

Regine Küster (39) ist Diplompsychologin und bietet seit zwölf Jahren systemische (hundgestützte) Einzel-, Paar- und Familientherapie in der Jugend- und Elternberatung der Stadt Düsseldorf an, wobei Trennungen oft Thema sind.
 
Libelle: Welcher Schwerpunkt ist Ihnen bei Ihrer Arbeit besonders wichtig?
Regine Küster: Eine Trennung bringt immer auch eine zunächst verunsichernde Lebenssituation für Kinder mit sich. Dabei steigt ihr Grundbedürfnis nach Nähe, Sicherheit und Schutz. Der Aspekt „Gemeinsam getrennt erziehen“ versucht genau dem gerecht zu werden, indem sowohl der Vater als auch die Mutter gleichermaßen in der Verantwortung bleiben. 
 
Libelle: Die Wünsche des Kindes stehen also im Mittelpunkt?
Regine Küster: Eines steht fest: Das Bedürfnis der Kinder ist immer, aber gerade auch nach einer Trennung, Vater und Mutter gleichermaßen lieb haben zu können beziehungsweise zu dürfen. Das müssen beide Partner ihrem Nachwuchs zugestehen. Im Fachjargon nennt man das Bindungstoleranz. Es gibt Seiten wie Kuscheln und Trösten, die gelingen vielleicht der/dem einen besser, dafür kann mit der/dem anderen besser getobt oder das Fahrrad repariert werden. So wie in einer bestehenden Partnerschaft kann kaum eine/r allein alle Bereiche abdecken. Die Möglichkeiten, die man nicht bieten kann, sollte man dem Kind beim anderen gönnen und natürlich die damit verbundene Nähe.
 
Libelle: Das ist sachlich gut nachvollziehbar, aber wie sieht es mit den Emotionen gerade in einer Trennungsphase aus?
Regine Küster: Das ist in der Tat eine besondere Herausforderung in einer Zeit, da auch die Erwachsenen ihre eigenen Gefühle verarbeiten müssen und sich meist eher so viel Abstand wie möglich wünschen. Wenn sich die ehemaligen Partner aber bewusst machen, dass sie auf der Paarebene zwar getrennte Wege gehen, auf der Elternebene in ihrer Verantwortung aber verbunden bleiben, setzen sie den Fokus darauf, dass die Bedürfnisse des Kindes nichts mit dem Bereich der zerbrochenen Liebesbeziehung zu tun haben, und eben nicht die Vater- oder Mutterrolle betreffen. Dazu gehört auch, dass vor dem Sohn oder der Tochter nicht schlecht vom anderen Elternteil geredet werden sollte, auch wenn das nicht immer gelingt. Kinder sind sensibel und  hellhörig und nehmen auch ohne Worte Botschaften wahr. Die Gefahr, dass es zu Loyalitätskonflikten kommt, ist dabei eben groß.
 
Libelle: Wie können sich Eltern Unterstützung holen?
Regine Küster: Bei starken Konflikten sollten Familien nicht zögern, sich professionelle Hilfe zu holen. In der Beratung können die Eltern Unterstützung dabei bekommen, trotz unterschiedlicher Sichtweisen zu gemeinsamen Kompromissen zu gelangen und diese gegebenenfalls in einer schriftlichen Elternvereinbarung festzuhalten. Einige Beratungsstellen bieten den Elternkurs „Kinder im Blick“ an. Auch gibt es die Möglichkeit, Umgangskontakte für einen begrenzten Zeitraum durch Fachkräfte begleiten zu lassen.
 
Libelle: Insbesondere auch für Kinder gibt es Angebote …
Regine Küster: Neben der Möglichkeit für Kinder und Jugendliche, in Einzelgesprächen Unterstützung und Entlastung zu bekommen, bieten die Beratungsstellen sogenannte „Trennungs-und Scheidungskindergruppen“ (TuSCH) an.
 
Das Gespräch führte Andrea Vogelgesang.

Trennung: Rat und Hilfe

Nähere Informationen und Adressen aller Düsseldorfer Erziehungs- und Familienberatungsstellen finden sich unter
www.duesseldorf.de/djeb.

In der Printausgabe der Libelle Januar 2020 gibt es außerdem einen Bericht zu den verschiedenen Wohnmodellen nach einer Trennung der Eltern (ab Seite 34):

Tags: Jugend- und Elternberatung , Trennung

Kategorien: Erziehung