Erziehung

Richtig und gut schwimmen lernen

Tanja Römmer-Collmann · 05.08.2019

© jacoblund – istock

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Welche Schwimmhilfe ist richtig? Was tun bei Tränen in der Umkleide? Wie den Schnupfen vermeiden? Annette Morita von der Bädergesellschaft Düsseldorf erklärt, wie Eltern Kindern helfen, gute Schwimmer zu werden.

Libelle: Wie unterstützen Eltern Kinder beim Schwimmenlernen?
Annette Morita: Eltern tragen eine große Mitverantwortung beim Schwimmenlernen. Wenn ein Kind in den Schwimmkurs kommt, ist eine gewisse Vorerfahrung mit dem Wasser sehr förderlich: Ob das Baden zu Hause, der Besuch auf dem Wasserspielplatz, ein Planschbecken im Garten oder gemeinsame Ausflüge ins Schwimmbad und zum Babyschwimmkkurs – das sind alles Dinge, die Eltern mit dem Kind vorab unternehmen können. Solche positiven Erlebnisse mit dem Wasser erleichtern das Schwimmenlernen ungemein. Genauso wichtig ist es nach dem Schwimmkurs, weiter schwimmen zu gehen, zum Beispiel in einem Festigungskurs, denn sonst verlernt das Kind es wieder.
 
Wann ist das Kind „reif“ für einen Schwimmkurs?
Annette Morita: Die meisten Kinder sind mit fünf Jahren körperlich, motorisch, kognitiv und emotional soweit, dass sie im Schwimmkurs schwimmen lernen können. Als Faustregel gilt: Wenn sie radfahren können, klappt es auch mit dem Schwimmen. Kinder, die schon früh häufig im Wasser waren, zum Beispiel in Babyschwimm- oder Wassergewöhnungskursen, lernen zum Teil auch schon mit vier Jahren schwimmen. Ansonsten ist generell das Vorschuljahr ein guter Zeitpunkt zum Schwimmenlernen.
 
Welche Kursart empfehlen Sie?
Annette Morita: Generell ist das Schwimmenlernen ein Prozess, der ausreichend Zeit, Übung und viele Wiederholungen erfordert. Dafür benötigt das Kind ungefähr ein Jahr. In diesem Zeitraum sind verschiedene Kursarten denkbar. Natürlich liefert ein Kompaktkurs schnelle Lernerfolge, aber danach ist es wichtig, dranzubleiben und zum Beispiel einen Festigungskurs anzuschließen. Manchen Kindern ist es auch am Anfang noch zu viel, jeden Tag im Schwimmbad zu sein. Sie starten lieber mit einem wöchentlichen Kurs. Wenn das Kind das Seepferdchen dann geschafft hat, ist es allerdings noch kein sicherer Schwimmer. Wir empfehlen daher, bis zum Bronzeabzeichen zu trainieren.
 
Wie finden Eltern einen Kursplatz?
Annette Morita: Außer der Bädergesellschaft bieten in Düsseldorf auch noch Vereine, Bildungswerke und private Schwimmschulen Anfängerschwimmkurse an. Neben den öffentlichen Bädern betreibt die Bädergesellschaft Düsseldorf sieben Schul- und ein Therapiebad in der Stadt. Gerade die kleinen Bäder mit ihrer warmen Wassertemperatur sind ideal zum Schwimmenlernen. Was die Kursplätze angeht, müssen Eltern mit einem gewissen Vorlauf rechnen. Wer möchte, dass sein Kind im nächsten Sommerurlaub schwimmen kann, sollte einen Schwimmkurs im Herbst davor anpeilen. Wir in der Koordinierungsstelle Schulschwimmen haben einen Überblick, wann welche Schwimmkurse angeboten werden und helfen gern – gerade in den Ferienzeiten erhöhen sich durch die Kompaktkurse die Kapazitäten nochmal.
 
Was machen Eltern während der Schwimmstunde?
Annette Morita: Vater oder Mutter dürfen gern in der Umkleide mit dem Aus- und Anziehen helfen. Aber ab der Dusche sollte das Kind mit dem Schwimmlehrer oder der Schwimmlehrerin gehen – es muss sich also von den Eltern trennen können. Das unterstützen diese am besten, indem sie sich nicht allzusehr einmischen, auch nicht unbedingt die ganze Zeit hinter der Scheibe winken und das Kind ablenken. Wenn Eltern den Schwimmlehrer machen lassen, signalisieren sie dem Kind damit, dass es der Situation ebenfalls vertrauen kann. Die Eltern können also gern während des Schwimmkurses einkaufen gehen oder anderes erledigen. Wenn es wirklich Probleme gibt und das Kind zum Beispiel viel weint, überlegen wir gemeinsam mit den Eltern, was zu tun ist. Schwimmenlernen soll Spaß machen und eine positive Erfahrung sein – vielleicht ist das Kind erst in einem halben Jahr soweit.
 
Welche Schwimmhilfen sind sinnvoll?
Annette Morita: Die nötigen Schwimmhilfen – auch klassische Schwimmflügel für die Kleinen – sind in den Bädern vorhanden und können von Eltern, die privat mit ihren Kindern schwimmen gehen, ausgeliehen werden. Wir schließen keine Schwimmhilfe grundsätzlich aus – nur mehrere gleichzeitig sind nicht sinnvoll, weil die Bewegung des Kindes dann stark eingeschränkt ist und kein Lerneffekt möglich ist. Besonders beliebt sind Schwimmgürtel, da sie individuell einstellbar sind.
 
Wie lassen sich Erkältungen vermeiden?
Annette Morita: Eigentlich ist der Winter eine sehr passende Zeit für einen Schwimmkurs, weil es dann weniger Möglichkeiten gibt, draußen zu spielen. Wenn man einige Regeln berücksichtigt, muss sich auch kein Kind erkälten: Es sollte während des Schwimmkurses nicht frieren, danach warm duschen, sich gut abtrocknen und Föhnen. Ganz wichtig ist aber, dass es die (Winter-)Jacke und die Mütze erst im Vorraum überzieht, kurz bevor es wirklich rausgeht. Viele Eltern ziehen die Kinder schon in der warmen Umkleide komplett an. Dann sind die Kinder ganz schnell verschwitzt – und gehen so raus in die Kälte. Das fördert dann den Schnupfen.


Das Interview führte Libelle-Redakteurin Tanja Römmer-Collmann.

Richtig und gut schwimmen lernen

Die Sportwissenschaftlerin Annette Morita (42) arbeitet in der Koordinierungsstelle Schulschwimmen der Bädergesellschaft Düsseldorf und seit mehr als zwölf Jahren als Babyschwimmkursleiterin. „Schwimmen lernen macht Spaß, wenn Kinder spielerisch und vielseitig im Wasser gefördert werden“, sagt sie – und ist zusammen mit ihrer Kollegin Britta Hornstein gern behilflich, wenn Familien noch den passenden Schwimmkurs suchen. Kontakt: www.baeder-duesseldorf.de (Link „Schulen und Vereine“, „Schulbelegungspläne“ ) und Tel. 0211.957 45-614 bzw. -615.
 
Aktionsplan „Schwimmen lernen in NRW“
Mit zehn Maßnahmen zur Steigerung der Schwimmfähigkeit möchte die NRW-Landesregierung bis 2022 erreichen, dass mehr Kinder als bisher bis zum Ende der Grundschulzeit sicher schwimmen. Zu den Maßnahmen gehören unter anderem mehr Schwimmstunden in der Grundschule, eine Woche des Schulschwimmens, ein Schwimm-Kongress sowie die Erweiterung des Ferienprogramms „NRW kann schwimmen!“ auf Erst- und Zweitklässler.

Tags: Bädergesellschaft Düsseldorf , Schwimmbad , Schwimmenlernen

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