Erziehung

Nass, frei und froh

Petra Baten · 04.01.2017

© annaviolet - Fotolia

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Die meisten Kinder lernen bereits vor dem Eintritt in die Schule schwimmen. Wichtig ist, dass im Schwimmunterricht nicht nur aufs baldige Seepferdchen geschielt wird, sondern das Kind Anleitung bekommt, sich selbst im Wasser zu retten.

Text: Petra Baten

„Die meisten Kinder beginnen im Alter zwischen vier und sechs Jahren mit dem Schwimmenlernen“, erläutert Dr. Lilli Ahrendt von der Bädergesellschaft Düsseldorf. Dabei ist das Alter nicht absolut zu setzen. „Klassisch ist es das letzte Jahr vor dem Schuleintritt.“ Dieser Zeitpunkt ist aus verschiedenen Gründen besonders günstig: Schule bedeutet für viele Familien auch die Betreuung der Kinder in den Nachmittag hinein. Das schränkt die Flexibilität bei der Einplanung sportlicher Aktivitäten ein. Aber auch aus entwicklungsphysiologischen Gründen ist das Vorschuljahr besonders gut geeignet. „Das Gleichgewicht der Kinder hat sich zu diesem Zeitpunkt bereits gut entwickelt. Kinder können in diesem Alter in der Regel Fahrradfahren“, weiß die Autorin zahlreicher Bücher zum Thema Kinder und Schwimmen. Wie wichtig die körperliche Balance des Kindes ist, zeigt sich auch in der Schuleingangsuntersuchung, bei der unter anderem die Fähigkeit des Kindes zum Hüpfen auf einem Bein überprüft wird. „Kinder, die noch nicht Radfahren können, werden beim Schwimmenlernen Probleme haben. Denn die Koordination von Kopf, Körper, Armen und Beinen in Balance ist auch für das Schwimmen grundlegend.“

DER RICHTIGE ZEITPUNKT
Eltern erkennen, dass der richtige Zeitpunkt gekommen ist, wenn die Hosen zu kurz werden. „Wenn das Kind die erste Körperstreckung durchlaufen hat, seine Arme und Beine länger werden und die Kopflastigkeit abnimmt“, so Ahrendt, „macht es erst Sinn, mit dem Schwimmen zu beginnen.“ Und auch der emotionale Entwicklungsstand muss berücksichtigt werden, denn das Ablösen von den Eltern fällt Kindern im Vorschulalter unterschiedlich leicht. „Manche Kinder verabschieden sich bereits in der Umkleide von ihren Eltern, andere möchten Mamas Hand am liebsten gar nicht loslassen“, erzählt Ahrendt aus der Praxis. „Diesen Kindern fällt es dann auch schwer, sich einem Schwimmlehrer anzuvertrauen.“

Doch viel wichtiger als jeder Schwimmkurs ist für Ahrendt etwas, dem Eltern oft nicht die gebührende Bedeutung zumessen: die Wassergewöhnung. Und diese wird von Kindern in einem dreistufigen Erleben des Elementes Wasser durchlaufen. „Erstens: Werde Freund mit dem Wasser, das dir bis zur Brust reicht! Zweitens: Vertraue dich dem Wasser an, das dir bis zur Schulter reicht! Drittens: Nutze Arme und Beine, um dich im Wasser voranzubringen!“ Die ersten Schritte der Wassergewöhnung können Eltern mit ihren Kindern leicht durchlaufen, indem sie mit ihnen regelmäßig ins Schwimmbad gehen, sie planschen, toben, springen und tauchen lassen. „Das alles sollten Kinder können, bevor sie für einen Schwimmkurs angemeldet werden. Es ist die Voraussetzung, damit man sich dort nicht mit der Angst des Kindes, sondern mit dem Lernen der Bewegung beschäftigen kann“, erklärt Ahrendt.


Tags: Schwimmen

Kategorien: Freizeit , Erziehung