Erziehung

Mutter-Kind-Kuren: Auszeit auf Rezept

Isabella Lacourtiade · 25.02.2020

© Deutsches Müttergenesungswerk / ro-fotografie by no.limit

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Wenn Eltern an Dauererschöpfung leiden und ihre Kraftreserven am Ende sind, dann ist es Zeit für eine echte Auszeit!

Solche speziellen Mutter-Kind- oder Eltern-Kind-Kuren gelten als medizinische Vorsorge- oder Rehabilitationsmaßnahme und werden vom Haus- oder Kinderarzt bescheinigt, zum Beispiel als „psychosomatisches Erschöpfungssyndrom“. Schon vor der Antragstellung bei der Krankenkasse ist ein Besuch bei einer Beratungsstelle sinnvoll. Hier erhalten Eltern alle notwendigen Formulare und Hilfe beim Ausfüllen. Wir klären vorab die wichtigsten Fragen.  

Wann habe ich Anrecht auf eine Mutter-Kind-Kur?
Mutter-Kind-Kuren sind eine gesetzlich vorgeschriebene Leistung der gesetzlichen Krankenkassen, die beantragt werden kann, wenn Erschöpfungszustände vorliegen, aus denen Krankheiten entstehen können beziehungsweise schon vorhanden sind. Im Antragsformular an die Krankenkasse müssen die Gründe für eine Kur ausführlich beschrieben werden.

Wie funktioniert der Antrag?
Der Antragsprozess kann manchmal recht aufwendig sein. Spezielle Beratungsstellen helfen vor Ort, telefonisch oder per Online-Chat beim Ausfüllen, bei der Beantragung und der Einreichung bei der Krankenkasse und der Wahl der richtigen Klinik. Manche Kureinrichtungen übernehmen auch die komplette  Antragstellung.

Was tun, wenn der Antrag abgelehnt wird?
Falls auf einen Kurantrag eine Ablehnung erfolgt, kann Widerspruch eingelegt werden. Oftmals wird dann die Kur doch noch bewilligt. Der Widerspruch sollte genau erläutern, weshalb die Maßnahme benötigt wird. Hilfe dabei bieten auch wieder die Beratungsstellen. Wichtig: Zwischen der ersten und der zweiten Kur müssen mindestens vier Jahre liegen. Für Alleinerziehende gelten Ausnahmen.

Wie läuft eine Kur ab?
Sobald die Zusage vorliegt, kann man ein Kurhaus aus der Liste seiner Krankenkasse wählen. Je nach Diagnose, kommen bestimmte Zentren in Frage. Haben beispielsweise Mutter oder Kind allergisches Asthma, bietet sich ein Aufenthalt an der See an. Spezialisierte Kliniken unterstützen bei Sucht- oder Beziehungsproblemen, Übergewicht oder chronischen Erkrankungen. In der Regel dauert eine Mutter-Kind-Kur drei Wochen. Nach dem Kennenlerntreffen erfolgen eine Eingangsuntersuchung beim Kurarzt und ein Gespräch mit einem Psychologen. Daraufhin wird das persönliche Kurprogramm erstellt.

Wie sieht das Kurprogramm aus?
Das persönliche Programm richtet sich nach den angegebenen Beschwerden und umfasst verschiedene Sport- und Entspannungskurse sowie Massagen. Dazu kommen Gruppengespräche und psychotherapeutische Einzeltermine. Auch gesunde Ernährung ist in den Einrichtungen ein wichtiges Thema. Je nach Spezialgebiet der Klinik gibt es zum Beispiel Maßnahmen für Familien in Trauersituationen oder für Alleinerziehende.  

Wie werden die Kinder betreut?
Der Umfang der Kinderbetreuung ist in jeder Klinik unterschiedlich. Manche betreuen die Kinder tagsüber durchgehend, in anderen Häusern erfolgt  die Betreuung nur zu den Zeiten der eigenen Behandlung. Die Mutter-Kind-Interaktion ist ein wichtiges Thema. „Wenn diese Beziehung belastet ist, belastet es früher oder später auch die Gesundheit“, erklärt Margot Jäger, Geschäftsführerin der Katholischen Arbeitsgemeinschaft Müttergenesung.

Wann können wir auf Kur gehen?
Schulkinder sind nicht auf die Ferien angewiesen, denn sie werden für die Zeit der Kur von der Schule freigestellt, müssen aber den Lernstoff in der Betreuung durchnehmen. Eine bewilligte Kur darf auch vom Arbeitgeber nicht verweigert werden. Es besteht außerdem ein Anspruch auf Entgeldfortzahlung beziehungsweise Krankengeld von der Krankenkasse.

Fazit
„Die Stärkung der Mütter und ihrer Familien ist ein wichtiger Baustein unseres Gesundheitswesens,“ betont Margot Jäger. Eine gelungene Mutter-Kind-Kur hilft nachhaltig den schwierigen Alltag hinter sich zu lassen, eine Krankheit oder langanhaltenden Stress zu überwinden oder zumindest besser zu bewältigen. Diese positiven Erfahrungen aus der Kur werden idealerweise dann als achtsame Grundhaltung mit ins Familienleben daheim mitgenommen.

Kur oder Reha?

Obwohl die meisten Menschen beide Begriffe synonym verwenden, bestehen zwischen den Maßnahmen erhebliche Unterschiede. Eine Kur ist eine präventive Maßnahme, die der Erhaltung der eigenen Gesundheit dient. Ist die Gesundheit geschwächt, kann eine Kur den Zustand des Patienten verbessern und die Eigenverantwortung stärken. Ob als Vorsorge oder als Nachsorge, eine Kur ist als eine Art Urlaub für Körper und Seele gedacht. Während eines Kuraufenthaltes lassen sich so neue Lebensgeister wecken und die Gesundheit wieder ins Gleichgewicht bringen. Entsprechend kommt die Krankenkasse für die Behandlungskosten auf. Das Wort Rehabilitation, kurz Reha, bedeutet im medizinischen Sinne, dass der ursprüngliche Gesundheitszustand mit der vollen Leistungsfähigkeit des Patienten wieder hergestellt werden soll. Dieser kann durch einen Unfall, eine Krankheit oder einen ungesunden Lebensstil angegriffen sein. In die Reha-Klinik gehen vor allem Patienten, die bereits unter schweren gesundheitlichen Einschränkungen leiden und im Alltag körperlich, seelisch oder geistig stark beeinträchtigt sind. Mit einer Reha-Maßnahme sollen sich im besten Fall die vorhandenen Beschwerden so weit verbessern, dass keine Arbeitsunfähigkeit, Behinderung oder gar Pflegebedürftigkeit eintritt. Bei betroffenen Kindern gilt es längere Fehlzeiten in ihrer Schullaufbahn zu vermeiden. Daher trägt meist die Rentenversicherung die Kosten. Während eines Reha-Aufenthaltes erhält der Patient ganz bestimmte, auf seine Erkrankung oder Beschwerden zugeschnittenen, medizinischen, physiotherapeutischen oder psychosozialen Behandlungen, die ihm helfen seinen Gesundheitszustand zu verbessern.
Hilfe & Beratung

DRK
Auf`m Hennekamp 71, Tel. 0211.310 41 24

SKFM
Metzer Str. 18-20, Tel. 0211.46 96 145

Caritas
Friedrichstr. 42, Neuss, Tel. 02133.25 00 101

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Tags: Eltern-Kind , Kur , Mutter-Kind , Reha

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