Erziehung

Mit Humor gegen zuviel Handykonsum

Nadine Lente · 03.06.2019

© Renate Alf

© Renate Alf

Das Smartphone ist ein ständiger Alltagsbegleiter – doch wenn Eltern es immerzu benutzen, kann das für Kinder fatale Folgen haben.

„Warte mal kurz, ich muss nur schnell dem Papa eine Nachricht schreiben", „Schaukel noch ein bisschen, ich muss mal eben was (im Internet) nachschauen", „Mama kann grad nicht, Mama bestellt grad was (im Internet)" – seien wir ehrlich: Sätze wie diese sind uns doch auch schon mal über die Lippen gekommen, oder? Das Smartphone gehört für uns inzwischen genauso selbstverständlich in die Handtasche wie der Hausschlüssel oder das Portemonnaie. „Doch gerade das Handy kann unser Alltagsleben gehörig durcheinanderbringen und hindert uns zunehmend daran, persönlich miteinander zu sprechen", sagt Bettina Erlbruch, Geschäftsführerin vom Kinderschutzbund Düsseldorf. Und das hat besonders bei Kindern und sogar schon bei Babys fatale Folgen: „Werden Kleinstkinder nicht in ausreichendem Maße von ihren Bezugspersonen direkt angesprochen, kann es zu Verhaltensauffälligkeiten oder auch Sprachstörungen kommen.“

Sensibilisieren, nicht mahnen!
Für dieses alle Bevölkerungsschichten betreffende Problem will der Düsseldorfer Kinderschutzbund jetzt sensibilisieren – und zwar mit Humor! Für die Plakat-Kampagne „Sprich mit mir“ hat die Weimarer Cartoonistin Renate Alf drei treffende Motive zur Verfügung gestellt. Auf einem gibt's – rumms! – eine Karambolage zweier Kinderwägen, bei der nicht nur die Babys in die Luft fliegen, sondern auch die Handys der abgelenkten Mütter. Auf einem anderen verlangt ein Kleinkind mit Sonnenhut und Eimer vergeblich die Aufmerksamkeit von Papa. Der ist auf dem Badehandtuch aber in sein Smartphone vertieft.

Eigene Mediennutzung im Auge behalten
„Viele Eltern empfinden das Medienverhalten ihrer Kinder bedenklich, haben ihr eigenes aber nicht im Blick", erfährt Anke Teesselink als Leiterin des Familiencafés am Sana Krankenhaus im Arbeits-Alltag. Kinder lernen durch Nachahmen. und "Lernen funktioniert über Beziehung“, sagt Kinderarzt Dr. Hauke Duckwitz. „Das Kind muss klarhaben, was macht mein Gegenüber gerade.“ Und das kann es nicht, wenn die Bezugsperson am Handy herumdoktert. Noch schlimmer: Es kann daraus entstehende Verhaltensweisen sogar falsch deuten. Bettina Erlbruch: „Ich erinnere mich an eine Situation als eine Mutter ein Streitgespräch am Handy hatte, laut wurde und weinte und ihr 8 Monate altes Baby vor ihr mit Blickkontakt im Kinderwagen lag und sie anstarrte." Kinder können nicht verstehen, was und warum Mama da spricht und dass sie gerade überhaupt mit jemand anderem spricht. „Aber sie bekommen die Mimik mit und beziehen den wütenden oder verzweifelten Gesichtsausdruck der Mutter dann auf sich."

Mitmachen!
Die drei Plakate sollen kein erhobener Zeigefinger sein, sondern zum Nachdenken anregen. Verteilt worden sind sie flächendeckend in Düsseldorf an rund 600 Einrichtungen, darunter alle 366 Kitas. Auch in Kinderarztpraxen, beim Logopäden oder in Elterncafés sollen Renate Alfs Karikaturen für den bewussten Umgang mit Smartphones sensibilisieren. „Wer die Plakate aufhängen möchte und kein erhalten hat, kann sich sehr gerne an uns direkt wenden, wir liefern gerne nach", bietet Kinderschutzbund-Chefin Bettina Erlbruch an. Einfach eine Email schreiben an info@kinderschutzbund-duesseldorf.de oder anrufen unter Telefon 0211.617 05 70.

Sprich mit mir!

Aktion vom Kinderschutzbund Düsseldorf im Rahmen des Kinderrechtejahres von Libelle Magazin und Kinderschutzbund Düsseldorf

Mehr dazu hier:

Kinderrechte Düsseldorf
Kinderschutzbund Düsseldorf
Renate Alf

Tags: Medienkonsum , Mediennutzung , Smartphone

Kategorien: Erziehung