Erziehung

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Anke Strotmann · 04.11.2019

© Silvia Brandt

© Silvia Brandt

Um das Recht auf Betreuung bei Behinderung geht es diesen Monat beim von der Libelle und dem Kinderschutzbund initiierten Kinderrechtejahr in Düsseldorf.

Jonas ist traurig. Der Achtjährige sitzt im Rollstuhl und hat eine spastische Lähmung. Jonas ist in einer Grundschule, wo inklusiv beschult wird und er dem Unterricht meist folgen kann. Wenn nicht, wird ihm manchmal langweilig. Richtig schlimm sind aber die Pausen. Die anderen Kinder rennen über den Schulhof und lachen, selten will ein anderes Kind mit ihm spielen.

Das Recht auf Betreuung bei Behinderung ist eng mit dem Recht auf Gleichbehandlung verknüpft. Alle Kinder sollen die gleichen Chancen haben, am Leben teilzunehmen. Kinder mit Beeinträchtigung haben es im Alltag manchmal schwerer als Kinder ohne Beeinträchtigung. Sie können sich zum Beispiel nicht gut bewegen oder haben Schwierigkeiten mit dem Lernen. Die Inklusion soll verhindern, dass sie ausgeschlossen werden. „Die behinderten Kinder, die sich dazu äußern können, erzählen oft traurige Geschichten über Gefühle von Ausgrenzung und ich finde, das allein ist schon Impuls genug, zu gucken, dass diese Kinder eine glückliche Kindheit haben“, sagt Bettina Erlbruch, Geschäftsführerin des Kinderschutzbunds Düsseldorf.

Mehr Geld und Personal
Sie betont, dass es Schwierigkeiten bei der Umsetzung gebe, denen man nur mit mehr Personal und Geld begegnen könne. „Zurzeit befinden wir uns in einer Übergangssituation. Da sind wir noch nicht soweit, dass es sich gut anfühlt mit der Inklusion.“ Sie kenne Eltern, die sagen, ihr behindertes Kind werde nicht mehr angemessen gefördert, weil es in einer Regelschule ist. Zugleich gibt es Eltern, die sich in der Regelschule Sorgen darüber machen, dass der Schulablauf durch die Inklusion nicht mehr gewährleistet ist, weil immer Rücksicht genommen werde. Aber: „Inklusion ist keine Entscheidung, sondern ein Gesetz. Und es sind nicht die anderen, die Inklusion möglich machen müssen, das sind wir alle! Das braucht Geld, Zeit, Personal, Zuversicht und den Willen zur Veränderung“, sagt Erlbruch. Ziel sei es, dass die Angebote so aufgebaut sind, dass auch Kinder mit Beeinträchtigung daran teilnehmen können.

Neugierig geworden? Kinderrechte sind auch bei uns nicht immer selbstverständlich, und gerade das Recht auf Gleichbehandlung und Inklusion ist auch in den westlichen Gesellschaften häufig in Gefahr, wenn es um Kinder mit Handicap geht – denn es ist gar nicht so einfach und erfordert oft mehr Personal als vorgesehen, die Bedürfnisse aller gleichberechtigt und erfolgreich unter einen Hut zu bekommen. Anlässlich des 30. Jubiläums der UN-Kinderrechtskonvention hat die Libelle gemeinsam mit dem Kinderschutzbund Düsseldorf das Kinderrechtejahr 2019 ausgerufen und viele, viele Partner, Institutionen, Einrichtungen und Ämter mit ins Boot geholt. Alle zusammen möchten sie im Lauf des Jahres alle Kinder und Erwachsenen in Düsseldorf für die Kinderrechte sensibilisieren und darauf aufmerksam machen, wo und wie wir diese Rechte auch hier bei uns noch besser umsetzen können. In der Libelle-Serie zu den zehn Kinderrechten geht es in der Novemberausgabe um das Kinderrecht auf Betreuung bei Behinderung. Schnell ein Heft besorgen oder online weiterlesen ...

Kinderrecht des Monats November 2019: Das Recht auf Betreuung bei Behinderung

https://issuu.com/xitix/docs/libelle_november_2019

Tags: Kinderrecht auf Betreuung bei Behinderung , Kinderrechtejahr 2019

Kategorien: Erziehung , Stadtgeschehen