Erziehung

Großtagespflege in Düsseldorf

Tanja Römmer-Collmann · 24.09.2020

© Kindsköpfe

© Kindsköpfe

Melanie Dreisbach vom Verein KITAG e. V. „Kind in Tagespflege“ erläutert im Gespräch mit der Libelle, wo die Großtagespflege im Rahmen der U3-Betreuung in Düsseldorf heute steht.

Libelle: Frau Dreisbach, wie ist die Großtagespflege in Düsseldorf aufgestellt?

Melanie Dreisbach: Insbesondere die Großtagespflege wird immer professioneller und arbeitet auf hohem qualitativen Niveau. Im Grunde sehen wir uns auf Augenhöhe mit den Kitas, denn für uns gelten laut Kibiz (Kinderbildungsgesetz – Gesetz zur frühen Bildung und Förderung von Kindern) dieselben qualitativen Standards. In der Großtagespflege fördern wir die Kinder ganzheitlich und individuell in sozialer, motorischer, sprachlicher und emotionaler Hinsicht. Frühkindliche Bildung ist für uns alltäglich. Wir bieten stabile Bindungs- und Bezugspersonen und ermöglichen die Vereinbarkeit von Familie und Beruf durch unsere hohe Flexibilität in besonderer Weise. Mit den Eltern pflegen wir eine intensive Erziehungspartnerschaft, es gibt Entwicklungsgespräche und regelmäßige Dokumentionen.

Was sind die Ziele des Vereins?

Melanie Dreisbach: Zum einen freuen wir uns sehr, dass wir als Kitag von der Stadt mit ins Boot geholt wurden und die Gelegenheit haben, uns in einer Arbeitsgemeinschaft einzubringen. Dort sind wir gemeinsam im Austausch darüber, wie die Neuerungen des Kibiz in Düsseldorf bestmöglich umgesetzt werden können. Zusätzlich möchten wir auch noch mehr an die Öffentlichkeit gehen und Eltern vermitteln, was die Tages- und insbesondere Großtagespflege ausmacht. Oftmals ist das hohe Niveau unserer Arbeit nicht bekannt. Viele wissen zum Bespiel nicht, dass in jeder Großtagespflege mindestens eine pädagogische Fachkraft arbeitet, die außerdem noch die zusätzliche Qualifikation zur Tagespflege hat. Wir freuen uns über jeden, der mit uns Kontakt aufnimmt, um sich über unsere Arbeit zu informieren – oder als Großtagespflegeperson mit einbringen möchte.

Was wünschen Sie sich?

Melanie Dreisbach: Der Druck auf den Eltern, ihr Kind in Betreuung zu wissen, ist nach wie vor sehr hoch. Wenn Familien das Angebot bekommen, ihr Kind könne auf einen Kita-Platz nachrücken, haben wir Großtagespflegen manchmal das Nachsehen: Die Eltern hätten ihr Kind zwar sehr gern für ein, zwei Jahre in eine Großtagespflege gegeben, befürchten aber, dass sie später keine erneute Chance auf einen Kita-Platz bekommen. Diesen Druck würde ich den Eltern gern nehmen, zumal ja sie ja auch per Gesetz das Recht auf freie Wahl der Betreuung für ihr Kind haben.

Was müsste passieren?

Melanie Dreisbach: Es ist leider nur selten so, dass es verbindliche Kooperation mit den Kitas gibt. Es wäre gut vorstellbar und in unserem Interesse direkt in der Kita nachzufragen und einen Platz für die „Älteren“ zu vermitteln. Das gibt auch den Eltern mehr Sicherheit. Die Versorgungsquote mit Kita-Plätzen ist ja eigentlich schon sehr gut in Düsseldorf. Die entsprechende Kooperation zwischen Kitas und Großtagespflegen würden wir gern professionell ausbauen und intensivieren. Toll wäre es, wenn wir zum Beispiel auch in den städtischen Kita-Navigator eingebunden werden könnten.

Das Gespräch führte Tanja Römmer-Collmann.

Großtagespflege – Checkliste für Eltern

  • Großtagespflegen arbeiten mit zwei, meistens drei Kindertagespflegepersonen. Eine davon muss eine pädagogische Fachkraft sein (Sozialpädagog*in, Erzieher*in, Kinderpfleger*in oder ähnliches). Alle Kindertagespflegepersonen haben an einer zusätzlichen Qualifikation teilgenommen und machen regelmäßig Fortbildungen (Erste-Hilfe am Kind, Kindeswohl und viele weitere).
  • In der Großtagespflege können bis zu neun Kinder ab 0 Jahren betreut werden. Der Betreuungsschlüssel ist also in der Regel 1:3. Die Betreuung findet in angemieteten Räumen statt, die bestimmten Kriterien genügen müssen. Ähnlich wie in Kitas wird zum Beispiel das Trinkwasser regelmäßig getestet und vieles mehr.
  • Die Beiträge der Eltern für die Betreuung ihres Kindes in der Großtagespflege sind dieselben wie für einen Kita-Platz und richten sich nach dem Einkommen der Familie. Wie in der Kita, sind auch in der Großtagespflege die Kinder ab drei Jahren beitragsfrei – die meisten wechseln allerdings mit spätestens vier Jahren in die Kita.
  • Großtagespflegen bieten insbesondere den kleinen Kindern ein sehr familiäres Umfeld. Sie haben feste Bezugspersonen. Auch die dritte Kraft, die die Vertretung sichert, ist meist sehr häufig anwesend, damit die Kinder sie kennen. Es gibt sehr wenige Ferien- und Fehltage.
  • Die Stadt beauftragt sogenannte Fachberatungsstellen (Awo, Diakonie, Vamv, SKFM, PME) mit der Vermittlung von Großtagespflege-Plätzen an Familien. Häufig läuft die Kontaktaufnahme aber auch direkt über die entsprechende Einrichtung.

Zur Person

Melanie Dreisbach (39) ist Diplom-Sozialpädagogin und seit 2014 selbstständig mit der Großtagespflege „Kindsköpfe“ in Düsseldorf-Bilk. Sie hat selbst zwei Kinder. Die Interessengemeinschaft KITAG „Kind in Tagespflege“ entstand vor zehn Jahren, vor einem Jahr wurde daraus ein eingetragener gemeinnütziger Verein, in dessen Vorstand Melanie Dreisbach sich engagiert. Aktuell vertritt der Verein Großtagespflegepersonen, hinter denen circa 400 Betreuungsplätze stehen.
www.kitag-kindintagespflege.de, info@kitag-kindintagespflege.de

Hier gibt es noch mehr Informationen zur U3-Betreuung in Düsseldorf.

Tags: Düsseldorf , Großtagespflege , KITAG Kind in Tagespflege e. V. , U3-Betreuung

Kategorien: Erziehung , Stadtgeschehen