Erziehung

Fieber hilft auch

Besima Donlagic-Kraaß · 13.02.2018

© candy1812 - stock.adobe.com

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Fieber ist die Abwehrreaktion des Körpers gegen Krankheitserreger. Wer sich das klarmacht, bekämpft weniger das Fieber als den zugrundeliegenden Infekt.

Fieber ist die Abwehrreaktion des Körpers gegen Krankheitserreger. Um diese wichtige Funktion zu erfüllen, muss man es auch mal zulassen. Hausmittel helfen dem Kind dabei, in Ruhe gesund zu werden. Und natürlich sollte auch der Kinderarzt den möglichen Infekt im Blick behalten.

„Es beginnt meistens nach dem gleichen Muster. Ihre Hände und Füße werden kalt, sie wird still und fängt an zu frieren. Anschließend folgt das hohe Fieber und ich bin immer wieder überrascht, wie schnell es steigt“, erzählt Sarah K. über den für so viele Kinder typischen Infekt-Verlauf ihrer Tochter Lina. Besonders jetzt in der immer noch kalten, nassen und dunklen Jahreszeit treten bei Kindern häufig fiebrige Infekte auf. Manche Eltern werden unsicher und glauben, das Fieber sofort senken zu müssen. Dabei ist Fieber eine Abwehrreaktion des Körpers und erfüllt eine wichtige Aufgabe, denn Krankheitserreger mögen die erhöhte Temperatur nicht. Fieber von 38,5 Grad und darüber schränken ihre Lebensbedingungen erheblich ein. Die Vermehrung von Viren und Bakterien wird gebremst. Fieber ist eine wichtige Waffe des Immunsystems, das sich mit jedem Infekt trainiert und verbessert. Das Fieber an sich ist daher keine Krankheit und kann medizinisch durchaus als sinnvoll betrachtet werden.

Sprache der Kinderseele
Fieber macht uns darauf aufmerksam, dass sich das Kind mit etwas auseinandersetzt. Neben dem grippalen Infekt kann das Fieber auch auf das seelische Empfinden hindeuten. Ist das Kind seelisch überfordert, zum Beispiel durch den Eintritt in den Kindergarten, kann es mit Fieberepisoden reagieren. Seelische Veränderungen des Kindes sind oft auch Vorboten eines Fieberausbruchs. Der Organismus ist geschwächt, der Weg frei für die Erreger. So werden die Entwicklungsschritte der Kinder in den ersten Lebensjahren oft durch gesundheitliche Beeinträchtigungen begleitet. Nach einer durchlebten Fieberkrise jedoch beobachten viele Eltern bei den Kindern dann einen Reifungsprozess.

Ab wann Fieber?
Gesunde Kinder haben eine Körpertemperatur zwischen 36,5 und 37,5 Grad Celsius. Liegt die Temperatur zwischen 37,6 und 38,5 Grad, spricht man von erhöhter Temperatur, ab 38,5 Grad von Fieber. Bei Babys unter drei Monaten sollten die Eltern allerdings ab 38 Grad Fieber den Arzt aufsuchen. Das gleiche gilt auch für ältere Kinder, die apathisch wirken, das Trinken verweigern oder wenn weitere Beschwerden wie Hautausschlag, Erbrechen oder Durchfall hinzukommen. Jede Krankheit tritt fast immer zu Unzeiten auf, dennoch sollten die Eltern dem Kind Ruhe und Zeit gönnen, indem sie für den Nachwuchs da sind und ihm Zuwendung schenken. Oft sind Eltern unsicher, wie hoch das Fieber steigen darf. „Die Höhe des Fiebers ist relativ belanglos. Wichtig ist, auf das Wohlbefinden des Kindes zu achten. Ist es ansprechbar, hat es genug Ruhe, trinkt es ausreichend, macht es den Umständen entsprechend einen guten Allgemeineindruck? Kleine Kinder ertragen hohe Temperaturen in aller Regel viel besser als Erwachsene. Dennoch, fühlen sich Eltern unsicher, sollten sie immer einen Kinderarzt aufsuchen“, erklärt die Kinderärztin Frau Dr. Irina Gelmann.

Cool bleiben
Zuerst ist es wichtig, das Fieber zuzulassen und gerade in der Anfangsphase, wenn das Kind friert, den Körper zu unterstützen, warm zu werden: mit einer Decke, einer Wärmflasche, mit Wollsocken und Tee. Handelt es sich um eine Virusinfektion, reichen normalerweise ein paar Tage Ruhe, ausreichendes Trinken und Schlaf aus, damit der Nachwuchs wieder gesund ist. Ist das Fieber auf seinem Endwert angelangt, sprechen manche Kinder gut auf kühlende Wadenwickel an. Auch homöopathische Globuli haben sich bei den Kleinen gut bewährt. Lindenblütentee regt den Stoffwechsel an, fördert das Schwitzen und treibt so die Krankheit heraus. Über den Einsatz fiebersenkender Medikamente sollten die Eltern nach Empfehlung des Bundesverbandes der Kinder- und Jugendärzte erst ab 39 Grad Celsius nachdenken und die Gabe mit dem Kinderarzt absprechen. „Gebt mir die Macht, Fieber zu erzeugen, und ich heile jede Krankheit!“, wusste bereits der griechische Philosoph Parmenides lange vor unserer Zeit. Eine alte Weisheit, die in heutiger Zeit in Vergessenheit geraten ist. Vielleicht schenken wir ihr etwas mehr Bedeutung.

 

 

Hausmittel
Der Wadenwickel ist eine sehr bewährte, leicht fiebersenkende Anwendung und ist angezeigt bei Temperaturen über 39 Grad. Das Fieber wird nach unten abgeleitet, der Kopf wird wieder frei. Das Fieber kann dadurch bis zu einem Grad gesenkt werden. Beide Unterschenkel werden getrennt in feuchte Leinen- oder Handtücher gewickelt. Man kann dem Wasser des Wickels einen Schuss Essig oder Arnika-Essenz zusetzen. Über die feuchten Tücher werden dann trockene Handtücher gewickelt. Es ist wichtig, kein kaltes, sondern zimmerwarmes Wasser zu verwenden. Wickel abnehmen, wenn sie warm geworden sind und gegebenefalls nach einer Stunde erneut anlegen.

Richtig messen
Schnelle und genaue Ergebnisse bieten die digitalen Thermometer. Es empfiehlt sich bei kleinen Kindern das Fieber grundsätzlich „rektal“, also im Po, zu messen, da die Messergebnisse so am genauesten sind. In der Achselhöhle ist das Ergebnis sehr ungenau. Geeignet sind auch elektronische Ohr- und Stirn-Thermometer, welche Daten via Infrarot erfassen. Ihre Messgenauigkeit ist allerdings etwas geringer als bei der rektalen Messung.

Aufpassen
Fieberkrämpfe sind zum Glück eher selten. Betroffen sind cirka fünf Prozent aller Kinder zwischen sechs Monaten und sechs Jahren. Verschiedene Studien haben inzwischen belegt, dass Fieberkrämpfe auch mit fiebersenkenden Mitteln nicht zu verhindern sind. Auch wenn Fieberkrämpfe sehr erschreckend und angsteinflößend sein können, gefährlich sind sie in der Regel nicht. Auch messbares Lampenfieber kommt bei Kindern durchaus vor. In der Aufregung und Vorfreude – zum Beispiel vor Weihnachten oder dem Geburtstag – fiebern sie buchstäblich dem Ereignis entgegen.

Tags: Fieber , Tipps

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