Erziehung

Endlich wieder zurück in die Kita!

Tanja Römmer-Collmann · 10.06.2020

© Evtstratenko Yuliya - Adobe Stock

© Evtstratenko Yuliya - Adobe Stock

Seit Montag dürfen in Düsseldorf und NRW wieder alle Kinder zur Kita gehen. Wie erleben Kinder und Eltern den Start zurück in den Kita-Alltag?

Immer wieder Händewaschen, in der eigenen Gruppe bleiben und draußen nur bestimmte Bereiche nutzen: Seit Montag können alle Kinder in Düsseldorf und NRW wieder in ihre Kindertagesstätten gehen. Der sogenannte eingeschränkte Regelbetrieb, der bis Ende August gelten soll, bedeutet vor allem, dass die Betreuungszeiten begrenzt sind: Alle kommen zehn Stunden weniger als angemeldet – das heißt, wer vorher Anspruch auf 45 Stunden Kita-Zeit hatte, geht jetzt 35 Stunden hin.

„Unsere Tochter hat die Kita nicht allzu sehr vermisst, sich auch zu Hause wohlgefühlt“, berichtet Mutter Nicole über ihre fünfjährige Tochter Jule. „Aber am ersten Tag kam sie dann doch ganz euphorisch nach Hause und hatte viel zu erzählen.“ In ihrer Kita, einer katholischen Einrichtung in Düsseldorf-Friedrichstadt, gibt es über Terrassentüren und ein zusätzliches Treppenhaus die Möglichkeit, dass alle Kinder ihre Gruppe über einen eigenen Zugang betreten. „Das klappt sehr gut“, berichtet die Mutter, „die Eltern halten sich nur möglichst kurz auf dem Hof auf. Die Abholzeit wird fest vereinbart, dann können die Erzieherinnen das Kind schon fertigmachen.“

Infektionsschutz: feste Gruppen

Die Kernidee des Infektionsschutzes in der Kita ist, dass die Kinder und Erzieher*innen in festen Gruppen verbleiben und sich möglichst nicht mischen. Da viele Kitas ein offenes Konzept pflegen, bei dem die Kinder die Gruppenräume wechseln dürfen, bedurfte es hier einiger Umstellungen. Auch das Essen, das viele Kitas in Buffetform in einem Kindercafé anbieten, muss nun innerhalb des jeweiligen Gruppenraums eingenommen werden. Damit nimmt man den Kindern natürlich ein Stück der gewünschten Selbstständigkeit innerhalb der Einrichtung. „Unsere Tochter hat erzählt, dass die Gruppe nun im Gruppenraum gemeinsam isst. In den ersten Tagen hat es ihr wenig ausgemacht, nicht durch die ganze Kita stromern zu dürfen – aber das kann sich auf Dauer natürlich noch ändern.“ Toiletten und Waschräume gebe es glücklicherweise für jede Gruppe extra, sodass hier kein Engpass auftrete. Die Kinder trinken aus ihren Zahnputzbechern, damit sie keine Becher vertauschen.

Auch die Spielfläche draußen muss aufgeteilt werden: Beispielsweise Klettergerüst und Fahrzeuge auf der einen Seite, Rutsche und Sandkasten auf der anderen ... „Auf dem Hof ist Flatterband gespannt. Die Gruppen wechseln von Tag zu Tag die Bereiche. So kommt jedes Kind mal an alle Spielgeräte. Unsere Tochter kann mit dieser Einschränkung gut leben. Zumal die Erzieher*innen auch überraschend locker mit der ganzen Situation umgehen und die Kinder sehr herzlich wieder aufgenommen haben.“ Manche Kitas befürchteten, dass Kinder regelrecht wieder neu eingewöhnt werden müssten nach der langen kita-freien Zeit, aber das halte sich im Rahmen. „In der Kita meiner Tochter hat wohl ein Kind geweint, alle anderen sind morgens gern wieder dort geblieben“, berichtet Mutter Nicole.

Kontaktlos geht es nicht

Abstandsregeln und Masken sind im Kita-Alltag keine Option. Kinder, die sich weh getan haben, die sich noch nicht allein anziehen können oder einfach auch mal Nähe brauchen – Erzieher*innen können ihre Arbeit nicht kontaktlos verrichten. Und auch Masken sind für kleinere Kinder einfach nicht praktikabel. „Es ist schon ein bisschen ein komisches Gefühl, dass Jule jetzt wieder in die Kita geht“, meint Mutter Nicole, „ich bin natürlich gespannt, ob Infektionen auftreten. Aber natürlich vertraue ich auch darauf, dass die Entscheidung für den Kita-Betrieb in dieser Form gewissenhaft gefällt worden ist.“

Die Stadt sammelt inzwischen Anträge von Kitas, die mehr als 35 Stunden anbieten können. Dazu müssen die räumlichen und personellen Gegebenheiten geprüft werden – es ist ja bei streng getrennten Gruppen zum Beispiel nicht mehr möglich, die Kinder, die früh gebracht oder spät abgeholt werden, zusammen mit zwei Fachkräften in eine kleine Gruppe zu legen, sondern jede Gruppe müsste dann über die komplette Stundenzahl laufen.

Weiterhin sollen laut Jugendamtsleiter Johannes Horn rund 200.000 professionelle FFP2-Masken an die Kitas verteilt werden. Etwa 25 Prozent des Personals in Düsseldorf gehört zu einer Risikogruppe, ist also älter als 59 Jahre oder hat eine Vorerkrankung. Sie können aber arbeiten, wenn sie wollen – und sich gegebenenfalls mit einer Maske schützen. „Wir brauchen jede Person“, sagte Horn gegenüber der Westdeutschen Zeitung. Derzeit werden 30 Mitarbeiter aus dem Jugendamt in Kitas eingesetzt, die normalerweise im Bundesprogramm Sprachförderung tätig sind. Auch 52 Springerkräfte und 111 Jahrespraktikanten und weitere Ausbildungs-Kräfte sollen aushelfen. Für die Einstellung von weiterem Personal stelle die Stadt Gelder bereit.

Corona-Studie in Düsseldorfer Kitas

Um die Rolle von Kindern bei der Ansteckung mit dem Coronavirus besser zu verstehen, startet parallel zur Öffnung der Kitas eine gemeinsame Studie des Landes NRW, der Stadt Düsseldorf und des Universitätsklinikums Düsseldorf. Bei der werden mehr als 5000 Kinder und ihre Erzieher*innen vier Wochen lang mehrmals auf das Coronavirus getestet. Zum ausführlichen Libelle-Bericht über diese Studie geht es hier.

„Wir sind froh, dass Jule wieder in die Kita geht. Da denke ich auch ein bisschen egoistisch. So schön die lange gemeinsame Zeit zu Hause war – jetzt ist es auch gut, dass ich wieder mehr Zeit für meine Arbeit habe", sagt Mutter Nicole.

 

Tags: Kita-Öffnung , Kita-Start

Kategorien: Erziehung , Stadtgeschehen