Erziehung

Elternratgeber: „Wieviel Mutter braucht ein Kind?“

Detlef Träbert · 12.11.2020

© Halfpoint – AdobeStock

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Liselotte Ahnert beantwortet die Frage mit viel Hintergrundwissen und verständlich. Ein gut zu lesender Ratgeber für Mütter und Väter.

Eine Frage als Buchtitel: Die Antwort darauf nimmt 336 Seiten ein, von denen keine einzige Langeweile aufkommen lässt. Auch die Rolle von Vätern und Kitas für die Erziehung beschreibt Entwicklungspsychologin Lieselotte Ahnert mit viel Hintergrundwissen.

Im Mittelpunkt des Ratgebers „Wieviel Mutter braucht ein Kind?“ steht die Frage, wie man Mütter bei der Kinderbetreuung in den ersten Lebensjahren entlasten kann. Antworten darauf geben zwölf Kapitel: Was Kinder an Sozialkontakten brauchen, welche Rollen Mutter, Vater, Erzieher*innen und andere Kinder für die Entwicklung spielen oder wie sich moderne Angebote frühkindlicher Bildung tatsächlich auswirken. Bildungsvideos für Babys jedenfalls behindern ihre Sprachentwicklung, das belegt Autorin Lieselotte Ahnert mit aktuellen Forschungsbefunden eindeutig. Über Bilderbücher bewirken Eltern diesbezüglich wesentlich mehr.

Bildung durch Bindung

Der Ertrag früher Bildungsprozesse hängt eben von frühen Beziehungs- und Bindungsprozessen ab – Kleinkinder brauchen Mama und Papa, aber kein TV. Eine ähnliche Warnung spricht Ahnert auch in Bezug auf die Nutzung des Handys aus. Mütter, die es intensiv nutzen, während ihr Baby Aufmerksamkeit braucht, verursachen eine negative Prägung seines Selbstbilds und behindern die sichere Mutter-Kind-Bindung. Die Bindung von Vätern zum Kind fällt intensiver aus, wenn sie das Kind intensiv mit versorgen und betreuen. Dass ihr Engagement jedoch stark davon abhängt, ob die Mutter ihre Beteiligung überhaupt zulässt, klingt überraschend. Dabei sind Väter wichtig in der Erziehung; sie „ergänzen … das mütterliche Modell und verhelfen ihren Kindern zu einem reichhaltigen Menschenbild“.

Sachkundig und verständlich

Wieviel Mutter ein Kind braucht, ist natürlich auch eine zentrale Frage im Zusammenhang mit Kindergärten und Tagesmüttern. Die Autorin stellt klar, dass gute Betreuung sich – neben der Entlastung der Eltern – positiv auf die Kinder auswirkt, während ein schlechter Betreuungsschlüssel die Verhaltensentwicklung der Kleinen nachweislich beeinträchtige. Der kritische Blick der Autorin auf familienpolitische wie gesellschaftliche Tendenzen in Verbindung mit ihrer Sachkunde macht „Wieviel Mutter braucht ein Kind?“ zu einem informativ-aufklärerischen Lesevergnügen. Es ist selten, dass ein Sachbuch sowohl für Expert*innen als auch für Lai*innen faszinierend ist. Lieselotte Ahnert hat es jedenfalls geschafft, nicht nur für Fachleute im pädagogischen, psychologischen und medizinischen Bereich zu schreiben, sondern auch Mütter und Väter (!) verständlich anzusprechen. Absolut empfehlenswert!

 

Wieviel Mutter braucht ein Kind?

Elternratgeber

Von Lieselotte Ahnert
Beltz-Verlag 2020
ISBN 978-3-407-86648-6
Euro 22

Tags: Beltz 2020 , Lieselotte Ahnert , Wieviel Mutter braucht ein Kind?

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