Erziehung

Einschulung – Bald ist es soweit!

Tanja Römmer-Collmann · 25.02.2020

© Bettina Schipping

© Bettina Schipping

Na, habt ihr auch ein langsam aufgeregtes Vorschulkind zu Hause? Hier gibt es Tipps zur Vorbereitung auf die Einschulung!

Anders als in vielen anderen europäischen Ländern, in denen die Kinderbetreuung relativ nahtlos vom Kindergartenalter ins Schulalter übergeht, ist der erste Schultag in Deutschland eine klare Zäsur. Für die Kinder ändert sich so einiges: Der Ort, zu dem sie sich täglich aufmachen, die Betreuungspersonen, die für sie zuständig sind. Sie lernen neue Mitschülerinnen und Mitschüler kennen und müssen sich an einen veränderten Tagesablauf gewöhnen. Die Kindertagesstätten versuchen, die Vorschüler*innen vorzubereiten: Sie geben den Kindern unter anderem kleine Wochenaufgaben auf, lassen sie Verantwortung für jüngere Patenkinder übernehmen, machen mit der Vorschulgruppe Ausflüge zu verschiedenen Institutionen in der Stadt wie Polizei, Feuerwehr und Krankenhaus und organisieren Besuche in den umliegenden Grundschulen. All das hilft dabei, dass die Kinder sich innerlich auf den Abschied von der Kindertagesstätte und auf das neue Erlebnis Schule vorbereiten.

„Einige Vorschulkinder entwachsen dem Kindergarten im letzten halben Jahr sichtlich“, berichtet eine Erzieherin aus langjähriger Erfahrung, „sie testen permanent die Grenzen aus, sind auch schon mal ein wenig vorlaut und haben keine Geduld mehr mit den jüngeren Kindern. Ich will nicht sagen, dass wir dann froh sind, wenn sie gehen – aber wir wissen auf jeden Fall, dass die Zeit für den Wechsel reif ist.“ Es gibt aber natürlich auch den umgekehrten Fall: „Mein Sohn hat in dem Frühjahr vor der Schule seine Selbstständigkeit völlig eingebüßt“, erinnert sich Sonja, deren Sohn mittlerweile glücklich in die dritte Klasse geht, „auf dem Spielplatz hing er plötzlich wieder an meinen Knien, wollte selbst mit seinem besten Freund nicht mehr auf die Spielgeräte losziehen." Wichtig ist in jedem Fall, das Kind mit seiner Aufregung und seinen Ängsten ernst zu nehmen, zu thematisieren, dass der Wechsel von der Kita in die Schule schon mal nervös machen kann – und zu signalisieren, dass die Eltern für alle Sorgen und Nöte jederzeit ansprechbar sind.

Der erste Toni

Mit der Anmeldung an der gewählten Grundschule im Spätherbst und dem Brief über die gewünschte Aufnahme rund um Karneval (die begehrten OGS-Plätze werden häufig erst im Mai final zugeteilt) kann die konkrete Vorbereitung beginnen. Die allermeisten Kinder bekommen den Tornister samt Federmäppchen und Turnbeutel neu. Viele Kaufhäuser, Schreibwarenläden und Hersteller veranstalten sogenannte Ranzenpartys, bei denen die verschiedenen Modelle vorgestellt und anprobiert werden können und es Rabatte auf den Einkauf gibt, der sich irgendwo zwischen 200 und 300 Euro bewegt. Wichtig beim Ranzenkauf: Jemand vom Fach sollte den guten und bequemen Sitz überprüfen, der Ranzen sollte einen robusten und alltagstauglichen Eindruck machen. Kann das Kind den Hauptverschluss einfach öffnen und schließen? Steht der „Toni“, wie er hierzulande heißt, auch stabil auf dem Boden? Ist der Deckel wasserdicht? Gibt es ein Fach für eine Trinkflasche? Für zierliche Kinder sollte man sich auch die extraleichten Modelle zeigen lassen. Wichtig ist auch eine ausreichende Fläche an Reflektoren für dunkle Wintertage. Und zu guter Letzt entscheidet natürlich auch das Design, auf das gerade auch die Kinder großen Wert legen. Die Frage, ob sie sich vorstellen können, auch als Viertklässler noch mit Dinos oder Einhörnern rumzulaufen, sei den Eltern durchaus gestattet ...

Finger weg!

Vielleicht gibt es den Toni ja als Ostergeschenk von den Großeltern oder zum sechsten Geburtstag. Auf jeden Fall bekommt er einen Ehrenplatz im Kinderzimmer und symbolisiert den bevorstehenden Neuanfang. Manche Kita lädt alle Vorschüler*innen ein, an einem Tag ihre Ranzen mitzubringen. Und die Eltern können von Anfang an lernen: Der Schultornister gehört voll und ganz dem Kind. Ob es nun zeitweilig Puppenkleidung hineinpackt oder seine Fußballsammelkarten dort unterbringt – Elternhände sollten wirklich nur im allergrößten Notfall ordnend eingreifen. Lieber das Kind später ein paar Mal mit den falschen Heften zur Schule gehen lassen, als ständig seinen Toni abends noch mal umzupacken: Das führt nur dazu, dass sich das I-Dötzchen bald nicht mehr zuständig fühlt und Ranzenpacken, Ranzentragen und Ranzenaufräumen an einem allzu willfährigen Elternteil hängenbleiben ...

Sicherer Schulweg

Als nächstes üben die Eltern mit dem Kind den Schulweg. Auch wenn es in den ersten Schulwochen nicht gleich allein gehen wird – bis zu den Herbstferien ist der selbstständige Schulweg ein realistisches Etappenziel. Die möglichen und tatsächlichen Gefahrenquellen wie parkende Autos, uneinsichtige Ausfahrten und eventuell neu auftauchende Baustellen sollten besprochen werden. Was tun, wenn unterwegs etwas passiert? Viele Geschäfte haben den Aufkleber mit der „Helfenden Hand“ im Schaufenster und wissen bei plötzlichem Toilettendrang, verlorenem Turnbeutel oder aufgeschürftem Knie eine pragmatische Lösung. Wichtig ist, die Strecke genau festzulegen. Wenn es mehrere Möglichkeiten gibt, empfiehlt die Polizei lieber klare Ampelübergänge, auch wenn die Straßen größer sind, als das freie Überqueren im unübersichtlicheren Wohnbereich. Vielleicht lässt sich ja auch eine Laufgruppe organisieren, in der die Kinder gemeinsam gehen, immer nur begleitet von einem Elternteil? Das schafft für beide Seiten rasch die Sicherheit, dass es auch allein geht.

Desweiteren steht in der Kita eine kleine Abschiedsfeier an, parallel wird die Schultüte gebastelt und befüllt. Und am ersten Schultag beweisen dann Schultornister, Schultüte und Zahnlücke auf dem Einschulungsfoto: Ja, Josie und Maxim sind jetzt wirklich freudige Erstklässler!

Tags: Einschulung , Grundschule

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