Gelassen erziehen

Die Modelle: U3-Betreuung

Tanja Römmer-Collmann · 16.09.2021

© NDABCREATIVITY – AdobeStock

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Die erste Betreuung für das Kleinkind, wie kann, wie soll sie aussehen? Die Libelle stellt die möglichen U3-Modelle und -Einrichtungen vor.

Und, wann gehst du wieder arbeiten?“, ist eine ganz häufige Frage, wenn Mütter nebeneinander ihre Kinderwagen schieben und sich über ihre aktuelle Lebenssituation mit dem Baby austauschen. Ein Gesprächseinstieg, der oftmals an wunden Punkten rührt und trotzdem fast jeder Mutter auf der Seele brennt. So vieles schwing hier mit: Finanzielle Notwendigkeiten, berufliche Absprachen, Karriereüberlegungen, Lust und Unlust zum Wiedereinstieg in den Job, die häusliche Situation, Geschwisterkinder, der Partner. Und natürlich die Liebe und Sorge um das kleine Wesen, das erst seit einigen Wochen oder Monaten auf der Welt ist und noch so zart und hilflos ist: Kann ich es schon einer anderen Person anvertrauen? Leidet es unter der Trennung? Leide ich unter der Trennung? Ab wann braucht es Kontakt zu anderen Kindern?

U3-Betreuung in der Coronazeit

In der heutigen Zeit kommen auch noch weitere Gedanken hinzu: Wie ist das mit Corona? Muss ich mir Sorgen wegen einer möglichen Ansteckung in der Kindergruppe machen? Hat die Kindertagesstätte oder Tagespflege überhaupt zuverlässig geöffnet? Was kommt an pandemiebedingten Schwierigkeiten auf uns zu? Und natürlich: Welche Form der Kinderbetreuung wünschen wir uns für unser Kind und wie kommen wir an den Wunschplatz? Die geläufigsten Modelle der U3-Kinderbetreuung, also der Betreuung für die Kleinen unter drei Jahren, haben wir hier für euch zusammengestellt – mit den jeweiligen Vor- und Nachteilen. Eins ist klar: Die ideale Lösung wird es nicht geben, in irgendeiner Hinsicht ist sicherlich immer ein Kompromiss nötig.

Klassiker Kindertagesstätte

Die KINDERTAGESSTÄTTE oder kurz Kita ist die klassische Form der Kinderbetreuung in Deutschland, die wir früher als vormittäglichen Kindergarten gekannt haben. Inzwischen sind die Öffnungszeiten bis in den Nachmittag erweitert und zumeist gibt es eine oder zwei Gruppen auch für U3-Kinder. Das können Gruppen sein nur für die ganz Kleinen oder sogenannte Familiengruppen mit kleinen und etwas älteren Kindern zusammen. Vorteil ist, dass die Kinder bis zur Vorschulzeit in ein und derselben Kita bleiben können und dass die Betreuung sehr verlässlich ist. Nachteil ist anfangs die relative Größe der Einrichtung, die das Kind nicht überschaut. Kitas gibt es von der Stadt beziehungsweise dem Jugendamt, den Kirchen, weiteren Trägern der freien Wohlfahrtspflege und natürlich auch als privat geführte Betriebe.

Familiäre Tagespflege

Die TAGESPFLEGE empfinden viele Eltern von U3-Kinder als den idealen Einstieg in die Betreuung: Die Tagesmutter – oder der seltenere Tagesvater – darf maximal fünf Kinder gleichzeitig in die kleine Gruppe aufnehmen, die sie oder er in der Regel in ihren eigenen vier Wänden in einem extra dafür zugelassenen Bereich betreut. Es geht also deutlich ruhiger zu und die Betreuung fühlt sich für das Kind im Idealfall wie ein zweites Zuhause an. Die eine, feste Bezugsperson ist zugleich ihr Nachteil: Ist die Tagesmutter krank oder nimmt sich eine Auszeit, müssen die Eltern ihr Kind einer Ersatz-Tagesmutter anvertrauen oder anderweitig improvisieren. Außerdem befürchten viele Eltern, dass die Tagesmutter ohne Kontrolle von außen und ganz auf sich gestellt in manchen Situationen vielleicht überfordert sein könnte.

Großtagespflege mit einer Gruppe

Die GROSSTAGESPFLEGE ist im Prinzip eine eingruppige Mini-Kita mit vor allem U3-Kindern. Hierzu tun sich zwei, meist drei Pflegepersonen zusammen und betreuen in angemieteten Räumen bis zu neun Kinder gemeinsam. Die Anforderungen an die fachliche Qualifikation und den Betrieb sind hoch und entsprechen weitgehend denen einer Kita: So muss beispielsweise mindestens eine der Pflegepersonen pädagogisch ausgebildet sein. In Düsseldorf gelten für Großtagespflegen daher auch die Kitabeitragssätze. Urlaubszeiten der Mtarbeiter:innen können Großtagespflegen so absprechen, dass die Kinder fast durchweg betreut sind; auch Krankheitsfälle sind hier weniger problematisch. Es gibt in Düsseldorf etliche Großtagespflegen, die gleich mehrere Filialen betreiben.

Spielgruppe zur Überbrückung

Zwei- bis dreistündige SPIELGRUPPEN ohne Eltern sind eine Möglichkeit, wenn der Hauptzweck der Fremdbetreuung ist, das Kleinkind mit Gleichaltrigen in Kontakt zu bringen und selbst etwas Zeit zum Einkaufen, für einen Friseurtermin oder für das Geschwisterkind zu haben. Meist konzipiert für Zwei- bis Dreijährige sind Spielgruppen, die zum Beispiel vom Kinderschutzbund, Awo, Diakonie oder anderen Trägern angeboten werden, zur Betreuung kaum geeignet, um die Berufstätigkeit der Eltern abzudecken. Sie können aber für das Kind gegen Ende der Elternzeit ein sanfter Einstieg und eine Vorbereitung für die Fremdbetreuung sein. Die Kinder lernen dort die ersten Rituale des Zusammenseins wie gemeinsames Aufräumen, gemeinsames Essen und Trinken, ein Morgenlied und ein Abschiedslied.

Die Großeltern sind gefragt

Auch die GROSSELTERN als Hilfe bei der Kinderbetreuung stehen aktuell hoch im Kurs. Im Laufe der Coronazeit sind viele Familien wieder näher zusammengerückt und unterstützen sich in Alltagsdingen. Sollten die Kinder und Enkel anfangs Distanz zu Oma und Opa halten, fühlen diese sich inzwischen meist durch eine Impfung so gut geschützt, dass der Kontakt wieder möglich ist. Und da die Reiselust der „rüstigen“ Renter:innen in Pandemiezeiten einen argen Dämpfer bekommen hat, haben sie Zeit für die Enkelkinder. Manche Familie versucht mit Hilfe der Großeltern dem Stress durch häufig neue Coronaregeln in Kita und Schule sowie der möglicherweise drohenden Quarantäne für die ganze Familie zu entgehen und ein halbwegs geordnetes Alltagsleben zu führen. Offene Absprachen über Erwartungen und Erziehung sind hier unerlässlich.

Kinderfrau oder Au-pair im Haus

Eine KINDERFRAU, die ins Haus kommt oder ein AU-PAIR, das für ein Jahr oder länger bei der Familie wohnt, sind weitere Betreuungsmodelle, die in der Coronazeit für etliche Familien eine individuelle Lösung darstellen und ihnen weiterhelfen. Gerade, wenn Kinder verschiedenen Alters im Haushalt leben, decken Kinderfrau und Au-pair-Gast gleich alle Altersstufen mit ihrer Betreuung ab und übernehmen auch Dienste im Haushalt. Die Eltern überlassen ihnen im Idealfall das heimische Tagesgeschehen und übernehmen abends wieder an Ort und Stelle. Für die Kinder hat dieses Modell den Vorteil, dass sie in ihren eigenen vier Wänden betreut werden. Natürlich benötigen Familien den nötigen Platz und die erforderlichen finanziellen Mittel. Au-pairs profitieren im Idealfall vom Familienaufenthalt und bauen sich eine Zukunft in Deutschland auf.

Tags: Kita & Schule

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