Erziehung

Darf ich mal was sagen?

Anke Strotmann · 29.07.2019

© Silvia Brandt

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Um das Recht auf freie Meinung auch für Kinder geht es diesen Monat beim von der Libelle und dem Kinderschutzbund initiierten Kinderrechtejahr in Düsseldorf.

„Ich will nicht zum Turnen“, sagt Micha. „Da ist es langweilig und außerdem sind da nur Babys.“ Der Fünfjährige ist aus dem Eltern-Kind-Turnen herausgewachsen. Die Spiele und Geräte sind nicht mehr altersgemäß, er ist unterfordert und frustriert. Seine Mutter weiß das, nimmt ihn aber mit, weil Lara, seine kleine Schwester, immer noch gern hingeht. Sie verspricht Micha aber, dass er nach den Sommerferien in eine andere Turngruppe gehen darf.

Das Recht auf freie Meinungsäußerung und Beteiligung an Entscheidungen fängt schon ganz früh im Leben an. Das Recht wird aber häufig damit verwechselt, dass Kinder die Entscheidungen treffen. Das ist aber nicht so. „Das heißt nicht, dass die Kinder bestimmen, wohin es in den Urlaub geht, aber dass sie ein Beteiligungsrecht haben, Vorschläge machen können und dass man sich in der Familie zusammensetzt und einen Konsens findet“, sagt Bettina Erlbruch, Geschäftsführerin des Kinderschutzbunds Düsseldorf. Das sei besonders wichtig in Krisensituationen: Im Trennungsfall könne das Kind nicht entscheiden, ob es lieber bei der Mutter oder dem Vater leben möchte. Da seien die Eltern gefragt, eine Lösung zu finden.

Im Sinne des Kinderrechts die Kinder miteinzubeziehen fängt für Erlbruch schon ganz früh an: In den U3-Gruppen des Kinderschutzbunds wird versucht, die Kinder – im Rahmen ihrer Möglichkeiten – zu beteiligen. „Das fängt damit an, dass man fragt, wo willst du spielen oder beim Essen eine Auswahl anbietet“, sagt Erlbruch. „Erwachsene stecken den Rahmen, lassen aber den Kindern die Möglichkeit, sich zu entscheiden.“

Neugierig geworden? Kinderrechte sind auch bei uns nicht immer selbstverständlich, und gerade das Recht auf die freie Meinung und Beteiligung ist in den westlichen Gesellschaften in Bezug auf die Kinder häufig in Gefahr, wenn permanent über ihre Köpfe hinweg entschieden wird oder ihnen auf der anderen Seite zu viel Freiheit gelassen wird, der verlässliche Rahmen fehlt. Anlässlich des 30. Jubiläums der UN-Kinderrechtskonvention hat die Libelle gemeinsam mit dem Kinderschutzbund Düsseldorf das Kinderrechtejahr 2019 ausgerufen und viele, viele Partner, Institutionen, Einrichtungen und Ämter mit ins Boot geholt. Alle zusammen möchten sie im Lauf des Jahres alle Kinder und Erwachsenen in Düsseldorf für die Kinderrechte sensibilisieren und darauf aufmerksam machen, wo und wie wir diese Rechte auch hier bei uns noch besser umsetzen können. In der Libelle-Serie zu den zehn Kinderrechten geht es in der Juli-Ausgabe um das Kinderrecht auf die freie Meinung und Beteiligung. Schnell ein Heft besorgen oder hier weiterlesen ...


Tags: 30 Jahre Kinderrechte , Kinderrechte , Kinderrechte Düsseldorf

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