Gelassen erziehen

Wenn Kinder groß werden

Tanja Römmer-Collmann · 25.03.2021

© channarongsds – AdobeStock / Libelle

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Libelle-Serie „Und jetzt?!“: Jugendberaterin Anke Niwinska erklärt, wie sich die Pubertät bemerkbar macht und wie Eltern reagieren können.

Manchmal läuft es in der Familie einfach nicht rund, es hakt und knirscht ständig und die Nerven liegen blank. Wolltest du immer schon mal wissen, was eine Expertin oder ein Experte dir dann rät? Die Libelle spricht für die neue Serie „Und jetzt?!“ mit Düsseldorfer Kinder- und Jugendcoaches, Erziehungsberaterinnen und Familientherapeutinnen über typische Familien- und Erziehungsthemen. So erfährst du, was dir in deiner und eurer Situation vielleicht helfen kann.

Das Kind verkriecht sich. Gut durch die Pubertät

Für die Libelle-Serie „Und jetzt?!“ haben wir mit SKFM-Jugendberaterin Anke Niwinska über typische Situationen während der Pubertät gesprochen und sie nach Tipps gefragt, wie Eltern ihre Kinder möglichst gut in dieser Phase begleiten:

Himmelhochjauchzend, zu Tode betrübt

„In der Pubertät passiert innerlich ganz viel – psychisch und körperlich, aber auch neuronal“, erklärt Anke Niwinska „das Kind beziehungsweise der oder die Jugendliche fühlt sich mitunter wie im Schleudergang einer Waschmaschine.“ Gut ist, wenn Eltern dann einen Ruhepol darstellen: „Sie können zeigen, dass sie vielleicht nicht jedes Verhalten, aber ihr Kind als Person weiterhin akzeptieren und lieben. Gesprächsbereitschaft signalisiert Pubertierenden, nicht allein zu sein.“

Bitte immer anklopfen!

Jugendliche brauchen in dieser Phase ausreichend Privatsphäre – insbesondere auch in der Coronazeit, wenn alle viel zu Hause sind. „Dann bleibt die Zimmertür auch schon mal einige Tage zu“, weiß Anke Niwinska, „und wer hinein möchte, sollte unbedingt klopfen.“ Ratsam sei es auch, vermeintliche lustige Schilder wie „Betreten verboten“ oder „Todeszone“ zu respektieren und sich auf keinen Fall darüber lustig zu machen. „Damit signalisiere ich: Ich nehme dich und deine Bedürfnisse ernst.“

Hier stinkt's wie im Pumakäfig!

Manche Jugendliche reagieren auf die körperlichen Veränderungen mit Verdrängung – sie möchten weder Deo nutzen noch regelmäßig duschen und Haare waschen. „Eltern erreichen am meisten, wenn sie auf Augenhöhe mit dem Kind sprechen, ernst gemeint loben, gut zuhören und Offenheit signalisieren“, rät die Jugendberaterin. Wenn zum Beispiel der Vater dem Sohn zeigt, wie er sich rasieren kann, ist das wie eine Eintrittskarte in die Welt der Erwachsenen – und ein Geschenk an die Jugendlichen. Beiläufig kann dann auch der Körpergeruch Erwachsener erwähnt werden ...

Veränderter Biorhythmus

„Es ist wissenschaftlich nachgewiesen, dass sich mit der Hormonumstellung auch die Ausschüttung des Schlafhormons Melatonin auf spätere Uhrzeiten verschiebt“, erklärt Anke Niwinska, „wer das weiß, hat mehr Verständnis für nachtaktive Jugendliche.“ Man könne darüber sprechen, dass Bildschirmlicht den Effekt noch verstärke und vielleicht in der Familie eine „Challenge“ vereinbaren, gemeinsam wieder früher ins Bett zu kommen.

Komm mir nicht zu nahe!

Manche Kinder gehen in der Pubertät auch körperlich sehr auf Abstand zu ihren Eltern. „Jede Berührung ist ihnen dann peinlich und unangenehm“, führt die Beraterin aus, „das sollten Eltern respektieren.“ Es sei aber auch nicht ungewöhnlich, wenn der oder die Pubertierende dann plötzlich wieder die Nähe suche und kuscheln wolle. Eltern bleibe nichts anderes übrig, als feine Antennen zu entwickeln, was gerade angesagt ist.

Über heikle Themen reden

Ob die Menstruation oder der erste Samenerguss: „Diese Ereignisse sollten das Kind möglichst nicht kalt erwischen“, sagt Anke Niwinska. Eltern können solche schwierigen Themen mit Hilfe von Büchern oder Filmen aufgreifen, sich auch nach den Informationsquellen der Kinder – wie zum Beispiel Influencer*- und Youtuber*innen – erkundigen. Manchmal ist es hilfreich, wenn neutrale Fachkräfte wie der oder die Kinderärzt*in das Kind beraten, zum Beispiel auch beim leidigen Thema der unreinen Haut.

Er / sie erzählt mir gar nichts mehr ...

Für Eltern kann es schmerzhaft sein, wenn ihr Kind Gleichaltrigen mehr anvertraut als ihnen. „Das fühlt sich durchaus wie Eifersucht an“, erklärt die Expertin. Eltern können sich klarmachen, dass das Kind sie auf keinen Fall persönlich kränken wolle. Niwinska empfiehlt ein elterliches Umdenken: „Versuchen Sie, den emotionalen Rückzug als Hinweis auf eine gesunde Entwicklung zur Selbstständigkeit zu sehen“, rät sie.

Auf der nächsten Seite geht es weiter mit der Bedeutung der Peers für Pubertierende, den typischen Dauerstreitthemen Internet und Schule sowie der Frage: Wie lange geht das so?

Tags: Anke Niwinska , Jugendberatung , Libelle-Serie „Und jetzt?!“ , Pubertät , Sozialdienst katholischer Frauen und Männer e. V.

Kategorien: Stadtleben , Gelassen erziehen